Nach dem Frühstück ging es gleich los zum Gemüse- und Fleischmarkt, ca. 10 Min.
fußläufig vom Hotel entfernt. Man, wat war das voll dort. Wir hatten von 08:35
bis 09:15 Zeit selbst durchzuschlendern, Shuwen warnte uns aber schon gestern im
Bus vor der Fleischhalle. Die Obst- und Gemüsehalle war sehr interessant...auch
was die Gerüche angeht (würg). Dort gab es aber auch Reis und Gewürze.
Faszinierend war teilweise die Größe von z.B. Möhren. Am Eingang der
Fleischhalle überlegte ich kurz, ging dann aber doch nicht weiter, als ich am
anderen Ende aufgehangene Fleischgerippe vom Hund hängen sah. Das Fleisch soll
angeblich übrigens wie Büffelfleisch schmecken. Shuwen ist kein Hundefleisch und
weiß daher nicht, ob es wirklich stimmt. Es werden auch nur bestimmte Rassen
gegessen, andere sind ganz normale Haustiere. Als sie dann noch einen Käfig
voller eng aneinander gequetschten Enten an mir vorbei karrten war es ganz
vorbei, da bin ich dann raus. Einige erzählten dann noch, dass es weiter hinten
viele lebende Tiere gab (so auch Hunde und Katzen), die dort vor Ort rasiert und
geschlachtet werden. Also mal ehrlich...von mir aus kann ja jeder essen und
trinken, was er will, aber bitte bitte kein vorheriges Gequäle der Tiere. Und
kein Tier, sei es auch "nur" eine Ente, die auf so einem Markt Todesängste
durchlebt, hat das verdient. Und der Mensch hat kein Recht dazu! Das gilt
natürlich auch für Deutschlands Massentierhaltung. Ich denke da muss sich jedes
Land an die Nase fassen. Sorry, ich reg mich schon wieder auf, also zurück zum
Thema. Nach dem Marktbesuch wurden wir dort vom Bus abgeholt und unsere Fahrt
nach Longsheng begann. Im Bus erzählte Shuwen wieder einige interessante Sachen,
von denen ich mir nur nicht immer so viel merken kann. Zum Bsp. erklärte sie das
Yin & Yang. Alles ist aufgeteilt. Die Pampelmuse gehört zum Yin, dem Weiblichen
und eher schlechten Teil. Die Mango aber ist Yang, also männlich und gut (naja).
Verstanden habe ich das Zuordnungsprinzip noch nicht. Man wird aber krank, wenn
man beim Essen mehr Yin als Yang isst oder umgekehrt. ;) Beides muss immer im
Gleichgewicht sein. Wir fuhren auch an einer Tigerfarm vorbei, in der es bereits
über 1500 Tiger gibt. Ihr könnt euch denken, wofür so eine Farm ist. Tigerblut
und Tigerknochen werden eben medizinische Vorteile nachgesagt. Unglaublich, dass
sowas immer noch erlaubt ist, obwohl es doch eine gefährdete Rasse ist. Laut
Shuwen gibt's dort auch weiße Bären (nein, keine Eisbären), aber was und wofür
die sind, habe ich nicht verstanden. Muss das erstmal googeln. Man kann nur
hoffen, dass die Generation, die noch an sowas glaubt und festhält irgendwann
ausstirbt. Man merkt aber schon, dass ein Umdenken stattfindet, aber es braucht
seine Zeit. Gleich hinter Yangshuo stoppten wir nochmal für ein schönes
Karstkegelberge-Foto. Die Karstformationen entstehen übrigens durch Erosion des
porösen alkalihaltigen Kalksteins hier in Südwestchina. Durch das feuchtwarme
Klima und den sauren Regen verwittert alles noch schneller und daher gibt's hier
Gegenden mit Tausenden dieser grandiosen Karstformationen. Das aus der Qin-Ära
stammende Guilin ist bekannt für seine bis zu 200m hohen Karstkegel, die sich
mitten über die Stadt ausbreiten Die Berge spiegelten sich im Wasser...sehr
schön. Wir zogen das Programm von morgen vor und fuhren heute schon nach Guilin.
Dort spazierten wir ca. 1 Stunde am See mit den zwei wunderschönen Pagoden Riyue
Shuang Ta entlang und Shuwen erzählte wieder ein bisschen vom General, dem 800
Jahre alten Banyan-Baum, dem alten Südtor Gu Nan Men (einziger Überrest der
alten Stadtmauer aus der Ming-Zeit) - aber das interessiert euch sicher nicht
so. ;) Schade, dass wir nicht abends dort sind. Die Pagoden sollen laut Internet
herrlich beleuchtet sein und am Ufer steppt der Bär. Chinesen tanzen unglaublich
gerne auf der Strasse. In Shanghai haben wir Line-Dance und
Tango und in Guilin einen Fächertanz gesehen. Von 12:45 bis 13:15 waren wir dann
am Fubo Berg in Guilin. Der gelbgraue Fels ragt aus dem Fubo Shan Fluss
(Seitenarm des Li) empor und wird auch wellenbesänftigender Berg genannt. Einige
kraxelten rauf, andere blieben unten. Ich auch. ;) Ich spazierte mit Meinhard
und Renate durch die Höhle und am Fuß des Bergs lang, der direkt am Li Fluss
steht. Ich war etwas eher durch und setzte mich zu Shuweng. Keine Minute später
kam schon ein Chinese und fing an einen Scherenschnitt von meinem Profil zu
machen. Ich konnte ihn nicht aufhalten und wurde daher 10 Yuan los. Das Bild war
dann aber der Renner und sowohl Jana als auch Andreas und Claudia ließen sich
noch eins machen. Das Ergebnis war gar nicht so übel. 13:30 ging es weiter. Im
Bus erzählte Shuwen dann noch vom Heiraten und der 1-Kind-Politik. Weiße
Brautkleider bringen zum Bsp. Unglück, rote dagegen Glück. Ich habe in Guilin
beides fotografieren können, also setzt sich diese Tradition wohl nicht
unbedingt ganz strikt fort. Weiß ist aber generell nicht gern gesehen. Auf dem
Land ist es sogar verpönt, mit weißen Schuhen zu einer Familie zu Besuch zu
gehen. Mit der Familienplanung ist das auch nicht so einfach. Mit 28 Jahren gilt
eine unverheiratete Frau als "übrige Frau", also eher unangesehen (wenn die
wüssten, wie das bei uns ist). Allerdings sind diese Frauen auch meistens sehr
gut gebildet wegen der langen Ausbildung und sehr wählerisch was den Ehemann
angeht. So kommt es, dass auch erst sehr spät geheiratet wird. Wenn man dann ein
Kind möchte, muss man zur Familienplanungsbehörde, um sich die Erlaubnis dafür
zu holen. Erst wenn man das Schreiben mit Stempel hat, kann man das Kind in
einem Krankenhaus bekommen. Macht man es unerlaubt oder bekommt illegal mehr
Kinder, kann die Strafe bis zu 800.000 Yuan kosten, das ist aber abhängig vom
Einkommen. Mehrlingsgeburten sind übrigens ausgenommen und völlig legal. Das
wird aber auch missbraucht. Wenn man nämlich Beziehungen hat und einen Schein
vom Krankenhaus über eine Zwillingsgeburt erhält, dann kann man sich noch ein
zweites Kind "besorgen" oder daheim bekommen und bekommt dafür legale Ausweise.
Dass das eine Kind dann 3 und das andere 5 ist, interessiert dann wohl niemanden
mehr. Klingt komisch, ist aber so. Und wenn die Frau als 1. Kind schon einen
Sohn hat, dann muss sie definitiv eine Strafe zahlen. Bei Mädchen macht man wohl
oft Ausnahmen und genehmigt noch einen Sohn, damit der Stammbaum weiter geführt
werden kann. Kann die Frau aber nicht zahlen, wird sie abgeführt und zu einer
Abtreibungsstelle gebracht. Krass, oder? Geht sie damit zur Presse wird sie als
Vaterlandsverräterin beschimpft. Ach und noch was interessantes: hier in China
ist 8 eine Glückszahl. Nummernschilder mit Achten kosten z.B. extrem viel mehr
als andere, da sie Reichtum bringen sollen. Die Zahl 4 hingegen bringt Pech,
oftmals gibt es kein 4. Stockwerk in Hochhäusern (ähnlich unserer 13). 15:30
mussten wir in einen kleineren Bus umsteigen (vorher genossen wir die
Harmoniehalle mit wohlriechenden Hocktoiletten), da von da an die Fahrt zu den
Reisterrassen kostenpflichtig war. Die Fahrt war irre...schmale Strassen, tiefe
Schluchten und kaum Leitplanken. Mir sackte mehrmals das Herz in die Hose. Ich
hasse solche Serpentinen. Gegen 16:45 waren wir da und kamen kaum aus dem Bus.
Vor der Tür drängelten sich die schwarz-pink gekleideten Frauen der
Yao-Minderheit, die hier leben. Sie hielten alle Körbe nach oben, wo wir unsere
Rucksäcke reintun sollten. Es gab eine richtig derbe Rangelei, bis der Busfahrer
ein Machtwort sprach. Im Prinzip hatte man auch keine Wahl...man musste den
Rucksack in einen Korb tun. Die laufen sonst solange hinterher und nerven auf
chinesisch, bis man es freiwillig macht. Die meisten von uns mussten sie aber eh
nicht lange bitten. ;) Das Gekraxel die Reisterrassen hoch war die Hölle! Der
ganze Weg bestand eigentlich nur aus Treppenstufen, mal flach mal sehr hoch. Und
der Anstieg war im 45 Grad Winkel. Ich kann's nicht weiter beschreiben, es war
einfach nur schlimm. Wir kamen unterschiedlich an. Die Ersten 17:30, die Letzten
(Shuwen und ich) 18:30. Ich war völlig durchnässt. Stellt euch einfach vor, ihr
seid in einer Sauna auf dem Stepper...das ist wohl vergleichbar. Oben angekommen
war es wie im tropischen Regenwald und es nieselte die ganze Zeit. Guilin hat es
wettertechnisch nicht gut mit uns gemeint. Alles war vernebelt und feucht
dunstig. Ich war völlig platt und wollte nur noch duschen. Der Gedanke wäre mir
nicht gekommen, wenn ich das Zimmer vorher gesehen hätte. ;) Das 2-stöckige
Guesthouse war einfach aus ein paar Brettern zusammengezimmert, nicht verputzt,
verfugt oder der gleichen. Eigentlich hätten wir auch alle in einem Saal
schlafen können, man hat eh alles über mehrere Zimmer hinweg verstanden. Das
"Bad" bestand aus einer Lochtoilette, einem Waschbecken und einem Loch in der
Wand, was wohl ein Fenster war. Die Dielen knarrten, als würde man gleich nach
unten durchrauschen. Warmes Wasser hatten wir nicht. Beim Haare waschen ist mir
fast die Kopfhaut gefroren...eisige Gebirgsbachkälte war das. Aber nur die
Harten kommen in den Garten, wa? Kennen wir ja. Wartet auf die Fotos und dann
schreibt mal, ob ihr dort genächtigt hattet, hihi. Nach einer Stunde gab's
Abendbrot und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Schnecken gegessen...ganze
zwei Stück, ist nicht so meins. Schnapps gab's auch wieder, von Horst spendiert.
Dann war noch bis ca. Zehn plaudern angesagt. Mal draussen, mal drinnen. Das
Klima war dann ganz angenehm. Vorm Haus war eine Betonterrasse mit zwei Tischen,
um die wir saßen. Und davor direkt der Blick auf zahlreiche Reisterrassen,
zumindest soviele wie der Nebel zuließ. 06:04 sollte Sonnenaufgang sein, also
gingen wir alle relativ früh aufs Zimmer. Ich machte die ganze Nacht kein Auge
zu. Entweder musste ich an Kakerlaken oder ähnliches denken oder es war so
totenstill, dass es schon wieder gruselig war. Aber hauptsächlich war das Bett
Schuld. Die "Matratze" bestand aus einer Art Holzpalette mit einer Latte in
Steißbeinhöhe. Ihr könnt euch vorstellen, wie bequem das ist. Nicht mal 10
Minuten habe ich zusammenhängend geschlafen. Schade. 5:57 klingelte der Wecker.
Und was uns dann erwartete war der Hammer...
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