Samstag, 6. Oktober 2012

Tag 21: Frankfurt - Berlin

04:45 ging nix mehr...wir waren hellwach! Was machen? Der Fernseher gab nix Gescheites her. Wir haben wie gewöhnlich CCTV mit der Wettervorhersage für China geschaut. Schaute alles jut aus, sogar Lhasa hat noch 21 Grad. CCTV und die "große Unterhose" werden wir wohl auch nie vergessen. ;) Dann haben wir überlegt, den Zug um 08:11 zu nehmen, aber wie voll wird der wohl? In dem 10:11 hatten wir Sitzplätze reserviert...ist schon cooler als 4,5 Std. zu stehen. Dann durchsuchten wir Facebook nach den Gruppenteilnehmern. Gefunden wurden Inken, Horst und Frédéric. Gab alles nix außergewöhnliches her. Wir tratschten noch über dieses und jenes und sahen den startenden Flugzeugen zu. Vom 7. Stock konnte man gut die Terminals 1 und 2 beobachten. Nach dem Duschen und Verstauen unserer Duty Free Tüten in den Koffern und noch etwas Rumgetrödel war es dann endlich 08:50 und wir gingen runter zum Shuttle, der auch gleich kam. Wir teilten ihn uns mit ein paar Brasilianern, die wohl auch nach Berlin wollten, allerdings per Flugzeug...natürlich mit Air Berlin. ;) Am Terminal 1 angekommen gingen wir zum Fernbahnhof, zum Geldautomaten und zum Bäcker...aah, ein Wurst- und Frischkäse-Croissant und endlich wieder einen leckeren Latte Macchiato. Das tat gut. Wir hatten Hunger, schließlich war's gefühlt schon Nachmittag. Am Gleis 4 setzten wir uns dann zu unserem Buchstaben laut Wagenstandsanzeiger. Wozu gibt's diese Dinger überhaupt?? Stimmt doch eh nie! Das erinnert mich auch gleich an den Bahn-Song der Wise Guys (http://youtu.be/wXjhszy2f9w) - totaaal passend.  Ich fahre ja nun wirklich nicht oft mit dem Zug, aber es klappt NIE reibungslos. Der IC kam erstaunlicherweise ca. 20 Min. eher und so hatten wir genug Zeit genau zum anderen Ende zu laufen. Und wer kam uns entgegen? "R"einhard und "M"enate (das werden wir nie lernen!)! Die Welt ist klein. Wir setzten uns in unser Abteil, dass wir glücklicherweise für uns allein hatten, und gingen nochmal ans Fenster. Ein Stück weiter standen der Schorsch und de Lilo from tollen Munich, die auf den ICE gegenüber warteten. Wir winkten, er kam und ein blöder Spruch folgte..."Hier trennt sich nun die Spreu vom Weizen."...ja genau, der Weizen fährt nach Berlin! Naja. Aber irgendwie gehören solche Leute ja auch dazu. Das macht's doch spannender. Und worüber sollten wir sonst lästern? ;) Sie nächtigten übrigens wie wir im Hotel Meininger...im BILLIGHOTEL! Tztztz. Entsetzen machte sich bei uns breit. Wir verabschiedeten uns nochmal und gingen ins Abteil zurück. Nebenan im Großraum saß ne Katastrophe! Eine scheinbar Obdachlose nahm mit all ihrem Hausrat ein paar Sitze ein und stank bis zum Himmel. Wir sahen zig Leute rein- und auch wieder naserümpfend rausgehen. Es war nicht auszuhalten. Der Zug startete pünktlich, aber kam in Fulda nicht pünktlich an. Wie kommt sowas? Wir sollten 11:12 da sein und 11:22 weiterfahren. Wir stiegen Punkt 11:22 erst aus dem Zug raus und sahen einen ICE wegfahren. Die Verzweifelung und Wut war schon wieder groß, aber alles war gut, es war nicht unserer. Natürlich hatte der nämlich Verspätung und war noch gar nicht da. Haha. Wir stellten uns wieder zum Wagenstandsanzeiger und schauten nach dem Buchstaben. Das ist soooo witzlos! Als der Zug kam, ging wieder das Gerenne los. Die Wagen waren wieder exakt umgekehrt angeordnet. Irgendwann laufe ich bei sowas mal Amok! Bei Wagen 7 ging das Pfeifen los und ich sprang in den Zug...musste mich bis zur 2 mit dem Koffer durch die Gänge quälen. So tierisch nervig! Und dann hörte es nicht auf. Unsere reservierten Fensterplätze im Abteil waren belegt: ein Musik hörender Inder und ne Mutti mit Baby und kleiner Tochter. Das hat mir noch gefehlt. Überall dieser Babygeruch, den ich nicht leiden kann! Der Würgreiz war nah. Und glaubt mal nicht, die hätten angeboten uns auf unsere Plätze zu lassen. Aber vertreibt man ne Mutter mit zwei Kindern? Nee, natürlich nicht. Ich war zu genervt um zu zanken, daher haben wir uns auf die einzigen noch freien Plätze gesetzt. Aber dann hat die auch noch alles ausgepackt und fing zu Stillen an. das war zu viel...ich bin raus und hab noch ein Plätzchen im Großraum gefunden. Zwar nur bis Göttingen, aber immerhin. Hab ich schon erwähnt, dass ich Babygeruch nicht leiden kann? Also meins wird später mit Gurken oder so eingerieben...oder was auch immer. Irgendwas jedenfalls, was den Geruch überdeckt. Kurz vor Berlin war es dann soweit...Ostbahnhof war gestrichen. Die Ansagen werden auch immer dümmlicher. Nicht mal ein Grund wird gesagt. Nur, dass die Endhaltestelle heute "planmäßig" Berlin-Hbf. ist. Nee, eben nicht. Planmäßig wäre nämlich Ostbahnhof, was ja viel näher an unserem Zuhause liegt. *grmpf* Ich hasse die Bahn! Unsere Männer haben uns natürlich trotzdem abgeholt...wir wurden halt vermisst. ;) Und das war auch super so, denn wir wollten jetzt endlich nach Hause...im eigenen Bett schlafen, frische Sachen anziehen und uns erhoooolen. Wir sind total geschwächt. ;) Auf dem Bahnsteig kackte dann auch noch eine meiner beiden Kofferrollen ab und der Koffer ließ sich nicht mehr gescheit ziehen (sorry Mutti, ich glaube der ist hin). Ich kämpfte mich nach oben zum Vorplatz und 5 Min. später saß ich im Auto meines Schatzis, der mir zur Feier des Tages mein Wunschgericht kochte: Bratkartoffeln mit Schinken und Ei. Einfach mal keinen Reis. Hihi. Naja, was soll ich noch sagen...etwas später war ich wieder zu Hause und dann sitzt man erstmal blöde da und weiß nicht so recht, was man tun soll. Eigentlich war ich auch totmüde, hab mich aber mit Müh und Not noch bis 21:30 wach gehalten, um dem Jetleg keine Chance zu geben. hat aber nicht geklappt, denn ich war 03:30 wieder hellwach. Ich habe dann meine Mitbringsel ausgepackt und mit Tobi zusammen die Foto-CD von Shuwen angeschaut. Meine Fotos habe ich dann erst am nächsten Tag gesichtet...es sind so ca. 2150 geworden, eine Menge Holz. Ein "paar" Fotos folgen übrigens in den nächsten Tagen nach und nach. Und ein Resumee zur Reise sicher auch.

Ich hoffe, ihr hattet viel Spaß beim Lesen und vielleicht hat auch der ein oder andere Geschmack an China gefunden. Ein Abenteuer ist es allemal und es gibt sicher auch Reisen, die nicht so stressig sind, wie unsere. ;) Kommentare gab es ja wie immer nur von den gleichen treuen Lesern, wie Eve oder Angela. Danke hierfür! In der Ferne liest man immer gerne etwas von den Freunden. So und nun melde ich mich erstmal ab und genieße noch meine restlichen Erholungstage, bis es Donnerstag wieder auf Arbeit geht.

Freitag, 5. Oktober 2012

Tag 20: Beijing - Frankfurt

Es fiel uns wirklich schwer, uns aus den schönen weichen Betten zu lösen. Gerade auch weil man wusste, man wird etliche Stunden unterwegs sein. :( Beim Frühstück bekamen wir dann gleich brandheiße Story's. Horst war im Vorbeigehen schon wieder sauer, weil Josef ungefragt einfach Toast aus dem Toaster nahm, dass eigentlich Horst für sich reingetan hatte. Pff. Meinhard und Renate erzählten, dass Josef zu ihnen an den Tisch kam und fragte, ob sie auch zur Trinkgeld-Mafia gehören. :) Dann ist er wohl wortlos an einen anderen Tisch gegangen. Wie sich herausstellte hatten Inken und Bernhard auf Sofas in der Lobby geschlafen, da Bernhard keinen Bock auf seinen Vater hatte. Halb vier Morgens hat Horst die beiden aber gesucht, jedoch nicht wach bekommen. Oh man! So hätte das ja nun alles nicht enden müssen. Aber das Schlimmste war ja, dass Josef Shuwen noch an der Rezeption abgefangen hat und total blöd angemacht hat. Was sie sich einbilden würde, so viel Trinkgeld zu nehmen und er würde sowohl China Tours, als auch sie und uns (?) verklagen. Aha. Also wirklich...ein unmöglicher Mensch. So hätten wir ihn ja niemals eingeschätzt. Was für ein Blödmann. Hoffentlich behält uns Shuwen jetzt wegen ihm nicht in schlechter Erinnerung. Glücklicherweise war sie ja vorgewarnt gewesen, da ihr Alex am Vorabend noch erzählt hat, dass Josef als Einziger nichts gezahlt hat. Eigentlich spricht man darüber ja nicht, aber sie wollte auch nicht, dass Shuwen denkt, wir hätten ihr weniger gegeben. Nun ja, wir genossen dennoch unser letztes Frühstück (hatten extra eine ganze Stunde dafür eingeplant) und beobachteten noch ein Hochzeitspaar, dass in der Lobby war. Er trug die Braut anstatt über die Schwelle durch die Drehtür und setzte sie ins Cabrio. ;) Punkt 09:30 war Abfahrt. Da Shuwen schon zurück nach Xian fuhr, hatten wir einen anderen Reiseleiter, der uns zum Flughafen begleitete. Han und Shuwen sind die dienstältesten Reiseleiter bei China Tours. Sie betitelte sich und ihn als Oma und Opa. ;) Han spricht super Deutsch, ehrlich gesagt ein ganzes Stück besser als Shuwen und erzählte uns auf der Rückfahrt noch eine ganze Menge über Peking. Zum Beispiel, dass die Stadt sieben Ringstraßen besitzt, die konzentrisch um die Stadt führen (ähnlich der A10 in Berlin). Unser Hotel lag zw. der 1. und 2. Ringstraße, die Autobahn zum Flughafen beginnt bei der 6. Ringstraße. Der 6. Ring umfasst allein schon 200 km Länge und ist dabei eigentlich noch mitten in der Stadt. Unglaublich. Durch die rd. 20 Millionen Einwohner mussten sie sich natürlich auch ähnlich wie Shanghai etwas wegen dem Autoverkehr einfallen lassen. Hier werden z.B. 17.000 Autos im Monat zugelassen, allerdings gibt es 500.000 Anträge hierfür. Es ist daher wie ein Glücksspiel, ein neues Auto zuzulassen. Dazu kommt noch, dass z.B. die Autos mit der Nummernschild-Endnummer 5+9 an Dienstagen nicht fahren dürfen, dafür die 2+7 nicht an Donnerstagen usw. Um dem zu entgehen, versuchen sich viele Pekinger daher ein Zweitauto mit einer anderen Endnummer zuzulegen. Total irre, oder? Er zeigte uns auch noch diverse Gebäude, wie das 6-Sterne-Kempinski Hotel oder das ungewöhnliche CCTV-Gebäude, das wie eine Hose aussieht und daher unter den Pekingern nur die "Große Unterhose" genannt wird. ;) Die Fahrt war recht spannend. Den 70 km entfernten Beijing International Airport erreichten wir ziemlich früh, sodass wir noch mind. 2,5 Stunden Zeit hatten und dank Han auch noch unsere gewünschten Gangplätze bekamen. Gott sei Dank! Wir passierten sofort die Sicherheitskontrollen (wieder problemlos!) und fuhren mit dem Zug (war das stickig!) zum Terminal. Und dort fing das Gebummel und Geshoppe an. Meine Güte habe ich dort viel gekauft. Die Läden waren aber auch so einladend, besonders der Duty Free Shop. ;) Natürlich war nicht alles für mich, ein paar zukünftige Geburtstagsgeschenke waren auch dabei. So verging die Zeit rasend schnell und plötzlich war schon Boarding. Wir hatten mal so richtig geile Plätze! Überhaupt war das Flugzeug total klasse. Es war eine Boeing mit drei 3er Sitzen in einer Reihe und ca. 5 Kabinenteilen. Wir saßen in der letzten Reihe der 4. Kabine, direkt beim WC und dem Getränkebuffet zur Selbstbedienung. Hehe. Und jeder Sitz hatte einen eigenen ziemlich neuen Monitor und das Bordprogramm war der Hammer! Noch vor dem Start hatten Jana und ich die 10,5 Std. total verplant. Yeah! Vor mir saß Inken, links daneben Lilo und Georg sowie Horst auf der anderen Gang-Seite. Vor Lilo und Horst saßen Reinhard und Menate. ;) Vor Jana saß Bernhard und fünf von uns saßen in Kabinenteil 5, u.a. auch Josef (vor Alex und Frederic). Das nur mal zum näheren Umkreis, falls es wen interessiert, hihi. Geil war noch, dass die Plätze jeweils neben mir und Jana frei blieben und wir tierisch viel Platz hatten! Also besser kann man nur in der First und Businnes Class fliegen. ;) Ich hatte sogar mein eigenes Gepäckfach. Und dann das Licht! Das Kabinenlicht wechselte während des Fluges zwischen Blau, Rot, Gelb und Weiß hin und her...je nachdem was gerade gebraucht wurde. Das sah wirklich klasse aus. Hm, mal gucken, ob ich mein Programm noch zusammen bekomme: The Avengers, The Hunger Games, Wanderlust (sehr witzig!), das Ende von Da Vinci Code (ich liebe die Musik), eine Folge Two And A Half Man und ein bisschen The Best Exotic Marigold Hotel. Dazwischen habe ich noch, abgesehen von zwei Mahlzeiten, 1,5 Std. gepennt und ein bisschen Memory gespielt. ;) So macht Fliegen Spaß. Die Flugkarte zu beobachten war relativ langweilig...immer nur Russland! In Deutschland gab es dann leider Turbulenzen und in Frankfurt war es ziemlich stürmisch, sodass die Landung und das Aufsetzen nicht besonders geschmeidig war. Mit einem krassen Rumps waren wir gegen 18:40 unten. Egal, Hauptsache da. Der Weg zum Gepäckband dauerte etwas, aber auch unsere Koffer kamen dann irgendwann unbeschadet an. Die Verabschiedungen waren eher sparsam. Inken winkte, Horst umarmte uns und wir winkten Peter, Beate, Norma und Hartmut zu. Draußen wurden wir dann noch von Meinhard und Renate gedrückt. Das war's eigentlich. Kurz und schmerzlos. Einigte mussten auch rennen, weil sie noch ihren Zug um 19:20 bekommen wollten. Wir glauben ja nicht, dass sie es geschafft haben...obwohl, die Bahn war ja sicher nicht pünktlich. ;) Dann passierten wir den Zollbereich mit einem sehr unfreundlichen arroganten Zollbeamten. "Was haben sie denn da gekauft?" und zeigte auf die Duty Free Tüten. Na dann muss er halt reinschauen oder sollte ich ihm etwa alles aufzählen? Er sah die beiden Stangen Zigaretten und fragte ob ich allein reise. "Nee, mit ihr dort." Jana schaltete auch glücklicherweise schnell und meinte, die zweite Stange gehöre ihr. Hihi. ;) In Beijing die Verkäuferin meinte noch zu mir ich dürfte vier Stangen mitnehmen. Das kam mir gleich komisch vor. Aber innerhalb der EU sind es ja auch vier, vielleicht ist das innerhalb Chinas auch so. Ansonsten sind ja nur 200 Zigaretten erlaubt. Ok, er hatte dann keine weiteren Fragen. Man bleibt ja nett, weil man sonst wahrscheinlich alles auspacken dürfte. Immer diese Willkür und Machtspielereien. Tzzz. Das hat mich auch gleich wieder an das Visumtheater von Horst und Inken erinnert. Immer freundlich bleiben und die Zunge blutig beißen, sonst hat man gleich verloren. Wir peilten zielstrebig den Raucherbereich und danach den Taxistand an. Unser Hotel hat zwar auch einen kostenlosen Shuttle, aber dafür hätten wir mit der Monorail zum Terminal 2 fahren müssen...keine Lust. Die äußerst wilde Fahrt zum Hotel Meininger dauerte nur ca. 5 Minuten und kostete uns 8,70 Euro. Das Zimmer war klein, aber für eine Nacht und nur ca. 23 Euro pro Person völlig in Ordnung. Wir waren ganz oben im 7. Stock. Nach dem Koffer abstellen gingen wir gleich nochmal runter etwas Essen. Jana nahm Pizza, ich einen Hotdog. Das tat gut. Danach schauten wir vom Bett aus noch ein bisschen Indiana Jones. Deutsches Fernsehen war auch mal wieder schön. ;) Wir waren wirklich froh, dass wir diese Übernachtung eingeplant hatten. Um nichts in der Welt hätte ich dann noch 5 Stunden Zug fahren wollen. Und bei meinem Reiseglück schon gar nicht. ;)

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Tag 19: Beijing - Abschiedessen

Nichts! Einfach mal gar nichts tun...herrlich! Wir haben bis um 09:00 geschlafen und sind dann ganz gemütlich zum Frühstück gegangen. Wir haben es genossen. Hach, es war so toll. Danach wollten wir uns im 3.OG nach der Fußmassage erkundigen. Leider wussten die beiden Angstellten überhaupt nicht, was wir von ihnen wollen. Erst als wir die Füße über den Tresen hielten und sie in der Luft massierten...aber selbst dann hat es noch ein paar Sekunden gedauert. ;) Englisch fehl am Platz. Den Preis haben wir nicht herausbekommen. Sie meinten immer nur, dass noch geschlossen ist. Aber wir wußten bereits, dass das Spa-Center erst 12:00 aufmacht. Es war zwecklos. *seufz* Wir sahen uns noch den Pool an, da ich ja fest vor hatte, ihn diesmal zu nutzen (das Bett war dann aber leider doch stärker). Dann fuhren wir wieder runter zur Rezeption, in der Hoffnung dort eine Preisliste zu erhalten. Fehlanzeige. Der Rezeptionist meinte nur, dass "die" nicht zum Hotel gehören und lachte hämisch grinsend, als ich meinte, dass die aber leider kein Englisch verstehen. Eine Hilfe war das nicht. Wir nahmen uns vor, evtl. nach dem Mittag nochmal zum Spa-Bereich zu gehen. Wieder auf dem Zimmer landeten wir wieder in unseren Betten...Blog schreiben, fernsehen, lesen...schlafen. Grandios. Gegen drei machten wir uns dann doch mal auf und liefen eine Runde um den Block. Wir suchten den kleinen Markt, von dem Shuwen gesprochen hatte. Leider erfolglos. In der Apotheke verstand man leider nicht, was Jana wollte (Tigerbalm) und sonst war auch nichts interessantes auf dem Weg. Der Rückweg führte uns durch unheimliche Hutongs. Wir wurden merkwürdig angstarrt und kein Mensch hätte jemals mitbekommen, wenn man uns dort in eine Hütte gezerrt und zu "Hühnchen"-Curry verarbeitet hätte. Der Weg wurde immer schmaler, die Hütten immer ärmlicher. In Shanghai wurden die Leute früher "shanghaied", das beudeutet man fiel einem Verbrechen zum Opfer. Wir hatten Angst, "hutonged" zu werden. ;) Nach dem Durchqueren eines nicht wirklich ansehnlichen Gemüsemarkts waren wir dann wieder beim Hotel. Im Supermarkt kauften wir noch was zu Trinken (der abgepackte Yasmintee und Bubble-Milchtee ist wirklich lecker) und gingen wieder auf's Zimmer. Es war furchtbar schwül draußen und deshalb bin ich erstmal unter die Dusche gesprungen. 17:40 machten wir uns auf in die Lobby. Wir waren zwar erst für 18:00 verabredet, trafen uns aber eine Viertelstunde eher, um das Trinkgeld für Shuwen einzusammeln. Wir einigten uns alle auf ca. 50 Euro, also 375 Yuan, pro Person...naja nicht alle, wie sich später am Abend herausstellte. Danach gingen wir zu Fuß ca. 5 Min. zu einem Restaurant zum Pekingenten-Essen. Wir waren wie meistens in einem Separet untergebracht, was in China bei größeren Gruppen üblich ist. Das Essen war etwas anders als es sich die meisten vorgestellt hatten, aber durchaus sehr lecker. Die vier Enten kamen tranchiert, geteilt in Hautteller und Fleischteller. Viele dachten, sie liegen ganz auf dem Tisch. ;) Das Fleisch rollt man zusammen mit Gurken- und Honigmelonenstäbchen, Frühlingszwiebeln sowie fermentierter Sojasoße in gedämpfte hauchdünne Pfannkuchen. Hört sich merkwürdig an, aber schmeckt wirklich sehr lecker. Dazu gab es natürlich noch ein paar andere Kleinigkeiten, u.a. Reis und gebratene Bohnen. Wir schwelgten auch artig gemäß Plan in unseren Erinnerungen an die Reise. Wir waren uns glaube alle einig: es war grandios und unvergesslich, aber auch ziemlich anstrengend. Und mit dem Wetter hätten wir ruhig auch etwas mehr Glück haben können. Nach dem Essen überreichte Georg Shuwen unseren Umschlag und sie sang uns zum Dank etwas aus der Pekingoper. Die ist wirklich knuffig und wir haben sie alle so sehr liebgewonnen. Sie hat auch extra für jede "Familie" eine Foto-CD anfertigen lassen, wo alle von ihr geschossenen Fotos drauf sind. Jana und ich ergatterten aber jeweils eine. Das war total süß. Unsereins fotografierte ja eher die Landschaft, doch sie hat meistens die Gruppe festgehalten. Echt eine schöne Erinnerung. Ein paar davon könnt ihr ja auf der Website bewundern (http://www.chinatours.de/reise/48-china-mit-tibet/travelreport). Nach dem Essen schlenderten wir wieder zum Hotel, wo wir dann draußen bei einer Zigarette von Beate erfuhren, dass Josef kein Trinkgeld für Shuwen gezahlt hatte. Bitte? Dann kam noch Horst dazu und später erzählte es uns Alexandra auch nochmal. Da wir das gar nicht mitbekommen hatten, waren wir ganz schön entsetzt. Er muss erst gesagt haben, dass Bernhard das ganze Geld hat und der war mit Inken seit dem Nachmittag verschwunden, worüber Josef und Horst ziemlich sauer waren. Die beiden waren auch zu spät zum Abendessen gekommen. Die vier waren wohl beim Olympiastadion gewesen, wo Inken und Bernhard schwimmen gehen wollten. Nach einer Stunde waren sie mit Opa und Vater verabredet gewesen, sind aber nicht erschienen. Nach einer Stunde Warten sind die beiden älteren Herren dann wohl sauer zum Hotel zurück. Josef war durch eine Nebenhöhlenentzündung eh schon angeschlagen und entsprechend schlechter gelaunt. Das entschuldigt natürlich nichts. Außerdem beobachtete Alex an der Rezeption, wie er Briefmarken kaufte und hat mehrere hundert Yuan in seinem Portmonee gesehen. Anstatt er dann einfach sagt, er will nichts geben, schiebt er seinen Sohn vor. Auch doof. Nachdem es dann aber in der Lobby raus kam und Horst ihm auch noch seine Meinung dazu gesagt hat, ist er völlig ausgetickt. Er stürmte raus vor's Hotel zu Inken und Bernhard (die saßen auf einer Mauer und tranken Bier) und putzte die Beiden erstmal anständig runter. Als wenn die was dafür könnten, dass er so ein Arsch ist. Aber wahrscheinlich war er sauer, dass es rausgekommen war. Er warf Bernhard vor, dass er ihn doch schon zu dieser Reise eingeladen hat, da hätte er ja mal das Trinkgeld mit für ihn bezahlen können. Nur blöd, dass Bernhard von diesem Plan nix wußte. Noch dazu zerbrach er dann wütend die CD von Shuwen und brüllte, dass wir alle doch total bescheuert sind. Unmöglich! Nach dem Schrecken setzten wir uns noch mit Alex, Frederic und Horst in die Bar. Horst hatte keine Yuan mehr und wurde daher von Jana und mir zu einem Bier eingeladen. Andreas und Claudia machten sich zum Hardrock Cafè auf...auch ne nette Geschichte...am nächsten Morgen erzählten sie uns, dass der Besitzer wohl mit der ganzen Kohle abgehauen ist und der Laden nur noch im Notbetrieb läuft. ;) Wir schauten uns ein paar Fotos von Frederic an, die schon bearbeitet waren...der Hammer! Fotografieren kann er. Ab und an ging ich raus zu Inken und Bernhard rauchen und wurde auch mal ein paar Ziggis los. Die Beiden hat das ganz schön mitgenommen und Bernhard war wie vor den Kopf gestoßen. Dementsprechend viel Bier tranken die Beiden dann leider auch. Die Zeit verging wie im Flug und ehe wir uns versahen war es schon 23:00 und wir eilten auf's Zimmer. Die Koffer mussten ja noch gepackt werden...dieses Mal aber endgültig. ;)

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Tag 18: Beijing - Badaling (The Great Wall) - Beijing

Heute war es dann soweit, es ging endlich zur Großen Mauer und somit näherten wir uns auch langsam dem Ende der Reise. Letztendlich ist die Zeit wie im Flug vergangen - Shanghai liegt gefühlt schon Monate zurück.
Vor der Mauer hatten wir allerdings noch den Sommerpalast auf dem Plan und als ich im Reiseführer sah, wie groß das Gelände ist, wurde mir schon wieder ganz übel. ;) Ich kann aber schon mal vorweg nehmen, dass es letzten Endes doch nicht groß genug war...für die heutigen 125.000 Besucher. Hehe. Also gut, nach einem wiederholt äußerst leckerem Frühstück (da kommt echt kein anderes ran!), ging es 09:30 wieder in den Bus und zum Yihe Yuan, 10 km nordwestlich von Beijing. Er diente den Kaisern der Qing-Dynastie im stickig heißen Sommer als Rückzugsort aus der Verbotenen Stadt. Der Sommerpalast ist ca. 250-300 Jahre alt. Die Kaiserwitwe Cixi ließ ihn jeweils 1860 und 1902 umbauen. Cixi (1835-1908) gilt im Übrigen als eine der mächtigsten Frauen Chinas. Sie war Konkubine des Kaisers Xianfeng und schenkte ihm einen Sohn, den späteren Kaiser Tongzhi. Später übernahm sie sogar die Regentschaft sowohl für ihren Sohn als auch für ihren Neffen, den Kaiser Guangxu. Sie unterstütze den Boxeraufstand (Boxer = ausländerfeindliche Rebellen Nordchinas) und trug somit zum Ende der Qing-Dynastie 1911 bei. Aber zurück zum Gelände. Es umfasst 290 Hektar und drei Seen (Kunming See, Westsee, Südsee). Wir betraten es durch das östliche Palasttor, den Haupteingang. Bereits dort waren schon Menschen über Menschen zu sehen. Die Halle des Wohlwollens und der Langlebigkeit mit Cixi's Thron schenkten wir uns daher schon. Aber es war eh kein rankommen. Stattdessen absolvierten wir mit Inken und Bernhard auf einer kleinen vorgelagerten Mini-Insel ein kleines Lorelei-Fotoshooting, schön aalend auf einem Felsen. ;) Danach ging es am Ufer entlang weiter zum "Langen Korridor". Man stelle sich einen ca. 2 m breiten Weg direkt am Ufer des Sees vor - links vom Wasser, rechts von einer Mauer begrenzt...und dann bitte noch die Tausenden von Chinesen (und uns), die alle exakt diesen schmalen Gang nehmen müssen. Ich kann es nicht beschreiben! Es ging ewig nur im Schneckentempo voran. Ich versuchte hinter Peter (groß, breiter Rücken) zu bleiben, damit er mir den Weg bahnt, aber ich wurde irgendwann abgedrängt. Jana war dann auch irgendwann nicht mehr neben, sondern 10 m hinter mir. Wir kämpften uns langsam aber sicher zum 728 m langen Wandelgang vor. Dort konnte man an der Decke, wenn man denn wollte, rd. 14.000 Malereien bewundern. Es sah wirklich hübsch aus, doch den Nerv zum Bestaunen hatten wir einfach nicht mehr. Wir wollten eigentlich nur noch zum vereinbarten Treffpunkt am Marmorboot. Unterwegs kaufte sich Jana noch eine Tüte Nussgebäck und ich mir für 8 Yuan eine Art chinesischen Hotdog mit einer merkwürdig rot aussehenden Wurst mit einem Kuchenbrötchen ummantelt am Spieß...die Hälfte landete im Papierkorb. Der Korridor schlängelte sich entlang des gesamten Kunming-Ufers und man konnte von unten den Berg der Langlebigkeit mit dem Turm des Buddha-Weihrauchs obenauf betrachten. Dahinter war der Tempel des Meeres der Weisheit zu sehen. Beide sehr beeindruckend und verdammt hoch. Glücklicherweise mussten wir nicht rauf, denn auf den steilen Treppen stapelten sich schon die Menschen. Wir liefen  bis zum Pier, wo auch Cixi's Marmorboot lag. Sie ließ diese kostenintensive Spielerei von Geld erbauen, das eigentlich für die Restaurierung der kaiserlichen Flotte gedacht war. Aber hey, man gönnt sich ja sonst nichts. Nun fragt ihr euch vielleicht auch, wie ein Marmorboot schwimmen kann. Kann's nicht. Es besteht nämlich aus Holz und ist nur mit Marmorfarbe bemalt worden. Ich muss aber sagen, dass es täuschend echt aussieht. Und das Boot an sich ist auch wirklich sehr hübsch. Am Pier, oder besser gesagt schon im Bus, entschieden wir uns dazu den Rückweg mit einem Drachenboot zurückzulegen. Um nichts in der Welt wollten wir durch die Menschenmassen zurück. Wahrscheinlich wäre das gegen den Strom sowieso nichts geworden. Wir fuhren also quer über den Kunming See zurück zum Palasttor und verließen gegen Mittag das Gelände. Allerdings muss ich noch den dortigen Toilettenbesuch erwähnen. Sowas habt ihr noch nicht erlebt! Diesmal habe ich auch endlich mal ein Foto gemacht (ich ärgere mich immer noch, dass ich keine der tollen Klostertoiletten oder die am Yamdrok See fotografiert habe). Denkt mal an Sommerschlussverkauf und wie sich die Menschenmassen vor den Kaufhaustüren drängen...und nun ersetzt die Kaufhaustüren durch die einzelnen Klotüren. Haha. Es war ein Brüller. Den Bus fanden wir dann wieder recht schnell, da staune ich jedes Mal auf's Neue, und auf ging es nach Badaling. Diese restaurierte Ming-Befestigungsanlage von 1505 ist einer der meistbesuchten Mauerabschnitte. Er bietet eine atemberaubende Aussicht auf die Große Mauer (The Great Wall oder auch Chang Cheng)  inkl. ihrer Wachtürme, die sich hier durch hohes Hügelland von Ost nach West schlängelt. Beim Bau, der im 7. Jhd. vor Chr. und nach der Einigung Chinas durch Qin Shi Huangdi begann, nutzte man damals die natürlichen Begebenheiten und daher verläuft sie fast ausschließlich auf Graten und Bergrücken. Von den Zinnen aus konnte man gut auf Angreifer schießen und die Wachtürme stehen exakt zwei Pfeillängen auseinander, sodass kein Mauerabschnitt ungeschützt blieb. Verständigt wurde sich durch Rauchzeichen, Signalfeuer, Trommeln, Flaggen und auch Glocken. Man kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass sich dieses monumentale Bauwerk 6000 km lang durch Wüsten, Berge und Ebenen schlängeln soll...nach neuesten Berechnungen ja sogar 8800 km. Hierbei sind aber nur die intakten Abschnitte gemeint, insgesamt besitzt die Mauer inkl. natürlicher Barrieren laut dem chinesischem Amt für Kulturerbe eine Gesamtlänge von ca. 21.000 km. Oha! Leider besaß sie letztendlich doch nicht die erhoffte Effektivität. Im 13. Jhd. durchbrachen sie die Mongolen (wir erinnern uns: Dschingis Khan eroberte Peking) und im 17. Jhd. die Mandschu. Wobei ich mir, zumindest bei den Teilen, die ich gesehen habe, wirklich nur sehr schwer vorstellen kann, wie man mit einem Pferd überhaupt bis an die Mauer herankam. Die war sauhoch und super steil...die armen Pferde! Aktuell können auch nur vier Abschnitte von Touristen besichtigt werden. Allerdings frage ich mich, wie man es verhindern will, dass sonst Niemand auf den Tausenden Kilometern Mauer entlang spaziert. Aber gut, zurück zur Reise. Wir hielten unterwegs noch in einem überdimensionalen Touristenrestaurant, wo scheinbar mit Millionen von Gästen gerechnet wird. Von dieser Sorte soll es drei Stück geben und der Besitzer ist Millionär. Im unteren Bereich ist ein riesiger Touri-Shop, wo aber glaube niemand von uns etwas gekauft hat. Die Qualität war auch eher bedenklich. Gott sei Dank waren wir nicht zur Mittagszeit dort, sondern kurz danach. Die Massen hielten sich in Grenzen...die waren alle schon auf der Mauer und warteten dort auf uns, haha. Das Essen war sehr touristisch und hat den meisten von uns daher nicht geschmeckt und jeder hat darüber gemeckert. Ich nicht, ich glaube ich war die Einzige, der es halbwegs gut geschmeckt hat...endlich mal nix Scharfes. :) So ca. 15:00 sind wir dann weiter gefahren und kamen glücklicherweise von einem Stau zum nächsten. Endlich war er mal da, wenn man ihn braucht. Wir hatten nämlich Angst, dass wir den laut Reiseverlauf angekündigten Sonnenuntergang nicht erleben, weil wir zu früh da sind. Am Vorabend hatte Shuwen so etwas in der Art angekündigt und wir waren entsprechend angesäuert. Aber wie schon gesagt gab es ja Stau. ;) So kam es, dass wir ca. 16:30 dort ankamen. Unterwegs fuhren wir schon eine ganze Weile an der Mauer und auch an der Strecke der transsibirischen Eisenbahn entlang. Die Mauer war weit über unseren Köpfen hoch oben auf scheinbar schmalen Graten. Sie war teilweise so steil, dass ich mich gefragt habe, wie man noch aufrecht laufen kann. Wir sahen allerdings auch Leute, die die Treppen auf allen vieren empor krochen. ;) Der Hammer! Etwas mulmig war uns dann schon zumute. Dank Shuwen's Beziehungen durfte unser Bus bis zum oberen Parkplatz fahren...Gott sei Dank, denn der Weg war ganz schön weit und steil. Von dort aus waren es nur noch knapp 10 Minuten bis zum Eingang. Wir trauten unseren Augen nicht! Menschenmassen ohne Ende! Also ich verstehe China-Tours einfach nicht. Die legen die Septemberreise jedes Jahr wieder so, dass die letzte Woche auf die Nationalfeiertagswoche fällt. Wieso denn bloß? Das bedeutet doch nur Ärger und Stress für uns Reiseteilnehmer. Und Shuwen hat dadurch auch mehr Organisationsprobleme als nötig wäre. Ich kapier's nicht! Und wütend macht mich das auch etwas. Zitat von der Website: "Gegen den Touristenstrom fahren wir dann weiter zur Großen Mauer, die in den Nachmittagsstunden ruhig daliegt." Aaahahaha, guter Witz. Was soll's, wir nahmen es halt hin...immerhin waren wir auf der Großen Mauer!!! Und die Massen konnten die Imposanz dieses Bauwerks nicht trüben. Und wer erlebt die Mauer schon zusammen mit Millionen von Chinesen? ;) Wir gingen erst zu einer Art Plattform auf der Mauer, wo wir alle zusammen mit roten "The Great Wall" - Wein anstießen und ein Gruppenfoto machten. Leider ohne Renate und Meinhard, die wir unterwegs im Trubel verloren hatten. Danach folgte eine kleine Fotosession und Jana und ich stürzten uns in die Massen. Wir steuerten den Berg im Westen an, der schon teilweise im Schatten lag. Dahinter ging die Sonne unter und die schien noch auf den östlichen Teil der Mauer und warf sie in ein fantastisches Abendsonnenlicht. Wir wanderten bis zum dritten Wachturm, ich noch fast bis zum vierten, aber dann wurde es so steil, dass man fast die Hände zu Hilfe nehmen musste und daher kehrte ich dann auch wieder um. Man muss es ja nicht übertreiben. :) Wow, was war das für ein Anblick von da oben. Wir sahen auf ein Mauerstück mit mindestens 8 Wachtürmen im Zickzack (die 5 auf unserer Seite nicht mitgezählt). Das Licht war hervorragend. Die Massen lichteten sich auch etwas, wenn auch nur minimal. Die Zeit verging durch das viele Fotoschießen wie im Flug und sobald die Sonne weg war, wurde es auch ziemlich schnell frisch. Wir gingen zurück zum Coffee-Shop, wo wir uns in 30 Min. wieder treffen wollten. Vorher kaufte ich mir natürlich noch einen Magneten...hart von 45 auf 30 Yuan runtergehandelt. Im Coffee-Shop saß schon Shuwen mit einem Tee. Wir pflanzten uns dazu und ich trank eine Art Milch-Bubble-Tea...sehr ungewöhnlich, aber auch sehr lecker. Er zeigte auch etwas später seine Wirkung. Vielleicht sollte ich mich doch mal auf eine Laktose-Intoleranz testen lassen, irgendwas stimmt da nicht. ;) Nachdem alle wieder eingetrudelt waren und wir noch ein paar Fotos von der beleuchteten Mauer, die jetzt im völligen Dunkel lag, gemacht haben, gingen wir zum Bus zurück. Auf dem Weg kam uns ein Kamel entgegen...das war schon etwas bizarr. Die Fahrt zurück dauerte ein bisschen, doch wir waren nun sehr viel schneller unterwegs, weil der Verkehr weniger wurde. Wir fuhren in Peking noch zur Olympiastadt, am Vogelnest und der olympischen Schwimmhalle sowie an unzähligen toll angeleuchteten Wolkenkratzern vorbei. Alles war wundervoll beleuchtet. Am Himmel ließen die Menschen sogar beleuchtete Drachen steigen...das sah total faszinierend aus. So etwas haben wir noch nie gesehen. Echt klasse. Da aber niemand Lust hatte auszusteigen (auch dort waren noch Massen an Leute unterwegs), fuhren wir direkt weiter zum Hotel, wo wir spätestens 20:30 ankamen. Was waren wir platt. Ich weiß auch gar nicht mehr, ob wir noch irgendwas gemacht hatten. Ich glaube, wir sind nur noch ins Bett gefallen und haben es genossen, mal keinen Koffer zu packen und am nächsten Morgen keine Termine zu haben. ;)

Tag 17: Beijing

Punkt 06:00 stieg die Chinesin hinab und wir wurden wach. Wir haben doch tatsächlich fast durchgeschlafen. Gegen 23:00 lukte nochmal ein Schaffner herein und meinte ich solle die Tür von innen abschließen. Ich hab ihn reden lassen. Und dann war ich eigentlich nur beim Umdrehen wach. Mein Nackenkissen, was ich dieses Mal dabei hatte, war Gold wert. Man muss eben nur wissen, was einen erwartet. ;) Zähne habe ich mit unserer Chinesin, Andreas und Beate geputzt. Diesmal waren die Waschbecken wenigstens in einem Extra-Abteil und nicht auf dem Gang wie im letzten Zug. Die Sonne geht gerade auf...natürlich wieder im Dunst. Die ersten Ausläufer von Peking sind schon zu sehen. Eine gute halbe Stunde noch und wir sind da. Es geht dann ins Hotel zum Frühstück. Ich denke, die Koffer lassen wir dort (Check-In geht noch nicht). Dann geht es sofort los mit dem Programm und das ist heute extrem voll. :(

So jetzt ist schon der nächste Tag und ich versuche mal das Monstersightseeing von gestern zusammenzukriegen. Wie gesagt sind wir gegen 07:20 aus dem Zug raus und ca. 10 Min. zum Bus gelatscht. Die Fahrt zum "Holiday Inn Temple of Heaven" dauerte ca. 40 Min. und wir sahen Peking im Morgengrauen. Das Hotel liegt in keiner sonderlich schönen Gegend, sieht aber sehr gut aus und ich kann euch schon sagen...die Betten sind fantastisch. ;) Wir haben auch ein tolles Schwimmbad, das ich am Donnerstag an unserem letzten Tag, wo wir mal gänzlich Freizeit haben, aufsuchen werde. Das Frühstück im Hotel war der Kracher! Das beste, was wir bisher hatten. So eine riesige Auswahl gab es bisher nirgends und lecker war auch alles! Wir hatten eine Stunde Zeit und genossen es ganz fürstlich. ;) 09:15 ging es wieder in den Bus und wir fuhren zum Himmelstempel, dem Wahrzeichen von Peking. Er wurde in der Ming-Zeit fertiggestellt und ist die größte Tempelanlage in China, wo die Symbolhaftigkeit der chinesischen Architektur so deutlich wird. Die Anlage verläuft auf einer Nord-Süd-Achse, die durch einen erhöhten Steinweg gekennzeichnet ist (Red Step Bridge). Sie führt direkt zum Temple of Heaven. Auf einer Anhöhe von drei konzentrischen Ringen bot der Kaiser den Göttern Opfer dar. Angeblich sollte das die Stelle sein, bei der man dem Himmel am nächsten ist. Hmm, naja, glauben wir es mal. Geht man weiter, kommt man zum Tempel, in dem der Kaiser, der ja als Sohn des Himmels Vermittler zwischen Menschen und Göttern ist, um gute Ernte betete. Zur Zeit der Wintersonnenwende betete er stets zum Himmel und zu den Vorfahren. Dem einfachen Volk blieb der Zutritt natürlich verwehrt. Um das kaiserliche Himmelsgewölbe (Lager für die Opfergaben) führt die Echo Wall. Eine runde Mauer, die dafür berühmt ist, ein Flüstern von einer Seite zur anderen zu tragen. Damit komm ich zum Hauptpunkt. Habe ich schon erwähnt, dass Nationalfeiertagswoche in China ist? Zig Millionen Chinesen haben Urlaub und zwar alle zur gleichen Zeit...diese Woche! Die haben ja eh nur maximal 10 Tage im Jahr Urlaub und die verbringen sie augenscheinlich liebend gerne alle zusammen. So richtig schön gemütlich. Das mit dem Echo-Test konnte man natürlich vergessen. ;) Nach dem Himmelstempel sind wir zum Tian'an Men Platz gefahren, dem Platz des himmlischen Friedens. Ihr könnt euch diese Menschenmassen nicht vorstellen. Mit himmlisch hatte das nix mehr zu tun, mit Frieden schon gar nicht. In der Mitte steht Mao Zedong's Mausoleum, am Rand Gebäude aus den 50ern (Kommunismus lässt Grüßen). Auch Tore der nicht mehr vorhandenen Stadtmauer kann man sehen. An der Spitze ist das Tian'an Men Tor zur verbotenen Stadt. Hier hängt ein überdimensionales Porträt von Mao, weil er hier am 01.10.49 die Volksrepublik China ausgerufen hat. Rechterhand am Platz ist das Nationalmuseum Chinas, das größte Museum der Welt. Gegenüber auf der anderen Seite ist die Große Halle des Volkes, Sitz der Legislative Chinas. Es war so unerträglich voll, dass ich es gar nicht beschreiben kann. Und der Platz ist echt gigantisch groß. Wir mussten durch eine Unterführung durch, weil die Strasse versperrt war (Grund nicht ersichtlich), was mich unweigerlich an diese Massenpanik im Tunnel von der Loveparade erinnern ließ. Wir passierten danach das Tian'an Men Tor und danach noch zwei solcher immensen Tore. Dort trafen wir Shuwen wieder, die sich vor der Platzüberquerung abgeseilt hatte, um Tickets zu holen. Nach der üblichen Kontrolle traten wir in die Verbotene Stadt (offiziell: Palastmuseum) ein, das Zentrum des chinesischen Universums und Symbol des kaiserlichen Glanzes. Es ist wohl Chinas prachtvollster Komplex. 1420 wurde die Palastanlage fertiggestellt und seitdem regierten hier 24 Kaiser fast 500 Jahre lang. Bis 1911 war die Stadt dem Kaiserhof vorbehalten und erst seit 1949 ist sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Über der äußeren Hof betraten wir durch das Mittagstor den Platz mit dem Goldwasserfluss. Man sah auf einen gigantischen Platz mit fünf Marmorbrücken (5 Kardinaltugenden des Konfuzianismus), die sich über einen quer verlaufenden kleinen Kanal (sogar mit Gondoliere) wölbten. Der Fluss sollte den Jadegürtel der Hofbeamten repräsentieren. Das war schon ein toller Anblick...den wir mit 190.000 anderen Besuchern (vorwiegend Chinesen) teilten, wie wir später vom statistischen Amt erfuhren. Wir passierten das Tor zur höchsten Harmonie und kamen auf einen weiteren riesigen Platz mit Blick auf die Halle der höchsten Harmonie.

Das Tor der höchsten Harmonie bestand übrigens aus einer 24 m hohen Halle, in der früher Besucher empfangen wurden. Die Halle der höchsten Harmonie war Inthronisationen, Geburtstagen, usw. vorbehalten. Zentrum war der Drachenthron des Kaisers. Besichtigen konnten wir die Hallen allerdings nicht bzw. nur von außen durch Scheiben oder Absperrbänder. Da sich stets gefühlte 1000 Chinesen davor aufhielten, ließen wir es aber mit dem Blick hinein. Es folgten die Halle der mittleren Harmonie (hier hielt sich der Kaiser vor Zeremonien auf) und die Halle der bewahrenden Harmonie, alle natürlich durch riesige Plätze miteinander verbunden. Am Ende war das Tor der himmlischen Reinheit, durch das man in die noch verbotenere Stadt in der verbotenen Stadt kam. Hier war der äußere Hof zu Ende und man kam in den inneren Hof. Er besteht aus den drei Palästen des Kaiserpaares. Erst kam das Schlafgemach des Kaisers (Palast der himmlischen Reinheit), dann der Palast der Einheit, den die Kaiserin als Thronsaal nutzte, und als letztes der Palast der irdischen Ruhe, das Schlafgemach der Ming-Kaiserinnen. Östlich und westlich vom inneren Hof befinden sich zahlreiche kleine Paläste, Hallen und Blumen-sowie Steingärten. Hier wohnten u.a. die kaiserlichen Konkubinen, wurden Opferrituale dargebracht oder gefastet wurde (Halle der Enthaltsamkeit). Die Gassen sind sehr eng, die Gärten nicht sonderlich groß. Jetzt stellt euch wieder die 190.000 Besucher vor! Unfassbar. Stellenweise wurde man nur noch geschoben. Wirklich Spass hat das alles nicht gemacht. :( Wir waren einfach nur froh, lebend das Ausgangstor erreicht und unsere Gruppe wieder getroffen zu haben. Es war furchtbar schrecklich voll!!! Durch das nördliche Shenwu-Tor verließen wir die verbotene Stadt, überquerten eine Strasse und standen vorm Kohlehügel. Von oben konnte man gut über die verbotene Stadt blicken, aber nur die Hälfte von uns konnte sich aufraffen, den Hügel zu erklimmen. Letztendlich war er wohl doch nicht so hoch wie er aussah, man brauchte wohl nur 5-10 Minuten bis hoch. Naja, egal. Es war eh ziemlich dunstig über der gesamten Stadt, sodass die Bilder von oben eher bescheiden geworden sind. Nachdem sich alle wiedergetroffen haben, steuerten wir unseren Bus an. Der Weg führte jedoch noch zu Fuss durch die Hutongs (glücklicherweise nur zwei Strassen...nicht besonders sehenswert). Nach 4 Std. auf den Beinen durften wir endlich wieder in den Bus. Wir fuhren eine Weile bis zu einer sehr belebten Strasse, in der es Unmengen an Garküchen gab. Keine Ahnung, wie sie hieß, aber dem Verkehrsstau und den Menschenaufläufen nach zu urteilen war sie sehr beliebt! Shuwen hatte hier auf unseren Wunsch hin ein einheimisches Restaurant reserviert. Wir hatten aber noch 20 Min. Zeit und sollten daher an den Garküchen entlang schlendern...wenn man den Magen in der Kniekehle hängen hat, ist das echt fies! Jana und ich trauten uns...wir aßen einen Skorpion für 50 Yuan. ;) Wir müssen ehrlich sagen, dass er wirklich nicht schlecht war. Das Fleisch (die 2 Milligramm) war süß und der Rest war irgendwie chipsig. Natürlich nur etwas für den hohlen Zahn. Beweisfotos hat allerdings Georg, mal gucken, wann wir die kriegen. Dann war die Zeit auch schon um...Seestern am Spieß, Maden oder Heuschrecken probieren wir dann vielleicht morgen. ;) Das Abendessen war wieder super lecker. Da wo die Einheimischen essen, war es bisher immer am leckersten. Leute, meidet die Touristentempel. Meinhard machte sich wieder erwas unbeliebt, da er im ganzen Restaurant nach einer Gabel suchte und den Spruch "Wir sind ja hier nicht im Zirkus!" (wegen den Stäbchen) verzeihen ihm einige wohl nicht so schnell. *seufz* Nach dem Essen gab's noch etwas Verkehrsspektakel vor der Tür...es dauerte so ca. 1 Stunde, bis der Bus zu uns durchdringen konnte. Die können ja alle kein Auto fahren, tztztz. Und danach ging's endlich ins Hotel zum Einchecken. Ihr erinnert euch...letzte Nacht verbrachten wir im Zug. Wir hatten alle das Gefühl, wie Iltisse zu stinken. Jana und ich stürzten aufs Zimmer (ist klasse) und sprangen nacheinander unter die Dusche. War das toll! Leider ist Janas Kreditkarte verschwunden geblieben. Glücklicherweise klappt Geldabheben aber auch mit EC, ist allerdings wesentlich teurer. Ärgerlich bleibt es aber natürlich trotzdem. Wir sind schon kurz nach 21:00 fast tot ins schöne weiche Bett gefallen. Und weg waren wir...

Dienstag, 2. Oktober 2012

Tag 16: Xian

Erstmal vorweg: in dem verunglückten Bus in Peking waren nicht wir. (Danke für den Hinweis, Tobi M.!) Also macht euch keine Sorgen. Sind erst seit heute früh in Peking. Das Unglück muss schlimm gewesen sein. 6 Tote - 5 deutsche Ärzte, die gerade erst angekommen waren, und der Busfahrer. Sie sind auf einen LKW drauf gefahren...bei dem Verkehr hier kein Wunder. der Reiseleiter, der hinter dem Fahrer saß, ist laut Shuwen auch sehr schwer an den Beinen verletzt. :(

Um 06:45 klingelte der böse Handywecker, die schöne Nacht war um und eine Zugnacht stand uns bevor. Das demotivierte so ein bisschen. Gut, dass wir gestern Abend schon alles gepackt hatten. 07:30 mussten die Koffer vor die Tür und wir gingen zum Frühstück. Endlich gab's Käse...seit zwei Wochen das erste Mal und er war total lecker. Wir ließen uns schön Zeit und beobachteten die anderen Gäste. ;) Der Eierbrater strahlte soviel Motivation für seinen Job aus, dass uns ganz warm ums Herz wurde. Ich verzichtete dann, sonst würde ich wohl meinen Heimflug verpassen, weil ich immer noch auf mein Spiegelei warte. 08:30 trafen sich alle in der Lobby. Das Hotel war wirklich Klasse gewesen. Schade, dass ich keine Zeit mehr für den Pool hatte. Jana und ich haben gestern nach der Bar noch kurz im 3. OG im Spa-Bereich vorbeigeschaut und Inken und Bernhard im Pool erwischt...hm, geht da vielleicht doch noch was? ;) Alles war sehr sauber und einladend, wirklich schade. Als erstes fuhren wir zur alten Stadtmauer und spazierten durch den olympischen Park entlang der Mauer. Das war total klasse! Dort gibts zig fest installierte Sportgeräte, an denen junge und alte Chinesen täglich von 06:00 bis 10:00 Uhr trainieren. Manche tanzen und singen auch einfach nur oder machen Tai Chi. Die Chinesen, und gerade auch die Älteren, haben so viel Spass an Bewegung und gemeinschaftlichen Aktivitäten, dass es eine Freude ist ihnen zuzusehen. Natürlich probierten wir auch alle möglichen Geräte aus und lachten uns dabei schlapp. ;) Mit welchen einfachen Geräten Effekte wie im Fitnessstudio erzielt werden...und dann auch noch an der frischen Luft...echt klasse! Andreas lieferte sich auch ein Tischtennismatch mit einem Chinesen und Norma übte Tai Chi mit. Wir hatten alle total viel Spass. Sowas ist in Deutschland undenkbar...eigentlich wirklich schade. Zum Bsp. laufen auch viele Leute im Park rückwärts...eine Stunde am Tag soll Hexenschuss vorbeugen. Muss man erstmal wissen. Aber wie zu Hause umsetzen? Hmm. Nach dem Spaziergang sind wir zu einer Jadeschleiferei gefahren. Gefährlich! Es funkelte und blinkte...und zwei Elstern stürzten sich auf den Schmuck. ;) Meine Ausbeute: ein Kettenanhänger in Tropfenform und ein schlichter Ring. Schlimm sowas. Aber wenigstens wurde hart verhandelt. Der ursprüngliche Preis war um die 1000 Yuan, aber da heute Nationalfeiertag ist, gab's Rabatt und beides zusammen sollte 620 kosten. Ich habe es auf 400 runter bekommen. ;) Danach sind wir zur kleinen Wildganspagode gefahren, die sich in einem sehr hübschen Park mit See und süßen Brücken befindet. Wir spazierten etwas umher und genossen die Idylle. Die Latrine war allerdings wieder hart an der Schmerzgrenze. Das Loch im Boden ist so groß und man fragt sich wirklich warum die Leute einfach nicht treffen können. :( Jana und ich entdeckten einen kleinen Rosen-Steingarten...sehr süß! Dort gab's für uns dann auch jeweils ein Magnum Tiramisu (die Sorte kenne ich aus Deutschland gar nicht). Sehr lecker! Wir trafen uns nach einer 3/4 Stunde wieder alle am Bus und fuhren in die Altstadt. Wat war das voll da. Du meine Güte...Nationalfeiertag! Himmel und Volk war unterwegs. Wir gingen etliche kleine Gassen entlang, kreuz und quer, immer voll mit Souvenirständen und Garküchen. Und Massen von Chinesen. ;) Wir kämpften uns bis ins Zentrum der Altstadtgassen zur Großen Moschee, eine der größten in China und 743 im chinesischen Stil erbaut, durch. Ein Minarett fehlt völlig und es gibt wohl auch keinen Muezzin. Die Moschee ist eine Oase der Ruhe inmitten des Getümmels. Nach ca. 40 Min. waren wir aber durch und hatten dann bis 16:20 Freizeit. Wir kämpften uns zusammen mit Horst und Inken zurück zum Ausgangspunkt und aßen an einer Garküche Wachtel-Spiegeleier am Spieß. Gott, waren die lecker! Ich kannte die schon aus Bangkok. ;) Dann warteten wir und guckten den Leuten zu. Jana stellte dann beim Geldautomaten gegenüber unseres Treppenstufensitzplatzes fest, dass ihre Kreditkarte nicht mehr im Portmonee ist. Abgesehen davon, dass uns der Automat eh nichts geben wollte, ist das natürlich ganz schön Kacke. Sie hat zuletzt Geld im Hotel abgehoben und ist sich nicht sicher, ob sie die Karte wieder eingesteckt hat. Oder vielleicht verloren. :( Ich glaube aber immer noch, dass sie irgendwo in ihrem Koffer liegt. Das können wir aber erst im Hotel in Peking überprüfen, also erst morgen Abend. Und als wäre es ein Zeichen, verliert vor unserer Nase eine Frau ein Bündel mir 53 Yuan. Wir riefen noch hinterher, aber sie war so schnell weg, dass es nichts half. Diese Almosen hat Jana dann bekommen. ;) Gestern Abend beim Maultaschenessen hatte sie ja zwei Mini-Maultaschen in der Suppe, was doppeltes Glück bedeutet. Ich hatte drei und habe somit ein langes Leben. Naja. Halb fünf fuhren wir dann ins Theater zum Abendessen...sehr schöne Location und gutes Essen. Mal nicht chinesisch, sondern eher was für die europäischen Touristen. Danach war es Zeit zum Bahnhof zu fahren, wo wir ca. 18:30 ankamen. Oha! Wir nahmen kurz davor unsere Koffer entgegen und passierten eine Schleuse mit anschließender Sicherheitskontrolle und Durchleuchtung inkl. Abtasten. Zugfahren ist hier echt spannend. *seufz* Im Bahnhof warteten wir dann in der Soft Seat Lounge...haha, eine stinknormale Wartehalle, die brechend voll war. Hier kam man nur mit 1. Klasse Karten rein. Ich kaufte im Supermarkt noch schnell eine Flasche Jasmintee. Halb acht konnten wir zum Bahnsteig 1...natürlich vorher zum Check-In. ;) Der Zug ist wieder sehr unsauber auf dem Boden, aber die Abteile sehen halbwegs freundlich ein. Ich liege gerade auf meinem Nackenkissen und somit etwas höher als letztes Mal. Das müsste helfen. Shuwen schimpft gerade, weil Inken nebenan so laut lacht. Jana will auch schon schlafen. Über mir liegt diesmal eine Chinesin mit ihrer kleinen Tochter. Ich glaube die schlafen auch schon fast. Es ist jetzt 21:57. Ankunft soll wohl gegen 07:30 sein. 

So, jetzt ist es 22:30 und Alexandra macht Lärm, weil's im Nachbarabteil so laut ist. Ich stand ungünstigerweise gerade in besagtem Abteil drin, dabei war ich ganz leise. Tja, mitgehangen mitgefangen. Horst und Josef haben schon ne Flasche Rotwein gekillt, Inken und Bernhard ein paar Dosen Bier. Halleluja, da geht was ab. Hab mich gerade dezent vom Acker gemacht und gehe schlafen.

Montag, 1. Oktober 2012

Tag 15: Xian

Nach einer wundervollen Nacht im Luxusbett waren wir total erholt. Leider klingelte der Wecker wieder viel zu früh. :( Aber wir wollten ja den vielen Chinesen entgehen. Shuwen erzählte uns, dass letztes Jahr am 02.10. für das Terracotta-Museum 70.000 Eintrittskarten verkauft wurden. Oha! Wir frühstückten zusammen mit Bernhard, den wir mit Josef im Lift getroffen hatten. Josef hatten wir irgendwie unterwegs verloren. Das Buffet war richtig gut und W-Lan gab's auch. Kurz vor 07:00 haben wir noch schnell am Hotelautomaten Geld geholt und auf ging's zur Armee. Die Fahrt dauerte ca. 1 Stunde. Als wir ankamen, war es noch ziemlich leer und das Wetter war fantastisch. Die Anlage ist ziemlich weitläufig und sehr schön gestaltet. Zwischen den Ausstellungshallen sind schöne Garten- oder Parkanlagen angeordnet. Es macht Spass dort umher zu spazieren. Als erstes besichtigten wir die Grube 1 mit der Infanterie. 6000 Soldaten in Schlachtformation. Wenn man die Halle betritt, steht man erstmal mit offenem Mund da. Ist das gigantisch! Es ist so ganz anders als im Fernsehen...das muss man einfach live gesehen haben. Jede Figur ist ganz individuell gestaltet und keine gleicht der anderen in Gesicht und Haltung. Faszinierend ist auch die Vielfältigkeit der Frisuren! Wenn man sich vorstellt, dass die Figuren aus einzelnen Fragmenten zusammengesetzt werden mussten...unvorstellbar und nichts für Ungeduldige. ;) Alle Figuren sind überlebensgroß, so um die 1,80, und sehr farbenfroh gewesen. Die Offiziere noch großer und in stattlicherer Rüstung. Die Farben verblassten leider an der Luft, aber manchmal sind noch Farbspuren erkennbar. In Grube 2 war die Kavallerie und in Grube 3 die hohen Offiziere. Dann gab es noch eine Halle mit noch teilweise geschlossenen Gruben. Die Ausgrabungen und Restaurierungen sind noch lange nicht abgeschlossen. Entdeckt wurde die Armee erst 1974, als Bauern einen Brunnen gruben. Die aus gelben Lehm geschaffenen Figuren sollten das Grab des ersten Kaisers von China, Qin Shi Huangdi (Qin-Dynastie) bewachen und sind 2200 Jahre alt. Die 7000-köpfige Armee ist aber nur ein Teil der Grabanlage. 1,5 km weiter (haben wir vom Bus aus gesehen) ist ein Hügel unter dem sich angeblich das eigentliche Grab des Kaisers befinden soll. 246 v. Chr. beauftragte er den Bau seines Grabs und 36 Jahre lang waren ca. 700.000 Arbeiter damit beschäftigt (die Große Mauer hatte ca. 500.000). Der Legende nach bzw. anhand gefundener Pläne soll sein Grab durch einen Fluss aus Quecksilber vor Grabraubern geschützt sein und darüber ein riesiges Gewölbe mit einem nachempfundenem Himmel sein. Die Sterne bestehen aus Perlen und Edelsteinen. Und auch seine 48 Konkubinen sowie auch alle Arbeiter sollen lebendig mit begraben worden sein, damit sie den Ort des Grabes nicht verraten konnten. Zwei Bronzestreitwagen, die ebenfalls ausgestellt sind, wurden in der Nähe des Hügels gefunden. An den Hügel selbst trauen sich die Archäologen allerdings noch nicht so recht ran, denn gehen sie die Sache falsch an, stürzt ggf. alles in sich zusammen. Eine faszinierende und spannende Geschichte. In einer weiteren Ausstellungshalle waren einzelne Fundstücke, wie Messer, Schalen, kleinere Figuren, Waffen aller Art, Geschirr, usw. ausgestellt. Zuletzt besuchten wir noch ein Kino und natürlich den Museumsshop. ;) Wir waren ungefähr 3,5 Stunden auf dem Gelände und fuhren danach zum Mittagessen. In Nordchina essen die Chinesen vorwiegend Nudeln, in Südchina Reis...muss man auch erstmal wissen. Also gab es wie immer viel Gemüse und dazu Reisnudeln und welche aus Teig, die fast 3 cm breit waren. Es war sehr lecker. Danach fuhren wir zu einem Heilkräutermarkt, der allerdings schnell durchwandert war. Heute ist Mondfest und die meisten Stände hatten schon geschlossen, weil mit der Familie gefeiert wurde. Wir sahen aber trotzdem viele ungewöhnliche Dinge, wie z.B. getrocknete Igel, die bei Verdauungsproblemen helfen sollen, oder getrocknete Seepferdchen, Schlangenhaut und eingeschweißte Tausendfüßler. Die chinesische Medizin ist schon sonderbar. Gegen alles gibt es Tees oder irgendwas getrocknetes Totes. ;) Im Anschluss ging es zur Stadtmauer von Xian...ein Wahnsinnsteil! Sie ist komplett erhalten, rechteckig um das Zentrum (Altstadt) angelegt und hat eine Länge von ca. 14 km. Sie wurde vom 1. Ming-Kaiser Hongwu. Die Fundamente stammen allerdings von einem Kaiserpalast der Tang-Dynastie, sind also noch älter. Die Bastionen sind 12 m hoch und an der Basis bis zu 18 m dick. Wir sind hoch auf die Mauer und ca. 1 Stunde darauf lang spaziert. 7 von uns haben sich Fahrräder geliehen, um die 14 km oben abzufahren. Wir zogen die Variante "Hotel - Gartenbar mit Horst - Nachmittagsschläfchen" vor. ;) Nach 1,5 Std. Ruhepause auf dem Zimmer trafen wir uns alle 18:30 in der Lobby (außer Inken, Josef und Bernhard) und fuhren zum Maultaschen-Banquet. Hier kam meine neue tibetische Tasche erstmalig zum Einsatz. Alexandra hatte sich übrigens noch auf der Rückfahrt vom Yamdrok See fast die gleiche gekauft. ;) Shuwen hatte angeboten, für uns so ein Essen zu organisieren (150 Yuan) und wir haben es nicht bereut. Es war superlecker! Dazu gab's noch Terracotta-Schnapps (Kornschnapps), der es wirklich in sich hatte. Olle Wetter! Es stellte sich auch heraus, dass Andreas schon des Öfteren beruflich in China war und sich in Xian etwas auskennt. Daher haben sich dann Frederic, Alex, Lilo, Georg, Claudia und er unterwegs abgeseilt bzw. sich vom Busfahrer absetzen lassen. Uns war das zu heikel. Wir finden doch nie zurück zum Hotel. ;) Den Abend haben wir dann noch schön in der Hotel-Gartenbar mit Horst, Peter und Beate bei einer Pina Colada (ich) und einem Mango-Juice ausklingen lassen. Und ich rauchte dann meine ersten 3 Zigaretten seit dem Flughafen in Chongqing. ;) 

@Andrea: ich suche seit gestern wie blöde ne Postkarte von der Terracotta-Armee, aber die sind alle superhässlich. Ich schicke dir dann lieber von Peking noch eine. Die Chinesen haben es nicht so mit Postkarten. :(