Wir waren wie immer vor dem Weckruf wach. Jana's Kopfschmerzen waren weg, aber
dafür war mir übel. Ich bin nicht mit zum Frühstück, sondern hab mir erstmal
zwei Dolormin reingepfiffen und dann langsam geduscht. Unser Zimmer hatte eine
Glaswand zum Badezimmer, was ziemlich geräumig war. Leider hatte es keine Tür,
was erst etwas gewöhnungsbedürftig war. ;) Mir war so übel, dass ich wirklich
überlegt habe, ob ich nicht im Hotel bleibe, habe mich dann aber doch
hochgerafft. Jana brachte mir Yak-Buttertee vom Frühstück mit und ich trank brav
die ganze Tasse aus...soll ja helfen und ich wollte doch mit. Man ist ja nur
einmal in Tibet. Um 09:00 ging's dann los zum Kloster Drepung, ca. 8 km vor der
Stadt. Eine riesige Klosteranlage, an einen Berghang gebaut. Das war schon
ziemlich eindrucksvoll. Früher lebten dort 10.000 Mönche, heute noch ca.
500-600. Nach der Durchleuchtung (natürlich!) kraxelten wir schon wieder einen
scheiss Berg hoch. Ich kann keine Treppen mehr sehen!!! Ganz oben vor der ersten
Kapelle habe ich gestreikt und mit Gelie verabredet, wann ich wieder am Bus sein
soll. Ich habe dann meinen eigenen Streifzug durch die Klostergassen gemacht und
mein eigenes Tempo gefunden. Die Ruhe und Einsamkeit tat mir mal ganz gut.
Ausserdem war ich die Attraktion für die Mönche oder Pilger, die mir begegneten.
Bei der Weihrauchtante (letzter Blog) hatte ich dann ein schattiges Plätzchen
gefunden. Gegen 12:00 tauchten die anderen wieder auf...total kaputt. Ich war
froh, dass ich pausiert hatte, schließlich sollten noch zwei andere Kloster
besichtigt werden. Wir fuhren direkt zum ehemaligen Sommerpalast des jetzigen
Dalai Lama in Lhasa, nach Norbulingka. Dort lebte der Lama bis 1959, ehe er als
tibetischer Soldat verkleidet nach Indien floh. Die Anlage ist riesig, aber
glücklicherweise ebenerdig. ;) Es gibt 4-5 Paläste und sogar einen Zoo.
Dazwischen wunderschöne bunte und idyllische Gartenanlagen. Wir besichtigten
u.a. das Meditationszimmer, das Schlafzimmer sowie das Audienzzimmer mit dem
riesigen goldenen Thron des Dalai Lama. Auch den Platz von Heinrich Harrer, der
den Lama meistens in Norbulingka unterrichtete, haben wir bestaunen können. Nach
den Besuchen der zwei Tempel machten wir 20 Min. Picknick in den Gartenanlagen.
Die Pause tat allen gut. Danach fuhren wir mit dem Bus zum Hotel zurück, wo wir
20 Min. Harmoniepause hatten. Ich hatte null Bock mehr auf Klöster oder Tempel.
Irgendwann ist man immer auf dem Punkt, dass man eine Reizüberflutung hat, seien
sie auch noch so schön. Aber zum Jokhang wollte ich ja auf jeden Fall, weil man
von dort aus auch einen wundervollen Blick auf den Potala haben sollte. Und im
Reiseführer klang er auch sehr toll. Anschliessend ging es also zu Fuß zum
Tempel, der heiligsten Stätte Tibets, der gleich um die Ecke von unserem Hotel
war. Aus dem Hotel raus ging es durch einen Gang und dann rechterhand 50 m und
man war mitten auf dem Barkhor. Das ist einer der drei Pilgerwege in Lhasa (1,5
km). Der zweite geht um den Potala und der dritte um die alte Stadtgrenze (7,5
km). Es waren sehr viele Pilger unterwegs, die ihre Gebetsmühlen drehten und
sich manchmal mitsamt ihren Gebetsketten längelang auf die Strasse warfen.
Direkt am Barkhor schaut man auf den großen Barkhor-Marktplatz und direkt
dahinter auf den Jokhang Tempel. Der Tempel ist im Vergkeich sehr klein, aber
nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil, durch die überschaubare Größe hatte
er meiner Meinung nach mehr Charme. Von der 2. Etage (Dach) schossen wir dann
etliche Fotos vom Barkhor und dem Potala. Gegen 17:00 wurde Freizeit ausgerufen.
Wir schlenderten langsam über den Markt zurück und ich handelte noch eine
tibetische Handtasche von 160 auf 100 Yuan herunter. ;) Wir ruhten uns im Hotel
etwas aus und 18:00 gingen wir mit den anderen zu einem Hotel nahe des Barkhor,
ca. 5 Min. entfernt, zum Abendessen. Direkt daneben war das "The Summit Café",
der tibetische Starbucks, den Jana und ich uns vor der Reise schon herausgesucht
hatten. Auch Gelie bestätigte, dass es dort den besten Kaffee Lhasa's gibt. Aber
bei dem straffen Programm mussten wir uns das wohl abschminken. :( Das Essen war
wieder ganz lecker, wenn mir auch die tibetische Küche oftmals zu scharf ist.
Nach dem Essen gingen wir mit Meinhard und Renate zum Supermarkt, ca. 1 km
entfernt, und deckten uns mit Lebensmitteln für unseren Tagestrip zum See und
unsere 33-stündige Zugfahrt nach Xian ein. Der Supermarkt überforderte uns
wieder total. Er war riesig und alles auf chinesisch (klar, was sonst?). Aber
auf den Packungen ist niemals nichts in lateinischen Buchstaben, aber auch gar
nichts, zu lesen. Beim ärmlichen Käseregal traf ich Shuwen, die mit erzählte,
dass sie vielleicht einmal im Jahr Käse ist. Gott, ich würde sterben. Aber
Chinesen oder Tibeter mögen Käse nicht. Das verstehe wer will. An der Kasse
gaben wir Shuwen unsere Bons zum Absetzen, aber dummerweise ließ man uns ohne
Bon nicht aus dem Gebäude. Alles sehr merkwürdig hier. ;) Zurück nahmen wir für
10 Yuan eine Fahrradrikscha, mir war schon wieder schwindelig und ich hatte
etwas Herzrasen. Das mit dem vielen Trinken sind ja gute Ratschläge, aber wenn
man ständig auf Tour ist und nicht weiß, wann das nächste Klo bzw. Loch kommt,
dann trinkt man automatisch weniger als man sollte. Und hey, ihr wart noch nie
auf einer Klostertoilette. Ich war im Drepung und werde es nie vergessen! ;)
Leider bin ich scheinbar ne Ausnahme. Am ersten Tag (Ankunft) ging's wir
wirklich gut, am zweiten ganz leichtes Kopfdrücken und am dritten war's schon
richtig übel. Irgendwie wird's von Tag zu Tag schlimmer und ich freue mich
wirklich auf Xian (gesprochen: Schian) mit normaler sauerstoffhaltiger Luft und
hoffentlich mal wieder Durchschlafen. Ohne Kopfschmerztabletten hätte ich ab dem
dritten Tag nichts mehr unternehmen können, obwohl man das ja nicht machen
sollte, weil man dann nicht merkt, wenn die Höhenkrankheit schlimmer wird.
Trotzdem, ohne ging's nicht und die Hälfte unserer Gruppe musste welche nehmen.
Zwei von uns, Andreas und Claudia, hat es richtig böse erwischt. Sie sahen am
zweiten Tag (Potala) schon richtig übel aus, weil sie in der Nacht nur gebrochen
hatten, kämpften sich aber durch. Das war schließlich für die meisten das
Tibet-Highlight. Am Folgetag ging dann nix mehr, ein Arzt musste kommen. Sie
blieben mit Shuwen im Hotel, haben Spritzen bekommen und müssten mind. 5 Std. an
Sauerstoffflaschen. Am Abend ging es ihnen dann wieder soweit gut, dass sie mit
zum Essen kommen und auch schon wieder Lachen konnten. Die Fahrt zum Yamdrok-See
am nächsten Tag war gesichert. Allerdings geht es bis auf 4800 m hoch und ob das
so gut für die Beiden ist?
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