Punkt 06:00 stieg die Chinesin hinab und wir wurden wach. Wir haben doch
tatsächlich fast durchgeschlafen. Gegen 23:00 lukte nochmal ein Schaffner herein
und meinte ich solle die Tür von innen abschließen. Ich hab ihn reden lassen.
Und dann war ich eigentlich nur beim Umdrehen wach. Mein Nackenkissen, was ich
dieses Mal dabei hatte, war Gold wert. Man muss eben nur wissen, was einen
erwartet. ;) Zähne habe ich mit unserer Chinesin, Andreas und Beate geputzt.
Diesmal waren die Waschbecken wenigstens in einem Extra-Abteil und nicht auf dem
Gang wie im letzten Zug. Die Sonne geht gerade auf...natürlich wieder im Dunst.
Die ersten Ausläufer von Peking sind schon zu sehen. Eine gute halbe Stunde noch
und wir sind da. Es geht dann ins Hotel zum Frühstück. Ich denke, die Koffer
lassen wir dort (Check-In geht noch nicht). Dann geht es sofort los mit dem
Programm und das ist heute extrem voll. :(
So jetzt ist schon der nächste Tag und ich versuche mal das Monstersightseeing
von gestern zusammenzukriegen. Wie gesagt sind wir gegen 07:20 aus dem Zug raus
und ca. 10 Min. zum Bus gelatscht. Die Fahrt zum "Holiday Inn Temple of Heaven"
dauerte ca. 40 Min. und wir sahen Peking im Morgengrauen. Das Hotel liegt in
keiner sonderlich schönen Gegend, sieht aber sehr gut aus und ich kann euch
schon sagen...die Betten sind fantastisch. ;) Wir haben auch ein tolles
Schwimmbad, das ich am Donnerstag an unserem letzten Tag, wo wir mal gänzlich
Freizeit haben, aufsuchen werde. Das Frühstück im Hotel war der Kracher! Das
beste, was wir bisher hatten. So eine riesige Auswahl gab es bisher nirgends und
lecker war auch alles! Wir hatten eine Stunde Zeit und genossen es ganz
fürstlich. ;) 09:15 ging es wieder in den Bus und wir fuhren zum Himmelstempel,
dem Wahrzeichen von Peking. Er wurde in der Ming-Zeit fertiggestellt und ist die
größte Tempelanlage in China, wo die Symbolhaftigkeit der chinesischen
Architektur so deutlich wird. Die Anlage verläuft auf einer Nord-Süd-Achse, die
durch einen erhöhten Steinweg gekennzeichnet ist (Red Step Bridge). Sie führt
direkt zum Temple of Heaven. Auf einer Anhöhe von drei konzentrischen Ringen bot
der Kaiser den Göttern Opfer dar. Angeblich sollte das die Stelle sein, bei der
man dem Himmel am nächsten ist. Hmm, naja, glauben wir es mal. Geht man weiter,
kommt man zum Tempel, in dem der Kaiser, der ja als Sohn des Himmels Vermittler
zwischen Menschen und Göttern ist, um gute Ernte betete. Zur Zeit der
Wintersonnenwende betete er stets zum Himmel und zu den Vorfahren. Dem einfachen
Volk blieb der Zutritt natürlich verwehrt. Um das kaiserliche Himmelsgewölbe
(Lager für die Opfergaben) führt die Echo Wall. Eine runde Mauer, die dafür
berühmt ist, ein Flüstern von einer Seite zur anderen zu tragen. Damit komm ich
zum Hauptpunkt. Habe ich schon erwähnt, dass Nationalfeiertagswoche in China
ist? Zig Millionen Chinesen haben Urlaub und zwar alle zur gleichen Zeit...diese
Woche! Die haben ja eh nur maximal 10 Tage im Jahr Urlaub und die verbringen sie
augenscheinlich liebend gerne alle zusammen. So richtig schön gemütlich. Das mit
dem Echo-Test konnte man natürlich vergessen. ;) Nach dem Himmelstempel sind wir
zum Tian'an Men Platz gefahren, dem Platz des himmlischen Friedens. Ihr könnt
euch diese Menschenmassen nicht vorstellen. Mit himmlisch hatte das nix mehr zu
tun, mit Frieden schon gar nicht. In der Mitte steht Mao Zedong's Mausoleum, am
Rand Gebäude aus den 50ern (Kommunismus lässt Grüßen). Auch Tore der nicht mehr
vorhandenen Stadtmauer kann man sehen. An der Spitze ist das Tian'an Men Tor zur
verbotenen Stadt. Hier hängt ein überdimensionales Porträt von Mao, weil er hier
am 01.10.49 die Volksrepublik China ausgerufen hat. Rechterhand am Platz ist das
Nationalmuseum Chinas, das größte Museum der Welt. Gegenüber auf der anderen
Seite ist die Große Halle des Volkes, Sitz der Legislative Chinas. Es war so
unerträglich voll, dass ich es gar nicht beschreiben kann. Und der Platz ist
echt gigantisch groß. Wir mussten durch eine Unterführung durch, weil die
Strasse versperrt war (Grund nicht ersichtlich), was mich unweigerlich an diese
Massenpanik im Tunnel von der Loveparade erinnern ließ. Wir passierten danach
das Tian'an Men Tor und danach noch zwei solcher immensen Tore. Dort trafen wir
Shuwen wieder, die sich vor der Platzüberquerung abgeseilt hatte, um Tickets zu
holen. Nach der üblichen Kontrolle traten wir in die Verbotene Stadt (offiziell:
Palastmuseum) ein, das Zentrum des chinesischen Universums und Symbol des
kaiserlichen Glanzes. Es ist wohl Chinas prachtvollster Komplex. 1420 wurde die
Palastanlage fertiggestellt und seitdem regierten hier 24 Kaiser fast 500 Jahre
lang. Bis 1911 war die Stadt dem Kaiserhof vorbehalten und erst seit 1949 ist
sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Über der äußeren Hof betraten wir durch
das Mittagstor den Platz mit dem Goldwasserfluss. Man sah auf einen gigantischen
Platz mit fünf Marmorbrücken (5 Kardinaltugenden des Konfuzianismus), die sich
über einen quer verlaufenden kleinen Kanal (sogar mit Gondoliere) wölbten. Der
Fluss sollte den Jadegürtel der Hofbeamten repräsentieren. Das war schon ein
toller Anblick...den wir mit 190.000 anderen Besuchern (vorwiegend Chinesen)
teilten, wie wir später vom statistischen Amt erfuhren. Wir passierten das Tor
zur höchsten Harmonie und kamen auf einen weiteren riesigen Platz mit Blick auf
die Halle der höchsten Harmonie.
Das Tor der höchsten Harmonie bestand übrigens aus einer 24 m hohen Halle, in
der früher Besucher empfangen wurden. Die Halle der höchsten Harmonie war
Inthronisationen, Geburtstagen, usw. vorbehalten. Zentrum war der Drachenthron
des Kaisers. Besichtigen konnten wir die Hallen allerdings nicht bzw. nur von
außen durch Scheiben oder Absperrbänder. Da sich stets gefühlte 1000 Chinesen
davor aufhielten, ließen wir es aber mit dem Blick hinein. Es folgten die Halle
der mittleren Harmonie (hier hielt sich der Kaiser vor Zeremonien auf) und die
Halle der bewahrenden Harmonie, alle natürlich durch riesige Plätze miteinander
verbunden. Am Ende war das Tor der himmlischen Reinheit, durch das man in die
noch verbotenere Stadt in der verbotenen Stadt kam. Hier war der äußere Hof zu
Ende und man kam in den inneren Hof. Er besteht aus den drei Palästen des
Kaiserpaares. Erst kam das Schlafgemach des Kaisers (Palast der himmlischen
Reinheit), dann der Palast der Einheit, den die Kaiserin als Thronsaal nutzte,
und als letztes der Palast der irdischen Ruhe, das Schlafgemach der
Ming-Kaiserinnen. Östlich und westlich vom inneren Hof befinden sich zahlreiche
kleine Paläste, Hallen und Blumen-sowie Steingärten. Hier wohnten u.a. die
kaiserlichen Konkubinen, wurden Opferrituale dargebracht oder gefastet wurde
(Halle der Enthaltsamkeit). Die Gassen sind sehr eng, die Gärten nicht
sonderlich groß. Jetzt stellt euch wieder die 190.000 Besucher vor! Unfassbar.
Stellenweise wurde man nur noch geschoben. Wirklich Spass hat das alles nicht
gemacht. :( Wir waren einfach nur froh, lebend das Ausgangstor erreicht und
unsere Gruppe wieder getroffen zu haben. Es war furchtbar schrecklich voll!!!
Durch das nördliche Shenwu-Tor verließen wir die verbotene Stadt, überquerten
eine Strasse und standen vorm Kohlehügel. Von oben konnte man gut über die
verbotene Stadt blicken, aber nur die Hälfte von uns konnte sich aufraffen, den
Hügel zu erklimmen. Letztendlich war er wohl doch nicht so hoch wie er aussah,
man brauchte wohl nur 5-10 Minuten bis hoch. Naja, egal. Es war eh ziemlich
dunstig über der gesamten Stadt, sodass die Bilder von oben eher bescheiden
geworden sind. Nachdem sich alle wiedergetroffen haben, steuerten wir unseren
Bus an. Der Weg führte jedoch noch zu Fuss durch die Hutongs (glücklicherweise
nur zwei Strassen...nicht besonders sehenswert). Nach 4 Std. auf den Beinen
durften wir endlich wieder in den Bus. Wir fuhren eine Weile bis zu einer sehr
belebten Strasse, in der es Unmengen an Garküchen gab. Keine Ahnung, wie sie
hieß, aber dem Verkehrsstau und den Menschenaufläufen nach zu urteilen war sie
sehr beliebt! Shuwen hatte hier auf unseren Wunsch hin ein einheimisches
Restaurant reserviert. Wir hatten aber noch 20 Min. Zeit und sollten daher an
den Garküchen entlang schlendern...wenn man den Magen in der Kniekehle hängen
hat, ist das echt fies! Jana und ich trauten uns...wir aßen einen Skorpion für
50 Yuan. ;) Wir müssen ehrlich sagen, dass er wirklich nicht schlecht war. Das
Fleisch (die 2 Milligramm) war süß und der Rest war irgendwie chipsig. Natürlich
nur etwas für den hohlen Zahn. Beweisfotos hat allerdings Georg, mal gucken,
wann wir die kriegen. Dann war die Zeit auch schon um...Seestern am Spieß, Maden
oder Heuschrecken probieren wir dann vielleicht morgen. ;)
Das Abendessen war wieder super lecker. Da wo die Einheimischen essen, war es
bisher immer am leckersten. Leute, meidet die Touristentempel. Meinhard machte
sich wieder erwas unbeliebt, da er im ganzen Restaurant nach einer Gabel suchte
und den Spruch "Wir sind ja hier nicht im Zirkus!" (wegen den Stäbchen)
verzeihen ihm einige wohl nicht so schnell. *seufz* Nach dem Essen gab's noch
etwas Verkehrsspektakel vor der Tür...es dauerte so ca. 1 Stunde, bis der Bus zu
uns durchdringen konnte. Die können ja alle kein Auto fahren, tztztz. Und danach
ging's endlich ins Hotel zum Einchecken. Ihr erinnert euch...letzte Nacht
verbrachten wir im Zug. Wir hatten alle das Gefühl, wie Iltisse zu stinken. Jana
und ich stürzten aufs Zimmer (ist klasse) und sprangen nacheinander unter die
Dusche. War das toll! Leider ist Janas Kreditkarte verschwunden geblieben.
Glücklicherweise klappt Geldabheben aber auch mit EC, ist allerdings wesentlich
teurer. Ärgerlich bleibt es aber natürlich trotzdem. Wir sind schon kurz nach
21:00 fast tot ins schöne weiche Bett gefallen. Und weg waren wir...
Meine Güte wie die Zeit vergeht. Tag 17 schon. Wie werde ich deine Mails vermissen. :-)
AntwortenLöschenDie Menschenmassen wären nichts für mich ,da würde ich sicher Platzangst kriegen. Schade, dass jetzt alles so voll ist.
Huhuu liebe Rena!
AntwortenLöschenSchön von euch wieder zu lesen. Nun seid ihr also in Peking angekommen. Mutig, mutig mit dem Skorpion essen. ich glaube, da hätte mich eine ganz schöne Überwindung gekostet. Aber noch eher das als Maden oder Heuschrecken. Wiederum... wann hat man sonst die Gelegenheit dazu.
Hat euch denn Peking abgesehen von den Menschenmassen gut gefallen? Das mit den Menschenmassen hatte ich schon mal irgendwo gehört, dass am Nationalfeiertag gefühlt ganz China nach Peking aufbricht und es dadurch enorm voll ist. Die chinesische Mauer hat er wohl auch vor lauter Menschen kaum erkennen können. Aber egal, hat sicher auch wiederum Flair und außerdem...ist sicher auch mal spannend einen solchen Nationalfeiertag mitzuerleben. Erlebt man ja auch nicht alle Tage.
Ich wünsche euch noch ein paar wunderschöne, aufregende Reststunden in China und kommt gesund und munter zurück nach Deutschland!
Alles Liebe auch an Jana! Eure Angela