Sonntag, 30. September 2012

Tag 13 & 14: Lhasa - Xian (Tibetbahn)

Heute früh gab's wie immer Kopfschmerzen, aber die Pillen wirkten relativ schnell. Vielleicht war's auch die Vorfreude auf die Zugfahrt ins sauerstoffreiche Xian. ;) 08:15 mussten die Koffer vor die Tür, 09:00 war Check-Out. Wir duschten und gingen zum Frühstück. Toast mit Ei, mehr ist hier nicht drin, wenn man keine chinesischen warmen Speisen früh essen möchte. An der Rezeption bezahlte ich noch meine drei Wasser und wir beide unsere tibetischen Tabletten gegen die Höhenkrankheit (gab's bei Ankunft im Zimmer). Ob sie irgendwas bewirkt haben, wissen wir natürlich nicht. Wir bekamen noch von Shuwen und Gelie unsere Zugtickets, die etwas Verwirrung auslösten. Shuwen meinte aber das sind noch nicht die richtigen Zuordnungen. Das machen wir dann im Zug vor Ort. 09:30 war Abfahrt. Die Fahrt zum Bahnhof dauerte ca. 20 Minuten. Auf dem Parkplatz passierten wir die erste Kontrolle. Wir wurden an einem Hund vorbeigewunken, der aber scheinbar gerade Pause hatte. Ein paar Meter weiter wurden wir und auch die Gepäckstücke durchleuchtet. Am Bahnhofseingang war erst eine Passkontrolle und kurz dahinter die Ticketkontrolle. Meine Fresse, was hier für ein Aufriss gemacht wird, bevor man den Zug erreicht. Wie einfach ist doch das Bahnfahren in Deutschland. Wir wurden in Warteraum 2 geleitet, wo wir noch ca. 45 Min. gewartet haben. Wir vertrieben die Zeit mit einem kurzen Bummel im angeschlossenen Supermarkt, wo ich mir noch diesen leckeren Milk Tea gekauft habe, den ich schon in Shanghai probiert hatte. Dann ertönte auch schon bald das Megaphon. Die Dame stand nur 4 m entfernt. Mir sind fast die Ohren abgefallen. Sie plapperte am laufenden Band immer das Gleiche und dann ging der Run los. Die Chinesen oder Tibeter, die einen Sitzplatz in der 3. Klasse gebucht hatten, stürmten wie von der Tarantel gestochen los. Die Waggons sind nicht sonderlich groß und die meisten hatten Gepäck bei sich, was untergebracht werden wollte. Dieses Gedrängel muss man erlebt haben. Wir haben es uns aus sicherer Entfernung angesehen und uns darüber amüsiert. Beim Zug angekommen, er erinnerte mich sehr an die alten DDR-Züge, suchten wir Waggon 6 und stiegen ein. Es gab ziemliches Chaos. Wir hatten Sitz 1 und 2, also im Abteil 1, aber da waren Georg und Lilo schon drin. Laut Shuwen sollten wir mit ihr und einem Chinesen ins Abteil 4, also zogen wir dorthin weiter. Blöd nur, dass da bereits zwei Chinesinnen drin waren und Shuwen war nicht dabei. Wir also alle zurückgedrängt, um zurück zum Abteil 1 zu kommen, und haben dort auf Shuwen gewartet. Sie ging dann mit uns zum Abteil 4, stellte fest, dass sie sich geirrt hatte, und wir sind letztendlich im Abteil 5 gelandet. Die Chinesin, die über Jana geschlafen hat, war sehr nett und konnte sogar etwas Englisch. Shuwen hatte das Bett über meinem. Es dauerte etwas bis wir uns an das kleine Abteil, den wenigen Platz und den muffigen Geruch im Zug gewöhnt hatten. Sauberkeit wird hier auch nicht so groß geschrieben, aber es ist immer noch besser als Longsheng. Die ersten Stunden vergingen sehr zäh, obwohl unser Abteil ständig voll war. Es gab in der Gruppe auch ziemlichen Frust. Eigentlich wollten Horst mit Enkelin Inken und Josef mit Sohn Bernhard in ein Abteil und so war es auch von Shuwen aufgeteilt worden. Aber Meinhard und Renate waren plötzlich im Abteil von Horst und Inken und sind nicht mehr gewichen. Die wollten nämlich nicht zu Georg und Lilo in ein Abteil. Eigentlich wollte niemand zu Georg und Lilo. ;) Nun ja, es gab mächtig Theater, weil Meinhard so patzig wurde. Die anderen vier sind seitdem sauer, weil sie sich so super verstehen und nun weder in dem einen, noch dem anderen Abteil wirklich wohl fühlen. Daher sind sie meistens bei uns im Abteil. ;) Die ersten drei Stunden saßen wir zu acht bei uns und die Stimmung war richtig gut. Gegen Abend hatten wir dann schon fast alle keine Lust mehr auf Zugfahren. Die Chinesin hatte ihre Freunde im Nachbarabteil und kam eigentlich nur zum schlafen rüber. Das Bordrestaurant kann man vergessen. Es ist nicht einladend und zum Bedienen hat dort auch niemand wirklich Lust. Einmal waren wir auch in Waggon 5, um Alex, Frederic, Andreas und Claudia zu besuchen. Dort wurde Frederic dann von mir mit dem Gerücht fotografiert, er sei Aktfotograf...die Antwort war schwammig. ;) Abends ging es Jana dann schlechter. Wir passierten gegen 17:00 den höchsten Punkt der Reise: 5072 m hoch. Das ging nicht spurlos an uns vorbei, obwohl Sauerstoff ins Abteil gepumpt wurde. Bei mir war's, als würde ich doppelt so schwer sein und jemand auf meinen Magen drücken. Der Druck auf den Körper war sehr hoch. Einige Plastiktüten sind auch geplatzt. Aber mir ging's dennoch ganz gut. Jana hatte noch die ganze Nacht mit Übelkeit zu kämpfen. Ihr habt alle gesagt, dass es eine unvergessliche Reise sein wird. Ja! Das ist sie jetzt schon! So wenig Schlaf und so viele Schmerzen hatten wir noch nie in einem Urlaub. Und das Beste: wir haben auch noch viel dafür bezahlt. ;)) Aktuell haben wir Tag 14 (29.9.) um 13:03. Wir stehen in Lanzhou auf ca. 1500 m. Shuwen schreibt was auf dem Handy, Jana hört Musik oder schläft. Wir haben wieder normale Höhen erreicht, sodass es allen wieder gut geht. Eigentlich sind fast alle nur müde. Die Betten waren hart, die Kopfkissen zu niedrig. Man hatte stets das Gefühl, man liegt kopfüber. Noch 8,5 Stunden, dann sind die 33 Stunden rum. Oh man! Ich muss aber sagen, dass es bis auf den fehlenden Schlafcomfort und die fehlende Sauberkeit (mittlerweile kann man die Toiletten auch kaum noch benutzen) im Abteil ziemlich gemütlich ist. Shuwen versorgt uns ständig mit irgendwelchen chinesischen Köstlichkeiten, wie kackbraune Gummieier (nicht zu empfehlen, bäh), Hühnerschenkel, usw. Eben gerade hat sie auf dem Bahnsteig eine Art Broiler gekauft, der war ganz lecker. Gestern Abend waren Inken und Bernhard noch lange bei uns im Abteil und wir haben uns über Gott und die Welt (u.a. Horrorfilme) unterhalten. Gegen 23:00 haben sich die beiden dann aus Rücksicht auf Jana auf den Gang verkrümelt und ich habe noch den Blog geschrieben. Jana hat wohl gar nicht geschlafen (bis auf jetzt gerade) und ich etappenweise. Gegen halb vier morgens haben wir gedacht, wir ersticken und haben unsere Nasen ans angekippte Fenster gehalten. Die Luft im Abteil war zum Schneiden. Tja was soll ich noch zum Zug schreiben. Die tibetische Landschaft gestern war noch sehr schön, heute ist es eher langweilig. Wir stehen immer ewig an irgendwelchen Bahnhöfen (z.B. Xining) rum. Naja, aber auch das wird vergehen, haha. Blöd nur, dass wir nach zwei Übernachtungen in Xian nochmal eine Nachtfahrt nach Peking haben. Wir sehen es positiv...es ist nur ein Drittel der jetzigen Zugfahrt. ;) Gegen 21:30 sollen wir heute Xian erreichen. Wahrscheinlich brauchen wir dann noch etwas bis zum Hotel und werden nur noch tot ins Bett fallen. Obwohl...ich glaube wir müssen alle dringend duschen. ;) Morgen stehen dann die Terracotta-Armee und ein Heilkräutermarkt auf dem Plan. 

PS: endlich wieder etwas Luxus. 21:20 sind wir in Xian eingefahren und waren schon vom Zug aus von der riesigen beleuchteten Stadtmauer beeindruckt. Xian ist die älteste Stadt Chinas und für chinesische Verhältnisse mit 4 Millionen Einwohnern eher "klein". ;) Gegen 22:30 haben wir im New World Hotel eingecheckt. Ein 4 Sterne Hotel mit herrlich weichen großen Queenbetten und einem geräumigen Zimmer im 7. Stockwerk (von 15). In der Lobby erwartet den Gast schon ein 3-Personen-Steingebilde, dass über 2-3 Etagen geht...sehr beeindruckend. Im 3. OG ist ein Schwimmbad, ich hoffe Zeit zu haben, dort mal mit Inken planschen zu gehen. Wofür habe ich sonst den Badeanzug eingepackt? Jetzt heißt es aber erstmal schlafen, denn morgen geht's schon um 07:00 los zur Terracotta-Armee. In China hat heute (Samstag) die Nationalfeiertagswoche begonnen, das bedeutet Millionen von Chinesen sind unterwegs!! Ihr glaubt nicht, was am Bahnhof los war. Wir sind kaum durch die Menschenmassen auf dem Bahnhofsvorplatz gekommen. Wir haben nämlich noch schnell bei KFC was zu Essen zum mitnehmen gekauft. Durch das frühe Aufstehen morgen versuchen wir, den Massen halbwegs zu entkommen. Mal schauen, ob es klappt. Gute Nacht.

Tag 12: Lhasa - Yamdrok See - Lhasa

Abfahrt war 09:30, ich konnte wieder nicht mit zum Frühstück. Allein der Gedanke an Essen war widerlich. Dazu wieder Kopfweh vom Feinsten. In der Nacht ist man ständig wach, das harte Kopfkissen ist ein Krampf (ohne geht's aber auch nicht) und am schlimmsten ist die trockene Luft, die immer in der Kehle kratzt, sodass man Husten muss. Mir ist schleierhaft, wie Leute auf 8000er kraxeln können, wenn wir schon bei 3600 m solche Probleme haben. Da muss doch jeder Schritt eine Todesqual sein. Wenn man jetzt einen Bergsteigerfilm sieht, schaut man ihn mit ganz anderen Augen. Meine Pillen haben bis zur Abfahrt etwas gewirkt, sodass es erträglicher wurde. Wir richteten uns auf 3 Std. Fahrt ein. Nach ein paar Geburtstagsliedern für Jana (chinesisch, deutsch, philippinisch...war alles dabei) stieg die Stimmung und wir genossen die Fahrt bei strahlendem Wetter. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Happy Birthday, meine Süße! Die Gegend war wunderschön, faszinierend und atemberaubend. Wir fuhren durch weite Täler mit Yak-Herden, stets umgeben von Gebirgsketten über 4500 m hoch. Nach einer Toilettenpause, in der wir Frauen uns alle fast Übergeben hätten und ca. 2 Std. Fahrt durch die Ebene, erreichten wir den Pass zum Yamdrok See, einer der heiligen Seen Tibets. Die Serpentinen waren unerträglich steil. Ich habe fast die ganze Fahrt nicht aus dem Fenster sehen können und somit zur Belustigung der Gruppe beigetragen. Die Höhe und die steilen Abhänge allein sind ja schon schlimm genug, aber diese Schlaglöcher in der tibetischen Passstraße machten die Sache noch viel gruseliger. Ich habe uns mehrmals allein auf Grund des horrenden Schaukelns des Busses in die Tiefe stürzen sehen. Ich bereute stark, keinem Buddha einen Yuan gegeben zu haben. ;) Aber nichts destotrotz erreichten wir die Spitze (4800 m) und hatten einen grandiosen Blick auf die umliegenden 6000er Gipfel und den zu unseren Füßen liegenden Yamdrok See. Er leuchtete in herrlichem Türkis und die Szenerie war fast surreal. Hier wundert es keinen mehr, dass Tibet auch als das Land der Götter bezeichnet wird. Nach einer Fotopause (u.a. Jana auf Yak und ich mit zwei tibetischen Mastiffs - sehr große tibetische Hirtenhunde) fuhren wir runter zum See auf 4400 m, um dort zu picknicken. Die Luft war sehr, sehr dünn und trocken und mir wurde wieder etwas schwindelig. 45 Min. hielten wir uns dort am See auf, dann mussten wir die Rückfahrt antreten, um die Höhenkrankheit zu vermeiden. Vorher besuchten noch alle die Harmoniehalle...auch diese war unvergesslich: keine Türen, kleine Gemäuerchen zwischen den Löchern, Zug am Arsch und ein 10 m Abgrund. Mehr sage ich nicht. ;) Auf der Rückfahrt besuchten wir noch eine tibetische Oma in ihrem Haus und tranken Yak-Buttertee. Naja, mein Lieblingsgetränk wird's wohl nicht. Wieder im Hotel war's dann schon gegen 17:00 und wir ruhten uns wieder etwas aus. Vorher war ich noch bei der China-Post Postkarten kaufen. Alle nicht sehr schön. :( 18:00 trafen wir uns dann alle im hoteleigenen Restaurant im 2. Stock, aßen zu Abend und plauderten. Danach sind wir mit Shuwen in die W-Lan-Area und halfen ihr etwas beim Betiteln der Fotos, die sie auf der China-Tours-Website hochlädt. Die könnt ihr euch übrigens schon anschauen, wenn ihr mögt: http://www.chinatours.de/reise/48-china-mit-tibet/travelreport. Aber es half ja nix...wir mussten wieder runter aufs Zimmer und packen und ich noch Postkarten schreiben. Da wir im Zug ein 4er Abteil haben und die Koffer auf der ganzen Fahrt verstaut blieben, mussten wir die Rucksäcke entsprechend packen. Es lief darauf hinaus, dass ich meinen Koffer, einen Rucksack, meine Umhängetasche und einen Fressalien-Beutel zu schleppen hatte. *seufz* Das Packen brauchte so seine Zeit und wir gingen dann bald ins Bett.

Tag 11: Lhasa

Wir waren wie immer vor dem Weckruf wach. Jana's Kopfschmerzen waren weg, aber dafür war mir übel. Ich bin nicht mit zum Frühstück, sondern hab mir erstmal zwei Dolormin reingepfiffen und dann langsam geduscht. Unser Zimmer hatte eine Glaswand zum Badezimmer, was ziemlich geräumig war. Leider hatte es keine Tür, was erst etwas gewöhnungsbedürftig war. ;) Mir war so übel, dass ich wirklich überlegt habe, ob ich nicht im Hotel bleibe, habe mich dann aber doch hochgerafft. Jana brachte mir Yak-Buttertee vom Frühstück mit und ich trank brav die ganze Tasse aus...soll ja helfen und ich wollte doch mit. Man ist ja nur einmal in Tibet. Um 09:00 ging's dann los zum Kloster Drepung, ca. 8 km vor der Stadt. Eine riesige Klosteranlage, an einen Berghang gebaut. Das war schon ziemlich eindrucksvoll. Früher lebten dort 10.000 Mönche, heute noch ca. 500-600. Nach der Durchleuchtung (natürlich!) kraxelten wir schon wieder einen scheiss Berg hoch. Ich kann keine Treppen mehr sehen!!! Ganz oben vor der ersten Kapelle habe ich gestreikt und mit Gelie verabredet, wann ich wieder am Bus sein soll. Ich habe dann meinen eigenen Streifzug durch die Klostergassen gemacht und mein eigenes Tempo gefunden. Die Ruhe und Einsamkeit tat mir mal ganz gut. Ausserdem war ich die Attraktion für die Mönche oder Pilger, die mir begegneten. Bei der Weihrauchtante (letzter Blog) hatte ich dann ein schattiges Plätzchen gefunden. Gegen 12:00 tauchten die anderen wieder auf...total kaputt. Ich war froh, dass ich pausiert hatte, schließlich sollten noch zwei andere Kloster besichtigt werden. Wir fuhren direkt zum ehemaligen Sommerpalast des jetzigen Dalai Lama in Lhasa, nach Norbulingka. Dort lebte der Lama bis 1959, ehe er als tibetischer Soldat verkleidet nach Indien floh. Die Anlage ist riesig, aber glücklicherweise ebenerdig. ;) Es gibt 4-5 Paläste und sogar einen Zoo. Dazwischen wunderschöne bunte und idyllische Gartenanlagen. Wir besichtigten u.a. das Meditationszimmer, das Schlafzimmer sowie das Audienzzimmer mit dem riesigen goldenen Thron des Dalai Lama. Auch den Platz von Heinrich Harrer, der den Lama meistens in Norbulingka unterrichtete, haben wir bestaunen können. Nach den Besuchen der zwei Tempel machten wir 20 Min. Picknick in den Gartenanlagen. Die Pause tat allen gut. Danach fuhren wir mit dem Bus zum Hotel zurück, wo wir 20 Min. Harmoniepause hatten. Ich hatte null Bock mehr auf Klöster oder Tempel. Irgendwann ist man immer auf dem Punkt, dass man eine Reizüberflutung hat, seien sie auch noch so schön. Aber zum Jokhang wollte ich ja auf jeden Fall, weil man von dort aus auch einen wundervollen Blick auf den Potala haben sollte. Und im Reiseführer klang er auch sehr toll. Anschliessend ging es also zu Fuß zum Tempel, der heiligsten Stätte Tibets, der gleich um die Ecke von unserem Hotel war. Aus dem Hotel raus ging es durch einen Gang und dann rechterhand 50 m und man war mitten auf dem Barkhor. Das ist einer der drei Pilgerwege in Lhasa (1,5 km). Der zweite geht um den Potala und der dritte um die alte Stadtgrenze (7,5 km). Es waren sehr viele Pilger unterwegs, die ihre Gebetsmühlen drehten und sich manchmal mitsamt ihren Gebetsketten längelang auf die Strasse warfen. Direkt am Barkhor schaut man auf den großen Barkhor-Marktplatz und direkt dahinter auf den Jokhang Tempel. Der Tempel ist im Vergkeich sehr klein, aber nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil, durch die überschaubare Größe hatte er meiner Meinung nach mehr Charme. Von der 2. Etage (Dach) schossen wir dann etliche Fotos vom Barkhor und dem Potala. Gegen 17:00 wurde Freizeit ausgerufen. Wir schlenderten langsam über den Markt zurück und ich handelte noch eine tibetische Handtasche von 160 auf 100 Yuan herunter. ;) Wir ruhten uns im Hotel etwas aus und 18:00 gingen wir mit den anderen zu einem Hotel nahe des Barkhor, ca. 5 Min. entfernt, zum Abendessen. Direkt daneben war das "The Summit Café", der tibetische Starbucks, den Jana und ich uns vor der Reise schon herausgesucht hatten. Auch Gelie bestätigte, dass es dort den besten Kaffee Lhasa's gibt. Aber bei dem straffen Programm mussten wir uns das wohl abschminken. :( Das Essen war wieder ganz lecker, wenn mir auch die tibetische Küche oftmals zu scharf ist. Nach dem Essen gingen wir mit Meinhard und Renate zum Supermarkt, ca. 1 km entfernt, und deckten uns mit Lebensmitteln für unseren Tagestrip zum See und unsere 33-stündige Zugfahrt nach Xian ein. Der Supermarkt überforderte uns wieder total. Er war riesig und alles auf chinesisch (klar, was sonst?). Aber auf den Packungen ist niemals nichts in lateinischen Buchstaben, aber auch gar nichts, zu lesen. Beim ärmlichen Käseregal traf ich Shuwen, die mit erzählte, dass sie vielleicht einmal im Jahr Käse ist. Gott, ich würde sterben. Aber Chinesen oder Tibeter mögen Käse nicht. Das verstehe wer will. An der Kasse gaben wir Shuwen unsere Bons zum Absetzen, aber dummerweise ließ man uns ohne Bon nicht aus dem Gebäude. Alles sehr merkwürdig hier. ;) Zurück nahmen wir für 10 Yuan eine Fahrradrikscha, mir war schon wieder schwindelig und ich hatte etwas Herzrasen. Das mit dem vielen Trinken sind ja gute Ratschläge, aber wenn man ständig auf Tour ist und nicht weiß, wann das nächste Klo bzw. Loch kommt, dann trinkt man automatisch weniger als man sollte. Und hey, ihr wart noch nie auf einer Klostertoilette. Ich war im Drepung und werde es nie vergessen! ;) Leider bin ich scheinbar ne Ausnahme. Am ersten Tag (Ankunft) ging's wir wirklich gut, am zweiten ganz leichtes Kopfdrücken und am dritten war's schon richtig übel. Irgendwie wird's von Tag zu Tag schlimmer und ich freue mich wirklich auf Xian (gesprochen: Schian) mit normaler sauerstoffhaltiger Luft und hoffentlich mal wieder Durchschlafen. Ohne Kopfschmerztabletten hätte ich ab dem dritten Tag nichts mehr unternehmen können, obwohl man das ja nicht machen sollte, weil man dann nicht merkt, wenn die Höhenkrankheit schlimmer wird. Trotzdem, ohne ging's nicht und die Hälfte unserer Gruppe musste welche nehmen. Zwei von uns, Andreas und Claudia, hat es richtig böse erwischt. Sie sahen am zweiten Tag (Potala) schon richtig übel aus, weil sie in der Nacht nur gebrochen hatten, kämpften sich aber durch. Das war schließlich für die meisten das Tibet-Highlight. Am Folgetag ging dann nix mehr, ein Arzt musste kommen. Sie blieben mit Shuwen im Hotel, haben Spritzen bekommen und müssten mind. 5 Std. an Sauerstoffflaschen. Am Abend ging es ihnen dann wieder soweit gut, dass sie mit zum Essen kommen und auch schon wieder Lachen konnten. Die Fahrt zum Yamdrok-See am nächsten Tag war gesichert. Allerdings geht es bis auf 4800 m hoch und ob das so gut für die Beiden ist?

Donnerstag, 27. September 2012

Tag 10: Lhasa

Jana's Kopfschmerzen und die Übelkeit sind weg, aber wir sind beide total matschig. Es ist gerade 7:10, um acht sollen wir erst geweckt werden. Aber Schlafen geht nicht mehr. Man fühlt sich total ausgetrocknet...Nase, Augen, Mund. Und ich habe das Gefühl, bei mir kommt jetzt ein leichtes Kopfdrücken. Hoffentlich bleibt es dabei und wird nicht schlimmer. Heute stehen der Potala Palast und das Sera Kloster auf dem Plan. 09:30 ist Abfahrt. Der Potala gilt als größter Bau Tibets und steht auf dem höchsten Punkt Lhasas, dem Marpo Hügel. Er hat 13 Stockwerke und über 2000 Zimmer. Der ursprüngliche Palast entstand 631, wurde aber später noch durch den weissen Palast (1645) und den roten Palast (1693) ergänzt. Gelie erzählte auch was von 300 (oder 500?) Stufen...da höre ich gar nicht mehr zu. Meine Waden schmerzen immer noch. :( Der Aufstieg wird jedenfalls sehr anstrengend, weil man nach ein paar Schritten Herzrasen bekommt. Ich versuche es ganz langsam. Das Sera Kloster entstand 1419 durch Schüler des Gelugpa (Gelbmützen-) Ordens und war für seine kriegerischen Mönche, die Dob-Doa berühmt. Einst lebten hier 5000 Mönche, heute nur noch 500. Auf dem Versammlungshof finden oft laute und derbe Debatten der Mönche statt, die heute wohl nur noch für die Touristen gemacht werden. Faszinierend sollen sie aber trotzdem sein. Lassen wir uns mal überraschen. Jetzt gehen wir erstmal frühstücken. ... Nun haben wir schon den nächsten Tag und ich sitze auf einer Mauer im Drepung Kloster...man versucht mich gerade mit Weihrauch auszuräuchern und so ein kleiner tibetischer Fratz tatscht ständig meine Hose dreckig. Also wie gesagt waren wir gestern im Potala. Der Aufstieg war der Horror! Lange nicht so schlimm wie Longsheng, aber trotzdem ganz übel. Zwischenzeitlich dachte ich, ich kippe um. Diese dünne Luft ist irre. Tja was soll ich zum Potala schreiben. Wenn man unten am Fuß des Palasts steht, kann man es nicht glauben. So ein gewaltiges Gebäude hat man noch nie gesehen. Er ist faszinierend, imposant und atemberaubend schön. Unten gibt es einen Pilgerweg einmal um den Potala herum mit hunderten goldenen Gebetsmühlen. Ca. 40 haben wir auch gedreht, aber dann war's auch gut. ;) Ab Eingang zum weißen Palast war fotografieren verboten, daher kann ich euch keine Fotos bieten. Es ist sagenhaft. Alles sehr dunkel mit Yak-Butter-Kerzen, aber immer kunterbunt. Die Tibeter sind so farbenfroh, dass ist einfach herrlich und macht gute Laune. Wenn nur diese Treppen nicht immer wären. Die sind ja auch nicht normal, sondern immer schmal und hoch. Das nervt echt! Innen sind wir durch zahlreiche Räume, ich habe sie nicht gezählt. Groß, klein, winzige enge Gänge, kleine Kapellen...alles war dabei. Beeindruckend war u.a. die große Halle mit dem Thron des 5. Dalai Lama. Ich möchte fast behaupten, dass es die aus "Sieben Jahre in Tibet" war. Oder die Stupa's der ehemaligen Dalai Lamas...immer reich verziert mit viel Gold. Den 5. müssen sie echt geliebt haben, da es die größte Stupa war und für sie fast 3700 kg Gold verarbeitet wurde. Der 12. liegt da wohl auch mit drin. Wie das mit dem aktuellem Dalai Lama wird ist noch ungewiss. Gestatten die Chinesen ihm, im Potala beerdigt zu werden? Wird es überhaupt einen Nachfolger geben? Ich hoffe es. Überall im Palast waren auch Mönche in den Ecken versteckt. Da es so dunkel ist, sieht man sie immer kaum. Außerdem war gerade Mittagszeit und alle hatten Schüsseln mit Stäbchen bei sich. Beim Abstieg auf der Rückseite des Bergs (da gibt's ne Strasse!!!) bin ich natürlich gestürzt. Aber elegant! ;) Seitdem schmerzte mein linker Knöchel etwas. Es war nur ein Stufe, aber der Stein war dermaßen glatt und es ist ja auch immer alles so steil. *seufz* Unten angekommen waren wir total platt, aber an Pause war nicht zu denken. Es ging sofort weiter zum Sera Kloster, ca. 4 km entfernt. Der dortige Abt hat u.a. auch den aktuellen Dalai Lama gesucht. Als der Alte nämlich gestorben war, zeigte sein Leichnam nach Osten und so ist der Abt mit einer Delegation aus Lhasa nach Osten gesogen und hat das Kind gesucht, in dem der Dalai Lama wieder geboren wurde. Er hat's natürlich auch gefunden und es hat alle drei Prüfungen bestanden (z.B. einen Gegenstand des Letzten unter falschen wiedererkennen). Im Sera Kloster haben wir dann zwei Kapellen besichtigt. Die eine beinhaltete eine Druckerei, in der alte Schriftrollen kopiert werden. Gelie faselte auch immer was vom tibetischen Martin Luther. ;) In der zweiten waren drei Mandalas zu sehen...aus Sand! Ich kann's nicht beschreiben, googelt es einfach mal oder wartet aufs Foto. Sehr beeindruckend! Die Debatte der Mönche war eher enttäuschend. Es hat nicht mehr viel mit dem Ursprung zu tun, sondern dient nur noch zur Belustigung der Touristen. Die Mönche wirkten lustlos und debattiert wurde auch nicht wirklich. Wir sind nach 15 Min. gegangen. Gegen 16:20 waren wir wieder im Hotel und ruhten etwas. 18:00 sind wir alle ins Tibet Steak House und haben typisch tibetisch gegessen. Es war eigentlich ziemlich lecker, nur für meinen Geschmack manchmal etwas zu scharf. Und Tsampa war auch nicht so lecker, wie wir erwartet hatten. Nach dem Essen sind wir mit Inken, Bernhard und Horst zum großen Platz hinter dem Volkspark, von wo man einem fantastischen Frontalblick auf den Potala hat. Aber auch da wurde man durchleuchtet, es ist unglaublich. Die anderen stürzten über den Platz, um Josef und Georg zu suchen, die schon vorgegangen waren. Ich war total platt und gesellte mich zu einer Chinesin auf einer Bank. Beim Fotografieren störte mich noch die rote Fahne vorm Potala, doch auf einmal wurde sie heruntergenommen. Plötzlich war ein Militäraufmarsch mit Orchester zu hören und dann auch zu sehen...die chinesische Flagge wurde neu gehisst. Das ganze wiederholte sich drei mal! Hä? Um 08:10 dann ertönte drei mal ein lauter Gong und bunt beleuchtete Wasserspiele mit chinesischer Musik gingen los. Das war wirklich wunderschön. Kurz danach ging das Licht an...der Potala wurde imposant beleuchtet und wir fotografierten was das Zeug hält. ;) Dabei lernten wir noch ein holländisches Ehepaar kennen. Die Welt ist klein. Wieder zurück im Hotel sind wir einfach nur noch umgefallen. Der Potala allein hat schon für einen Tag gereicht, aber nö, es musste ja noch ein Kloster sein. Das Programm ist dermaßen voll gepackt, dass man am Tagesende (mittlerweile auch schon ab mittags) einfach nur noch tot ist. Bitte daher nicht wundern, dass die Beiträge nicht zeitnah kommen. Morgen gehts für 33 Std. in die Tibet-Bahn, da haben wir auch kein W-Lan. 

PS: Eve & Angie: eure Geburtstagsgrüße an Jana habe ich übermittelt. ;) Sie hat sich sehr gefreut.

Dienstag, 25. September 2012

Tag 9: Chongqing - Lhasa

Heute ist es soweit, wir fliegen in das geheimnisumwobene Tibet - unser persönlicher Höhepunkt der Reise. Auch viele andere in der Gruppe machen die Reise hauptsächlich wegen dem Abstecher zum "Dach der Welt". Seit dem 7. Jhd. ist das 3600 m hoch gelegene Lhasa Tibets Hauptstadt. Das Wahrzeichen der Stadt ist natürlich der Potala Palast, die frühere Residenz des Dalai Lama, bevor er 1959 nach Indien fliehen musste. Tibet umfasst rd. 1,2 Millionen Quadratkilometer und hat lediglich 2,8 Millionen Tibeter. Aber ich nehme ja schon einiges Vorweg...erstmal gab's natürlich Probleme bei der Anreise. ;) Nicht ganz pünktlich verließen wir 07:10 das Hotel per Bus Richtung Flughafen. 08:40 sollte der Flieger gehen, das fand ich ganz sportlich! Aber mit dem Check-In und der Sicherheitskontrolle lief alles reibungslos. Nur mein Deo wurde konfisziert, weil entflammbar. Wir mussten in zwei Gruppen durchgehen. Inken und Horst hatten ihr Tibet-Permit ja erst einen Tag vor Abreise erhalten und mussten daher extra gebucht werden. Da nach Tibet aber nur Gruppen ab 5 Personen einreisen dürfen, wurden Jana, ich, Georg und Lilo (boah, die haben wir ja gefressen) mit dazugeschrieben. Alles nicht so einfach. Boarding war pünktlich und wir hatten alle hervorragende Plätze, da die Maschine nicht ganz voll war. Wenn wir im Flugzeug jetzt halbwegs zusammen sitzen, wird die Stimmung immer ausgelassener. ;) 15 Minuten nach originärem Starttermin wurde es schon unruhig. Es endete damit, dass wir alle wieder aus der Maschine raus mussten. :(( Und ihr glaubt nicht, was das für einen Grund hatte. Der absolute Brüller!!! Der Kofferwagenfahrer ist mit samt beladenen Anhängern gegen die Turbine der Maschine gerauscht, sodass sie flugunfähig war. Sowas hat man doch mit Sicherheit noch nie erlebt. Hahaha, ein Knaller. Wir also raus, bei Starbucks einen Vanilla Latte geholt, ein bissel gesurft und dann den Gate gewechselt. Ich glaube es war gegen 10:45, als wir eine andere Sichuan Airlines Maschine betreten haben. Die Plätze blieben gleich und so hatte ich einen schönen Fensterplatz. Der Flug ging 2,5 Stunden. Oben gab's dann Reis mit Hühnchen. Noch gehts mit dem Reis, mal sehen, wann ich ihn nicht mehr sehen kann. ;) Der Landeanflug in Lhasa war schon spektakulär. Die Gebirgsketten drumherum sind schon bis zu 6000 m hoch und ganz weit hinten war der Himalaya zu erkennen! In Lhasa gelandet (gegenging es in ein paar kurzen Schritten vom Flugzeug direkt zum Gepäckband. Der Flughafen ist echt niedlich...so winzig. Eine Passkontrolle gab's merkwürdigerweise nicht nochmal. Dabei wollte ich doch einen Tibet-Stempel. :( Wir merkten sofort, dass die Luft dünn war und fast alle hatten einen sagenhaften Puls. Ich dachte mit springt das Herz aus dem Brustkorb. Man steht, wird wieder ruhiger, geht drei Schritte und bekommt Herzrasen. Krass, was nur 70% Sauerstoffgehalt ausmachen können. Unser örtlicher Reiseleiter Gelie (tibetisch: Glück) hängte jedem von uns einen langen weißen Schal, einen Hahda, als Begrüßung um den Hals. Das bringt Glück und Reinheit. Eine wunderschöne Geste. Ein Gruppenfoto folgte. ;) Wir haben auch erfahren, dass nur 12.000 Ausländer pro Jahr ins Land gelassen werden, Chinesen ausgenommen. Gerade in diesem Jahr sind sie echt streng. Eine Gruppe vor uns wurde die Einreise verweigert. Daher ist es also ein echtes Privileg, Tibet zu erleben. Wir freuen uns riesig. Die Fahrt vom Flughafen nach Lhasa dauerte eine Stunde und verging total schnell. Wir benutzten die einzige Autobahn Tibets (25 km lang und 2005 fertiggestellt) und einen 2,5 km langen Tunnel durch eine Bergkette, der erst letztes Jahr fertig gebaut wurde. Vorher müsste man oben drüber und brauchte daher drei Stunden nach Lhasa. Gut, dass wir jetzt erst hierher sind. ;) Unterwegs war die Landschaft schon atemberaubend schön. Unser Hotel "ThangKa" (tibetisch: Wandteppich) liegt mitten im Zentrum, sodass wir vom Bus abgesetzt wurden und 10 Min. zu Fuß laufen mussten. Die Koffer wurden gebracht. Diese paar hundert Meter, die wir gelaufen sind, haben uns total fertig gemacht. Das Herz raste, die Beine butterweich. Man kann es schlecht beschreiben. Vielleicht, wenn man eine wichtige Prüfung hat, von der viel abhängt und dazu noch etwas beschwipst ist...so ist in etwa das Gefühl. Später kommt dann noch Kater dazu, bei dem einem mehr, beim anderen weniger. Jana hat jetzt am Abend total erwischt. Ihr ist kotzübel und ihr Schädel dröhnt...trotz Medikamente. :( Ich habe bis auf das Herzrasen noch gar nichts. Komisch eigentlich. Sonst nehme ich doch immer alles mit. Nach der Ankunft gegen 15:00 hatten wir erstmal Ruhephase verordnet bekommen. Ich habe anderthalb Stündchen gedöst, Jana hat gelesen. 18:00 haben wir hier im Hotel gegessen und waren anschließend noch eine Weile auf der Dachterrasse. Was für ein Anblick! Wir können über ganz Lhasa schauen und direkt auf den Potala. Und ringsum die Gebirgsketten...der Wahnsinn!!! Seit ca. 20:00 sind wir jetzt auf dem Zimmer. Gerade ist es 22:40. Jana kann nicht schlafen, ihr geht's echt schlecht. Mal schauen, ob das bis morgen besser wird oder ich Shuwen rufen muss. Wir hoffen einfach das Beste! 

PS: Keine Sorgen, heute früh ist alles besser. ;)

Montag, 24. September 2012

Tag 8: Chongqing - Dazu - Chongqing

Nach einer wunderbaren, aber natürlich wieder zu kurzen Nacht, und einem sehr umfangreichen und guten Frühstücksbüffet, brachen wir 08:30 nach Dazu auf. Die Fahrt dauerte ca. 2,5 Stunden. Dazu ist bekannt für seine monumentalen und surrealen vom Konfuzianismus, Daoismus sowie indischen Trantra-Busshismus geprägten Felsskulpturen und ist Weltkulturerbe. Wir liefen noch ca. 1 km vom Busparkplatz zum Parkeingang und bekamen dort von Felix kleine Empfänger mit Ohrstöpsel. Er hatte ein Gerät mit Mikro und so konnten wir immer hören, was er sagt, egal ob wir in der Nähe standen oder nicht. Das ist schon richtig cool gewesen. Natürlich gab es wieder etliche Treppen runter zu den Höhlen und Felsausbuchtungen. War ja klar! Und für den extremen Muskelkater, den wir alle hatten, war das die reinste Wohltat, haha. Boah, die Waden schmerzten bis ins Unendliche. ;) Die höchst beeindruckenden in Stein gehauenen Bildnisse sind meist in Grün-, Blau-, Gold- oder Rottönen gehalten. Um Dazu herum gibt es Höhlen und Grotten mit rd. 50.000 Skulpturen. Wir waren in Baoding Shan, wo die Schönsten in 30 separaten Nischen stehen, die zw. 1179 und 1245 unter Aufsicht des Mönchs Zhao Zhifeng in die weichen Kalksteinwände einer etwa 8 m hohen Hufeisenschlucht namens Dafo Wan (Großes Buddha Knie) gemeißelt wurden. Geniale Exemplare waren z.B. der 15 m lange auf der Seite liegende Buddha, die drei 8 m hohen Weisen oder das Rad der Seelenwanderung. Das ist ein riesiger Dämon mit einer Scheibe, auf der die möglichen Stationen der Reinkarnation zu sehen sind (vom Buddha-Zustand bis hinunter zu den Tieren). Wir waren total beeindruckt. Der Buddhismus fasziniert mich eh schon lange und es ist die einzige Religion, mit der ich mich wahrscheinlich arrangieren könnte. Die Abbildungen waren einfach imposant und monumental. Mit Recht ist dieses Fleckchen Erde ein Weltkulturerbe! Ein unbedingtes Muss, wenn man nach China reist. Wir spazierten dann zurück Richtung Bus (natürlich wieder über zahlreiche Treppen nach oben *seufz*), wo wir in einem netten Restaurant beim Tourist Center zu Mittag aßen. Das Essen war wirklich sehr lecker, im Vergleich zu Longsheng. Wobei es da auch nicht schlecht war, sondern eher anders. Die Yao scheinen immer alles sehr ölig zu kochen und zu braten. Das ist für uns Deutsche eher gewöhnungsbedürftig. Beim Rauchen erzählte mir noch Beate (einzige Mitraucherin), dass sie und ihr Mann Peter die Reise mit dem Paar aus Berlin, Hartmut und Norma (eine Philippinerin) zusammengebucht hatten. Alle vier sind schon Rentner, Beate, eine Lehrerin, erst seit diesem Sommer. Der schwäbische Dialekt ist immer ganz lustig. Sie kennen sich bereits seit Studienzeiten. Man erfährt jeden Tag etwas Neues von der Gruppe, das ist ganz witzig. Auf dem Rückweg nach Chongqing stoppten wir noch auf der Strasse und fotografierten Massen an Nudeln, die zum Trocknen aufgehangen wurden. Ein leckeres Bild. ;) Zurück in der Stadt fuhren wir zum Volksplatz mit der 65 m hohen Rotunde, die Platz für 4200 Menschen bietet. Sie wurde 1954 als Erinnerung an Chongqings Rolle im 2. Weltkrieg errichtet. Diese ehemalige Kongresshalle ist Pekings Himmelstempel nachempfunden und dient heute hauptsächlich als Konzertsaal. Von 1937 bis 1945 war China nämlich von dem kleinen Japan besetzt und Chongqing diente in dieser Zeit als Hauptstadt. Gegenüber auf der anderen Seite des Platzes befindet sich auf der gleichen Achse das Chongqing-Museum. Auf dem Platz selbst wurde wieder chinesischer Line-Dance getanzt...das finde ich immer klasse. Danach fuhren wir noch an das Ufer des Jangtse und fotografierten irgend so einen komischen chinesischen Fachwerkneubau, der wieder extra für die Touristen hingesetzt wurde. Weit oben rechts war eine Höhle im Fels erkennbar, in der wohl früher Obdachlose lebten. Hm...keine Ahnung. Diesen Stopp fand ich äußerst bescheiden. Da hätte ich mir lieber den Chaotien Men angeschaut, das Kai-Areal an der Spitze der Halbinsel mit Aussichtsplattform auf das Flussdelta. Dort fließen der klarere Jialing und der trüb-braune gewaltige Jangtse zusammen. Und dort legen auch die riesigen Kreuzfahrtschiffe nach Südchina ab. Aber das ist eben der Nachteil einer Gruppenreise. Wieder beim Hotel (ca. 18:00) sind wir zusammen mit Inken, Horst und Bernhard in den Supermarkt gegenüber (ähnlich einem Real). Wir waren dort total überfordert...alles grell bunt und viel zu viel Zeug. Eine Attraktion waren wir auch. Ich wurde ständig von einer Chinesin verfolgt, die mich scheinbar nur angucken wollte...das ist schon skurril. Wir waren aber auch die einzigen "Weißen" weit und breit. Jeder Zweite musterte uns ungewöhnlich. Irgendwie war das unangenehm. Aber gut, wir wurschtelten uns jeweils allein durch die Gänge und trafen uns bei der Rolltreppe. Die Chinesin immer in der Nähe. ;) An der Kasse musste Jana nochmal zurück (die anderen drei hatten wir bereits an Anfang schon verloren), weil sie die Backwaren nicht gewogen hatte. Da gab's irgendwie alles einzeln und muss in Tüten gewogen und versiegelt werden. Ich wartete dann draußen auf sie...mit dieser kleinen Chinesin natürlich. Man wird nur angestarrt und im Chongqing-Zentrum gibt es wie gesagt 10 Millionen Einwohner! Ihr könnt euch denken (oder auch nicht), was vor dem Supermarkt los war. ;) Ab 19:00 relaxten wir dann auf dem Zimmer, aßen chinesische Knabbereien und genossen einfach mal die Ruhe. Ich ging später nochmal in die Lobby zum Blog abschicken, aber ansonsten war's das an dem Abend. Wir mussten ja früh raus. 05:30 war der Weckruf, 06:15 mussten die Koffer vor die Zimmertür und 06:50 war Abfahrt vom Hotel. Die Nacht war so oder so wieder zu kurz. ;)

Sonntag, 23. September 2012

Tag 7: Longsheng - Chongqing

Na was erwartete uns wohl...als hätten wir mal Glück mit dem Wetter, haha. Regen Regen Regen! :( Die Sichtweite betrug etwa 30m, wenn überhaupt. Die Einzigen, die es runter vor die Tür geschafft haben, waren Jana, Horst, Beate und ich. Wir standen etwas länger still da und sinnierten dann über den wunderschönen Sonnenaufgang, den es hier wohl manchmal geben soll. Dann gingen wir wieder hoch und ich schrieb weiter am Blog. Ich hänge hier ja ständig hinterher, weil man nie Zeit hat. Kurze Zeit später fing unten wildes Geschnatter an...die Korbträgerinnen waren schon da! 08:30 gab's Frühstück: fettig frittierten Eierkuchen mit einem Spiegelei, Nescafé aus der Tüte, komischen Tee und gebratenen Reisnudeln. Naja...es füllte erstmal den Magen. Danach war eine Fragerunde mit einer Yao-Frau. Wir konnten alles Mögliche fragen, war schon interessant. 10:45 sind wir zu sechst los. Meinhard, Renate, Josef, Bernhard, Jana und ich nahmen den alten Weg. Der andere sollte länger sein und man sah eh nichts wegen dem Nebel. Und die ganzen steinigen Treppen waren nass und teils schlammig. Unsere Yao-Trägerinnen begleiteten uns. Shuwen ging mit den anderen. Der Weg war steiler als ich ihn von gestern in Erinnerung hatte und ich konnte nicht mehr fassen, wie ich es da hoch geschafft habe. Das war das anstrengendste, was ich je gemacht habe (@Eve: Dunnotar Castle war ein Scheiss dagegen ;)). Wir schafften es aber alle heil wieder runter und kamen 11:35 an der Busstation an. Dann begann es zu regnen. Puh, mal Glück im Unglück gehabt. Eine halbe Stunde später trudelten die Ersten der anderen Gruppe ein. Als alle da waren und "harmoniert" hatten, ging es mit dem Chaosbus wieder die Serpentinen englang, aber auch das überlebten wir glücklicherweise. Wir aßen unterwegs an der Strasse in einem Restaurant zu Mittag. Das war ganz nett, direkt an einem großen Fluss. Zurück am Parkeingang (14:45) wartete schon der große Bus mit unseren Koffern auf uns, der uns zum Flughafen nach Guilin brachte. Da wir noch Zeit hatten, besuchten wir noch eine Teeplantage mit Shop und Verkostung. Wir probierten vier Teesorten und waren von dem Yao Mountain Tee so sehr angetan, dass wir welchen kaufen mussten. Unglaublich lecker! 17:30 erreichten wir den Flughafen und verabschiedeten uns von unserem Busfahrer mit jeweils 30 Yuan pro Person. Nach etwas Hickhack beim Einchecken ging ich noch eine Rauchen und dann passierten wir die Sicherheitskontrolle. Wieder total einfach, so kenne ich das einfach nicht. ;) Wir setzten uns in ein Restaurant und bestellten das erste Mal allein chinesisches Essen: Dumplings, Pumpkinbread und Fried Rice. War das vielleicht lecker!!! Wir waren ganz stolz. ;) Ey, die Dame hat nicht mal verstanden, was ich wollte, als ich eine Sprite bestellt habe. Die können hier nicht mal am Flughafen Englisch. Oder wollen nicht. Keine Ahnung. Bei sowas bin ich immer wieder froh, nicht allein nach China gereist zu sein. 20:00 trafen wir uns alle am Gate 11 wieder. Der Flug sollte 20:50 gehen, hatte aber eine halbe Std. Verspätung. Dann ging's los. Wir waren total platt. Longsheng hat uns alle fertig gemacht. Und leider wurden wir für die Strapazen nicht mal belohnt. :( Vom Flughafen in Chongqing dauerte es noch 40 Min. mit dem Bus zum Hotel. Felix (eigentlich Du Do oder so ähnlich), unserer örtlicher Reiseleiter, holte uns ab und verließ uns unterwegs aber wieder, weil er vom Hotel in Süd-Chongqing nicht mehr mit der U-Bahn nach Nord-Chongqing kam. Die fährt nämlich nur von 06:30 bis 22:00! Ja so ist das hier. Denkt daran, wenn ihr euch wieder über S- oder U-Bahn aufregt. ;) Chongqing ist wie gesagt laut Wikipedia die größte Stadt der Welt. Im Großraum leben 34 Millionen Einwohner, im Stadtzentrum 10 Millionen. Da fährt man schon mal eine Weile durch. Die Stadt liegt auf einer Halbinsel direkt am Jangtse, mit unzähligen Hochbrücken. Und ich meine "hoch". Ich glaube, sie waren noch höher als in Shanghai! Ansonsten ist Chongqing eine hässliche Industriestadt. Hier gibts zahlreiche Autowerke, z.B. Mazda, oder PC-Hersteller. Wobei der Absatz von Laptops schon zurückgeht. Daher wird gerade ein Apple-Zentrum gebaut. Die Verschiffung von Laptops kostet aktuell 6000 Euro pro Container. Die Stadt besteht wieder aus hunderten Hochhäusern, die wahnsinnig hässlich sind. Sie ist dunstig und voll mit Smog. Laut Reiseführer wird sie auch als Treibhaus Südchinas bezeichnet, aber ich glaube wir hatten bei Ankunft nur 19 Grad...herrlich! Problem ist nur immer diese Luftfeuchte. Im Hotel "LaFee Plaze" angekommen checkten wir in unserem Zimmer im 14. Stock ein. So ein 4-Sterne-Hotel wird nach einem Longsheng-Aufenthalt zum Luxustempel mit mindestens 6 Sternen. ;) Ich bin sofort unter die Dusche...grandios!!! Ich hatte das Gefühl, ich hab zwei Tage nach Puma gestunken. Komisch ist, dass wir eine Glaswand zwischen Dusche und Betten haben. Was machen die Chinesen denn nur? Komische Vorlieben sind das! Gott sei Dank gibt's ein Rollo...so sieht man wenigsten nur den Schatten, haha. Dann kamen die Koffer ewig nicht. Durch diesen "Trinkgeldterrorismus" (Zitat Josef) kann man die ja nie selbst mit hoch nehmen. Wir standen daher alle in unseren Türen auf dem Gang, schräg gegenüber Inken und Horst, gegenüber Josef und Bernhard, ein Stückchen weiter Meinhard und Renate. Echt blöd...ich wollte gerne wieder was anziehen. ;) Irgendwann kamen sie dann aber doch und wir machten uns bettfertig. 1:37 fiel die Klappe. Was für zwei Tage, ich spürte alle Knochen und Muskeln, die ich habe...was nichts gegen den Muskelkater am nächsten Tag war. ;) 

@Chrissi: danke für deine Mail, liebe Grüße zurück nach Bali und euch auch noch einen wunderschönen Urlaub!!! Da du nix aufschreibst, musst du dann wohl mündlich berichten. ;)) 

@Antje T.: schön, dass alles gut läuft. Liebe Grüße ans Team. 

@Andrea & Matti: eure Mail-Postfächer scheinen voll zu sein (kommt immer zurück), versuche jetzt mal die anderen Adressen. ;)

Tag 6: Yangshuo - Guilin - Longsheng

Nach dem Frühstück ging es gleich los zum Gemüse- und Fleischmarkt, ca. 10 Min. fußläufig vom Hotel entfernt. Man, wat war das voll dort. Wir hatten von 08:35 bis 09:15 Zeit selbst durchzuschlendern, Shuwen warnte uns aber schon gestern im Bus vor der Fleischhalle. Die Obst- und Gemüsehalle war sehr interessant...auch was die Gerüche angeht (würg). Dort gab es aber auch Reis und Gewürze. Faszinierend war teilweise die Größe von z.B. Möhren. Am Eingang der Fleischhalle überlegte ich kurz, ging dann aber doch nicht weiter, als ich am anderen Ende aufgehangene Fleischgerippe vom Hund hängen sah. Das Fleisch soll angeblich übrigens wie Büffelfleisch schmecken. Shuwen ist kein Hundefleisch und weiß daher nicht, ob es wirklich stimmt. Es werden auch nur bestimmte Rassen gegessen, andere sind ganz normale Haustiere. Als sie dann noch einen Käfig voller eng aneinander gequetschten Enten an mir vorbei karrten war es ganz vorbei, da bin ich dann raus. Einige erzählten dann noch, dass es weiter hinten viele lebende Tiere gab (so auch Hunde und Katzen), die dort vor Ort rasiert und geschlachtet werden. Also mal ehrlich...von mir aus kann ja jeder essen und trinken, was er will, aber bitte bitte kein vorheriges Gequäle der Tiere. Und kein Tier, sei es auch "nur" eine Ente, die auf so einem Markt Todesängste durchlebt, hat das verdient. Und der Mensch hat kein Recht dazu! Das gilt natürlich auch für Deutschlands Massentierhaltung. Ich denke da muss sich jedes Land an die Nase fassen. Sorry, ich reg mich schon wieder auf, also zurück zum Thema. Nach dem Marktbesuch wurden wir dort vom Bus abgeholt und unsere Fahrt nach Longsheng begann. Im Bus erzählte Shuwen wieder einige interessante Sachen, von denen ich mir nur nicht immer so viel merken kann. Zum Bsp. erklärte sie das Yin & Yang. Alles ist aufgeteilt. Die Pampelmuse gehört zum Yin, dem Weiblichen und eher schlechten Teil. Die Mango aber ist Yang, also männlich und gut (naja). Verstanden habe ich das Zuordnungsprinzip noch nicht. Man wird aber krank, wenn man beim Essen mehr Yin als Yang isst oder umgekehrt. ;) Beides muss immer im Gleichgewicht sein. Wir fuhren auch an einer Tigerfarm vorbei, in der es bereits über 1500 Tiger gibt. Ihr könnt euch denken, wofür so eine Farm ist. Tigerblut und Tigerknochen werden eben medizinische Vorteile nachgesagt. Unglaublich, dass sowas immer noch erlaubt ist, obwohl es doch eine gefährdete Rasse ist. Laut Shuwen gibt's dort auch weiße Bären (nein, keine Eisbären), aber was und wofür die sind, habe ich nicht verstanden. Muss das erstmal googeln. Man kann nur hoffen, dass die Generation, die noch an sowas glaubt und festhält irgendwann ausstirbt. Man merkt aber schon, dass ein Umdenken stattfindet, aber es braucht seine Zeit. Gleich hinter Yangshuo stoppten wir nochmal für ein schönes Karstkegelberge-Foto. Die Karstformationen entstehen übrigens durch Erosion des porösen alkalihaltigen Kalksteins hier in Südwestchina. Durch das feuchtwarme Klima und den sauren Regen verwittert alles noch schneller und daher gibt's hier Gegenden mit Tausenden dieser grandiosen Karstformationen. Das aus der Qin-Ära stammende Guilin ist bekannt für seine bis zu 200m hohen Karstkegel, die sich mitten über die Stadt ausbreiten Die Berge spiegelten sich im Wasser...sehr schön. Wir zogen das Programm von morgen vor und fuhren heute schon nach Guilin. Dort spazierten wir ca. 1 Stunde am See mit den zwei wunderschönen Pagoden Riyue Shuang Ta entlang und Shuwen erzählte wieder ein bisschen vom General, dem 800 Jahre alten Banyan-Baum, dem alten Südtor Gu Nan Men (einziger Überrest der alten Stadtmauer aus der Ming-Zeit) - aber das interessiert euch sicher nicht so. ;) Schade, dass wir nicht abends dort sind. Die Pagoden sollen laut Internet herrlich beleuchtet sein und am Ufer steppt der Bär. Chinesen tanzen unglaublich gerne auf der Strasse. In Shanghai haben wir Line-Dance und Tango und in Guilin einen Fächertanz gesehen. Von 12:45 bis 13:15 waren wir dann am Fubo Berg in Guilin. Der gelbgraue Fels ragt aus dem Fubo Shan Fluss (Seitenarm des Li) empor und wird auch wellenbesänftigender Berg genannt. Einige kraxelten rauf, andere blieben unten. Ich auch. ;) Ich spazierte mit Meinhard und Renate durch die Höhle und am Fuß des Bergs lang, der direkt am Li Fluss steht. Ich war etwas eher durch und setzte mich zu Shuweng. Keine Minute später kam schon ein Chinese und fing an einen Scherenschnitt von meinem Profil zu machen. Ich konnte ihn nicht aufhalten und wurde daher 10 Yuan los. Das Bild war dann aber der Renner und sowohl Jana als auch Andreas und Claudia ließen sich noch eins machen. Das Ergebnis war gar nicht so übel. 13:30 ging es weiter. Im Bus erzählte Shuwen dann noch vom Heiraten und der 1-Kind-Politik. Weiße Brautkleider bringen zum Bsp. Unglück, rote dagegen Glück. Ich habe in Guilin beides fotografieren können, also setzt sich diese Tradition wohl nicht unbedingt ganz strikt fort. Weiß ist aber generell nicht gern gesehen. Auf dem Land ist es sogar verpönt, mit weißen Schuhen zu einer Familie zu Besuch zu gehen. Mit der Familienplanung ist das auch nicht so einfach. Mit 28 Jahren gilt eine unverheiratete Frau als "übrige Frau", also eher unangesehen (wenn die wüssten, wie das bei uns ist). Allerdings sind diese Frauen auch meistens sehr gut gebildet wegen der langen Ausbildung und sehr wählerisch was den Ehemann angeht. So kommt es, dass auch erst sehr spät geheiratet wird. Wenn man dann ein Kind möchte, muss man zur Familienplanungsbehörde, um sich die Erlaubnis dafür zu holen. Erst wenn man das Schreiben mit Stempel hat, kann man das Kind in einem Krankenhaus bekommen. Macht man es unerlaubt oder bekommt illegal mehr Kinder, kann die Strafe bis zu 800.000 Yuan kosten, das ist aber abhängig vom Einkommen. Mehrlingsgeburten sind übrigens ausgenommen und völlig legal. Das wird aber auch missbraucht. Wenn man nämlich Beziehungen hat und einen Schein vom Krankenhaus über eine Zwillingsgeburt erhält, dann kann man sich noch ein zweites Kind "besorgen" oder daheim bekommen und bekommt dafür legale Ausweise. Dass das eine Kind dann 3 und das andere 5 ist, interessiert dann wohl niemanden mehr. Klingt komisch, ist aber so. Und wenn die Frau als 1. Kind schon einen Sohn hat, dann muss sie definitiv eine Strafe zahlen. Bei Mädchen macht man wohl oft Ausnahmen und genehmigt noch einen Sohn, damit der Stammbaum weiter geführt werden kann. Kann die Frau aber nicht zahlen, wird sie abgeführt und zu einer Abtreibungsstelle gebracht. Krass, oder? Geht sie damit zur Presse wird sie als Vaterlandsverräterin beschimpft. Ach und noch was interessantes: hier in China ist 8 eine Glückszahl. Nummernschilder mit Achten kosten z.B. extrem viel mehr als andere, da sie Reichtum bringen sollen. Die Zahl 4 hingegen bringt Pech, oftmals gibt es kein 4. Stockwerk in Hochhäusern (ähnlich unserer 13). 15:30 mussten wir in einen kleineren Bus umsteigen (vorher genossen wir die Harmoniehalle mit wohlriechenden Hocktoiletten), da von da an die Fahrt zu den Reisterrassen kostenpflichtig war. Die Fahrt war irre...schmale Strassen, tiefe Schluchten und kaum Leitplanken. Mir sackte mehrmals das Herz in die Hose. Ich hasse solche Serpentinen. Gegen 16:45 waren wir da und kamen kaum aus dem Bus. Vor der Tür drängelten sich die schwarz-pink gekleideten Frauen der Yao-Minderheit, die hier leben. Sie hielten alle Körbe nach oben, wo wir unsere Rucksäcke reintun sollten. Es gab eine richtig derbe Rangelei, bis der Busfahrer ein Machtwort sprach. Im Prinzip hatte man auch keine Wahl...man musste den Rucksack in einen Korb tun. Die laufen sonst solange hinterher und nerven auf chinesisch, bis man es freiwillig macht. Die meisten von uns mussten sie aber eh nicht lange bitten. ;) Das Gekraxel die Reisterrassen hoch war die Hölle! Der ganze Weg bestand eigentlich nur aus Treppenstufen, mal flach mal sehr hoch. Und der Anstieg war im 45 Grad Winkel. Ich kann's nicht weiter beschreiben, es war einfach nur schlimm. Wir kamen unterschiedlich an. Die Ersten 17:30, die Letzten (Shuwen und ich) 18:30. Ich war völlig durchnässt. Stellt euch einfach vor, ihr seid in einer Sauna auf dem Stepper...das ist wohl vergleichbar. Oben angekommen war es wie im tropischen Regenwald und es nieselte die ganze Zeit. Guilin hat es wettertechnisch nicht gut mit uns gemeint. Alles war vernebelt und feucht dunstig. Ich war völlig platt und wollte nur noch duschen. Der Gedanke wäre mir nicht gekommen, wenn ich das Zimmer vorher gesehen hätte. ;) Das 2-stöckige Guesthouse war einfach aus ein paar Brettern zusammengezimmert, nicht verputzt, verfugt oder der gleichen. Eigentlich hätten wir auch alle in einem Saal schlafen können, man hat eh alles über mehrere Zimmer hinweg verstanden. Das "Bad" bestand aus einer Lochtoilette, einem Waschbecken und einem Loch in der Wand, was wohl ein Fenster war. Die Dielen knarrten, als würde man gleich nach unten durchrauschen. Warmes Wasser hatten wir nicht. Beim Haare waschen ist mir fast die Kopfhaut gefroren...eisige Gebirgsbachkälte war das. Aber nur die Harten kommen in den Garten, wa? Kennen wir ja. Wartet auf die Fotos und dann schreibt mal, ob ihr dort genächtigt hattet, hihi. Nach einer Stunde gab's Abendbrot und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Schnecken gegessen...ganze zwei Stück, ist nicht so meins. Schnapps gab's auch wieder, von Horst spendiert. Dann war noch bis ca. Zehn plaudern angesagt. Mal draussen, mal drinnen. Das Klima war dann ganz angenehm. Vorm Haus war eine Betonterrasse mit zwei Tischen, um die wir saßen. Und davor direkt der Blick auf zahlreiche Reisterrassen, zumindest soviele wie der Nebel zuließ. 06:04 sollte Sonnenaufgang sein, also gingen wir alle relativ früh aufs Zimmer. Ich machte die ganze Nacht kein Auge zu. Entweder musste ich an Kakerlaken oder ähnliches denken oder es war so totenstill, dass es schon wieder gruselig war. Aber hauptsächlich war das Bett Schuld. Die "Matratze" bestand aus einer Art Holzpalette mit einer Latte in Steißbeinhöhe. Ihr könnt euch vorstellen, wie bequem das ist. Nicht mal 10 Minuten habe ich zusammenhängend geschlafen. Schade. 5:57 klingelte der Wecker. Und was uns dann erwartete war der Hammer...

Samstag, 22. September 2012

Tag 5: Yangshuo - Li Fluss - Yangshuo

Es ist gerade 07:10 und ich schreibe oben von den Reisterrassen. Eine grauenvolle Nacht liegt hinter mir, aber später dazu mehr, wenn Tag 7 kommt. ;) 07:45 klingelte das Telefon zum Wecken und 08:30 gab es auch hier in Yangshuo ein sehr gutes Frühstück, ähnlich dem in Shanghai. Unser Ai Yuan Hotel ist wie schon erwähnt ein ganz nettes Hotel, dass mitten auf der Weststraße steht und sogar eine Rooftop-Bar im 6. OG hat (eigentlich 5., aber die kennen hier kein EG). Im 5. OG befindet sich das Restaurant, in dem es das Frühstück gibt. Die Aussicht über einen Teil Yangshuo's mit den Karstkegeln ringsum muss bei guten Wetter ein Traum sein. Wir hatten natürlich seit dem Vortag Regen Regen Regen. Und dementsprechend natürlich auch viel Nebel und Dunst. :( 09:20 liefen wir durch den Regen zum Bus und fuhren zu einer chinesischen Schule in einem Dorf ca. 20 Min. entfernt. Die Kinder (zw. 6 und 9 Jahre alt) spielten gerade auf dem Schulhof und schauten uns ganz neugierig an. Der Direktor brachte erstmal Ordnung in den Sauhaufen...irgendwie erinnerte mich das alles stark an den früheren Fahnenappell zu Pionierzeiten. Kommunismus halt. Eine Lehrerin aus unserer Gruppe erzählte den Kindern etwas auf Deutsch und Shuwen übersetzte. Shuwen übrigens gleich Meng. In China wird der Nachname zuerst geschrieben, sodass wir dachten sie heißt Meng...gut, dass wir das an Tag 5 auch schon mitbekommen haben. ;) China Tours spendierte der Schule noch eine Kiste mit Bällen, Springseilen, usw., die wir quasi überreicht haben. Eine schöne Geste. Wir gingen noch mit in die Klassenzimmer und haben mit den Kindern ein Liedchen (Bruder Jakob) gesungen...zuerst wir auf Deutsch, dann sie auf Chinesisch. Wobei letzteres eher ein Brüllen und Schreien war. ;) 11:25 kamen wir dann mit dem Bus ab der Anlegestelle unserer Li-Bootstour an. Alle stürmten die Harmoniehalle, die ringsum aus ein paar Brettern und einem Loch in der Bodenmitte bestand. Wat willste machen...die Hocktoiletten sind leider noch sehr üblich hier. Wie beobachteten noch ein paar Wasserbüffel und 12:00 ging's los. Hatte ich schon den Regen erwähnt? Glaubt mal nicht, der hätte den ganzen Tag nachgelassen. Wir stoppten in einem 1000 Jahre altem Dorf auf einer Insel (angeblich) mit einem wirklich alten Tempel am Eingang. Der erinnerte mich fast ein bisschen an Angkor und auch die Bauweise des Dorfes ähnelte diesem Baustil. Wir gingen kurz den schlammigen Dorfweg entlang und Shuwen erzählte uns ein bisschen was über das Leben hier. Ich fand es aber eher langweilig und stinkig. Wir fuhren die gleiche Strecke zurück und nochmal ein Stück in die andere Richtung. Dort kamen dann ein paar wirklich schöne Karstkegel am Ufer zum Vorschein. Alles war im Nebel verschwunden. Wie toll muss es bei guten Wetter sein...etwas deprimierend war das schon. Eine der schönsten Landschaften der Welt und wir haben so ein Pech mit dem Wetter. :( Alles neblig, nass und schwülwarm. Wieder zurück in Yangshuo gingen Jana und ich zu einer Bäckerei, die Inken und Horst empfohlen hatten. Wow, da gab es vielleicht tolle Leckereien. Wir aßen Torte und ich nahm mir noch 2 Teilchen für später mit. Der Caramel Macchiato zog mir allerdings die Schuhe aus. Meine Güte, also Kaffee können die hier nicht machen. Kein Wunder, dass alle Tee trinken oder Starbucks hier so erfolgreich ist. Für alles zusammen bezahlte ich 45 Yuan. 15:10 waren wir wieder im Hotel. Jana hat ne Runde gedöst und ich Blog geschrieben. Um 17:00 gingen wir alle ins Restaurant 7th Heaven gegenüber, wo es u.a. Bierfisch gab. Das Lokal war total urig, so wie wir uns das gewünscht hatten. Später spendierte Shuwen noch Reisschnapps. Der kam natürlich gut an, besonders bei Josef, dem ich irgendwann die Flasche weggenommen habe. ;) Unser Tisch war wieder die typische Runde: Inken, Horst, Josef, Bernhard, Meinhard und Renate. Nur diesmal saßen noch Georg und Lilo mit am Tisch, die dekadenten Klugscheisser aus München. Nach dem Essen spazierten wir noch etwas durch die lebhaften Gassen und kauften Postkarten. Beim Hotel entdeckten wir dann einem Teich, wo sich noch nette Fotos machen ließen. Dann sind wir kurz aufs Zimmerklo (man versucht ja nie woanders zu gehen, weil's da nur Hocktoiletten gibt) und dann hoch auf die Dachterrasse. Tolle Aussicht mit halbwegs tollen Fotos. ;) Ich war dann noch in der Lobby im Internet und Jana Wasser einkaufen. Die anderen saßen in der Lobby und tranken noch was. Wir hatten keine Lust mehr und gingen 20:30 aufs Zimmer, den Rucksack für die Reisterrassen packen sowie Postkarten und Blog schreiben. 23:15 war das Licht aus. ;)

Freitag, 21. September 2012

Tag 4: Shanghai - Yangshuo

Heute mussten wir leider bereits 06:00 aufstehen und Duschen, der offizielle Weckruf (jeweils von Meng organisiert) erfolgte 06:30, weil es schon Punkt acht zum Wasserdorf losgehen sollte. Unterwegs erzählte Zhang wieder viele interessante und auch lustige Sachen. Er ist wirklich ein ganz toller Reiseleiter! Gleich nach der Stadtgrenze, die natürlich ewig weit entfernt war, gab es eine Mautstelle. Sowas scheint in China auch sehr beliebt zu sein, wir passierten noch mehrere. Pro km 1 Yuan. Das kann sich ganz schön summieren. Der Bus ist übrigens ein Großer, sodass wir fast alle zwei Sitze einnehmen konnten. Jana und ich saßen da aber noch vorne in der 1. Reihe nebeneinander, um mehr zu sehen (später in Guilin machten wir uns dann auch weiter hinten breit). Am Dorfrand angekommen besuchten die meisten erstmal die Harmonie-Halle (chinesisch: WC). ;) Dann ging's zu den Booten. Wir beide saßen mit Meng, Zhang und Bernhard in einem Boot. Die Fahrt dauerte nur knapp 10 Minuten, dann stiegen wir aus und spazierten durch total enge alte Gässchen mit allerlei Läden, Garküchen, Werkstätten, usw...es war urig und interessant. Wir haben dann bis 11:30 Freizeit gehabt. Jana und ich sind vor einem Stand mit chinesischen Süßspeisen versackt. Wir haben dank der geduldigen Verkäuferin erst alles durchprobiert und dann drei verschiedene Sachen gekauft. Wir haben eben überlegt, wie wir sie euch beschreiben können, aber uns fällt nix passendes ein. Seeeehr lecker jedenfalls. ;) Dann haben wir auf einer großen Steinbrücke Meinhard, Renate, Inken und Horst getroffen und uns dazu gesellt. Es war eine lustige Runde und eine Attraktion waren wir hellhaarigen Mädels auch. Junge Chinesinnen wollten unbedingt Fotos mit uns machen. Das ist schon irgendwie kurios. Nach ner ganzen Weile auf der Brücke sind wir dann zum Restaurant, dass uns Zhang vorher gezeigt hatte. Es war ein uriges Lokal, wir hatten unsere beiden Rund-Drehtische im 2. Stock. Es gab wie immer Reis, Chicken, Schweinefleisch, Suppe, irgendwas Frittiertes, Gemüse und für jeden ein Getränk. Für mich war diesmal nicht allzu viel dabei, daher hab ich mich hauptsächlich mit Reis und Gemüse begnügt. Gegessen wird übrigens vom 1. Tag an mit Stäbchen. Das kann beim Reis oder ganz kleinem glitschigen Gemüse schon mal nervig sein. ;) Nach dem Essen ging's zu Fuß zurück zum Bus und wir fuhren zum Pudong International Airport, wo wir gegen 14:15 aufschlugen. Mir ging's auf einmal durch und durch und ich raste gleich nach dem Check-In zur Harmonie-Halle. Die Sicherheitskontrolle war völlig unkompliziert und schnell. Wir hatten auf Grund des ganzen Kontrollwahns in der Stadt (bei der Hafenrundfahrt, im Bahnhof, im Jin Mao Tower) mit mehr gerechnet. Allerdings haben die Chinesen etwas gegen Feuerzeuge im Flugzeug, also musste ich meins abgeben. Der Weg zum Gate war lang. Shanghais Flughafen ist riesig. 15:25 war Boarding, ca. 16:00 Abflug. Diesmal hatten wir Glück. Obwohl die Maschine sehr voll war, hatten wir beide Gangplätze in der selben Reihe und neben uns den Sitz frei. Wir bekamen wieder gutes Essen und mehrmals Trinken, obwohl es nur ein kurzer Flug von 2:15 Stunden war. Gegen 18:15 verließen wir die Air China Maschine und holten unsere Koffer vom Band. Dann raus, Feuerzeug kaufen und Rauchen. ;) Jana besorgte erstmal Wasser. Meine Güte, was war das für ein Wetter. Total schwül! Nach 3 Schritten klebte schon alles an einem fest. Und der ganze Flughafen von Guilin blinkte. Ein wildes Lichtermeer in Form von farbwechselnden Lichterketten um das Flughafengebäude und davor bunt beleuchtete Palmen, ebenfalls mit wechselnden Farben. Und es regnete, d.h. alles spiegelte sich noch im Boden. ;) Mit dem Bus ging's dann ca. 90 Min. über teils unbefestigte Strassen bis nach Yangshuo, einer kleinen Stadt am Li Fluss inmitten der traumhaften Karstkegellandschaft. Der Bus konnte leider nicht vorm Hotel halten, weil es sich in einer Fußgängerzone befindet, sondern hielt zu Fuß ca. 10 Min. entfernt. Wir liefen das restliche Stück durch den Regen und kamen klatschnass am Hotel in der Weststrasse an. Sie ist in etwa mit der Khao San Road in Bangkok zu vergleichen. Grell, bunt, voll und laut. ;) Das Ai Yuan ist ein einfacheres Hotel, aber durchaus mit Flair. Wir nahmen unsere Zimmerkarte entgegen und machten uns erstmal kurz frisch. Wir warteten nicht auf unsere Koffer (das machen auf unserer ganzen Reise immer die Kofferträger, da es angeblich unhöflich ist, den Koffer selbst zu ziehen), und gingen nochmal vor die Tür. W-Lan gibt's wieder nur in der Lobby, also schickte ich den 2. Beitrag los, den ich mal wieder im Flugzeug verfasst hatte. Man kommt ja sonst zu nix. *hrmpf* Wir hatten dann keine Lust mehr umherzulaufen und setzten uns in ein Straßencafé nebenan. Ich bestellte chinesisches Bier (wie für mich gemacht) und Jana Tee. Etwas später gesellten sich Inken und Horst zu uns. Wieder etwas später verließ uns Inken und Josef kam dazu. Der Sepp war mal ein richtig grosser Bergsteiger und hat als Gymnasiallehrer für Physik und Mathe sogar die Huber-Brüder unterrichtet. Noch mehr später kam dann auch noch Bernhard, Josefs Sohn dazu. Es war ein netter plauschiger Abend, der erst 23:30 endete. Wie wir mitbekommen haben, hatten viele Probleme, das Visum bzw. Tibet-Permit zu bekommen. Horst und Inken wurden von der Botschaft in Hamburg sogar richtig derb schikaniert. Also einfach ist so eine Chinareise mit Tibet scheinbar wirklich nicht. 

Ach und noch zu euren Antwortmails. 
@Eve: die Gruppenreise ist an sich schon gewöhnungsbedürftig. Man ist immer gebunden. Das ist für mich schon eine Umstellung. Bisher gehts aber noch. ;) Kathrin kannst du die Mails übrigens ruhig weiterleiten oder schick mir mal ihre E-Mail-Addy, damit ich sie zukünftig mit rein nehme. 
@Angie: Online-Check-In war bei der Gruppenreise leider nicht möglich. :( Wir haben uns nicht nebeneinander gesetzt, weil wir so jeweils mehr Platz hatten. 
@Andrea: schön, dass du das Haus hütest und noch alles ok ist. Hoffe, es bleibt so. ;)

Donnerstag, 20. September 2012

Tag 3: Shanghai

Punkt 7:00 bekamen wir den Weckruf, duschten und gingen eine halbe Stunde später zum Frühstück. Das Frühstück war fantastisch. Ein riesiges Buffet mit allem, was das Herz begehrte. Wir probierten auch Dim Sum, diese gedünsteten Teigtaschen. Die sind wie ein Ü-Ei, jedes Mal gibt's ne andere Füllung. ;) Nur an die warmen Suppen, z.B. Miso, komme ich Morgens einfach nicht ran. 8:30 war Abfahrt zum Jin Mao Tower. Er ist aktuell der zweithöchste Turm der Skyline und steht direkt neben dem Flaschenöffner alias Financial Building (das mit dem gigantischen Fenster oben drin). Im Jin Mao gibt's im 89. Stock eine geschlossene Aussichtsplattform mit dem höchsten Postamt der Welt, von der 50. bis zur 88. Etage hat sich das Hyatt ausgebreitet. Es ist ein wirklich schönes Gebäude, gefiel mir sehr gut. Der Fahrstuhl nach oben soll angeblich der schnellste der Welt sein, aber das glaube ich nicht. Irgendwie behauptet das ja jeder Zweite von seinem Wolkenkratzer. Wir hatten 30 min. zum einmal rumgehen. Der Ausblick war sagenhaft, auch wenn es ziemlich diesig war, was auf die hohe Luftfeuchtigkeit zurückzuführen ist. Das Problem kenne ich aus Kuala Lumpur, als wir oben im Menara TV Tower waren. Viele Fotos wurden geschossen und ich habe meine ersten Postkarten inkl. Stamps gekauft. Anschließend fuhren wir zum berühmten Yu Garten in die Altstadt. Naja Altstadt...nicht wirklich. Die Chinesen haben fast alles dem Erdboden gleich gemacht und eine neue "Altstadt" für die Touristen erbaut. Ich weiß nicht warum...ist mir schleierhaft. Klar, die tempelartigen Gebäude sind schon toll, aber eben neu. Das ganze Flair ist mit dem Abriss verloren gegangen. Das Teehaus in der Mitte des Teichs, das über zwei Zick-Zack-Brücken zu erreichen ist, ist allerdings noch das Original und wunderschön. Die Brücken sind in China meistens mit Ecken oder Stufen versehen, da man glaubt, dass die kleinen bösen Geister nur geradeaus und auch nicht bergauf gehen können. ;) Wir spazierten ganz langsam durch den doch recht grossen, aber unglaublich idyllischen und beruhigenden Garten. Hier und da erzählte Zhang noch etwas und auch ein Gruppenfoto wurde wieder gemacht. Es war wirklich schön. Schon komisch, dass im Hintergrund ringsum die Hochhäuser hervorragen. Ein Kontrast zwischen alt und neu, den man sonst selten sieht. Ich habe natürlich entsprechende Fotos gemacht. ;) Nach einem Abstecher zu Starbucks (eiskalter Frappuchino) ging es zu einer Seidenspinnerei, die unweit unseres Hotels lag, bedeutete wir fuhren wieder die ganze Strecke zurück. Dort erklärte man uns dann, wie Seide gewonnen bzw. hergestellt und verarbeitet wird. Die Nina aus China machte das auch recht gut. Wir sind uns nur nicht sicher, ob sie wirklich Deutsch konnte oder den Text nur auswendig gelernt hat, da alles wie aus der Pistole geschossen runtergeleiert wurde. Natürlich war auch ein Shop hintendran. ;) Wir haben aber nichts gekauft, obwohl die Seidendecken echt verlockend weich waren und günstig dazu. Danach ging's wieder die ganze Strecke zurück zum Bund. Komische Organisation mit viel Zeitverlust durch das ewige hin und her fahren. Dort gab es dann direkt unter der Promenade den Food Court, wo wir zu Mittag gegessen haben. Das Essen war diesmal besser, die Atmosphäre auch, obwohls immer noch ein recht ungemütliches Lokal war. Wir gingen dann hoch zum Huang Pu Park, wo es wieder ein Gruppenfoto mit der Skyline von Pudong im Hintergrund gab. ;) Punkt 15:00 setzte uns dann der Bus am Volkspark ab. Jana und ich spurteten zur Metro, da der Jade Buddha Tempel 16:30 den letzten Einlass hatte. Der Ticketkauf und die Fahrt zur Shanghai Railway Station (dort lag unser Hotel) waren total unkompliziert, wer hätte das gedacht. Wir nahmen Ausgang 3, wie von Zhang empfohlen, und dann ging das Theater los. In weiter Ferne sahen wir das Logo vom Holiday Inn und gingen in diese Richtung. Es kam uns schon merkwürdig vor, da das Hotel laut Stadtplan direkt neben dem Bahnhof war. Hm. Wir liefen und liefen und liefen. Plötzlich ging's nur noch nach links, aber das Hotel war rechts. Und plötzlich waren auch die Gleise dazwischen. Hä? Wir also durch einen Tunnel, in dem etliches los war. Zahlreiche Flohmarktstände mit Klamotten, Technik und Gerümpel aller Art. Wir wurden sehr komisch angeguckt und die Unterführung war ziemlich lang und dunkel. Auf der anderen Seite liefen wir noch ein ganzes Stück und standen vorm Hotel...wir hatten aus der Entfernung nicht den Zusatz lesen können: Holiday Inn "Express"! Es war das falsche Hotel. :( Unseres war auf einmal auf genau der anderen Seite des Bahnhof zu sehen, also dort von wo wir kamen. Toll! Der Tunnel stand nicht mehr zur Debatte. Ich muss dazu sagen, dass ich schon seit dem Einstieg in die Metro aufs Klo musste! Wir liefen also wieder ne ganze Ecke und durchquerten den gesamten Bahnhof. Und Shanghai hat einen großen Bahnhof! Mit Sicherheitskontrolle und Durchleuchtung an jedem Eingang. Es war ein Fest...besonders wenn man mal "muss". Auf der anderen Seite sahen wir dann unser Hotel. Es war genau hinter der Metrostation! Ist das zu fassen? Unsere Füße brannten wie Feuer. Es war schwülheiss und dunstig. Ekelhaft! Wir also rein ins Hotel, aufs Klo und wieder los. Vor der Tür stand gerade ein Taxi - wir rein. Es war bereits 16:20. ;) Die rasante Fahrt war kurz und billig (20 Yuan, 2,50 Euro). Wir brauchten noch eine Weile, um den richtigen Eingang zu finden und die Kassiererin schien voll sauer auf uns zu sein weil wir so spät kamen und fauchte uns quasi an, als wir bezahlten. Im Tempel dann war es sehr schön. Mönche sangen gerade ein Gebet und wir hörten ehrfürchtig zu. Diese buddhistischen Tempel strahlen immer so viel Ruhe aus...unglaublich. Wir wurden von einem Angestellten umhergeführt und bestaunten die unzähligen goldenen Buddhas. Natürlich lotste er uns auch in einen Giftshop. Wir kauften wieder nichts. Den Jade Buddha schenkten wir uns, er sollte nochmal extra kosten. Stattdessen bekamen wir eine Postkarte mit ihm drauf. Wir nahmen dann ein Taxi zurück (sollte 14 Yuan kosten, wir haben wieder 20 hingegeben) und ruhten uns von 17:15 bis 19:30 aus. Nach dem Absenden des 1. Beitrags in der Lobby (nur da gab's W-Lan) fuhren wir mit Georg und Liselotte, die wir zufällig in der Lobby getroffen haben, mit der Metro zur Station East Nanjing Road. Von dort wollten wir zum Bund laufen. Mir kam es schon kurz nach dem Aussteigen so vor, als liefen wir in die falsche Richtung, aber Jana meinte Georg hat in seinen Tablet-PC-Stadtplan geschaut und weiß, wo es langgeht. Natürlich wusste er es nicht! Wir liefen die gesamte Nanjing Road entlang und erst beim Volkspark stellten dann alle fest, dass wir falsch sind. Ich hatte keine Lust, diese massenbefüllte Strasse nochmal zu durchqueren, also trennten wir uns und gingen die Parallelstrasse lang. Die Füße brannten und wir hatten Hunger!!! Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir am Bund an und schossen noch etliche Fotos von der beleuchteten Skyline und dem Bund. Und ob ihr es glaubt oder nicht, weit und breit gab es nichts zu Essen, sogar unser Restaurant vom Mittag war schon zu, obwohl es erst 22:00 war. Frustriert nahmen wir ein Taxi zum Hotel zurück. War das eine Fahrt!!! Der Fahrer hatte wieder eine total aggressive Fahrweise und pöbelte sogar die anderen Autos an. Wir pöbelten einfach mit! Man muss es mal erlebt haben. ;) Wir zahlten nur 23 Yuan, ein Wahnsinnspreis! McDonalds rief schon ganz laut zu uns als wir ausstiegen und wir gehorchten natürlich. Eine "kleine" Kakerlake kreuzte unseren Weg und so konnte sich Jana auch mal ein Bild von diesen asiatischen Haustieren machen. ;) Danach ging's noch kurz in einen Supermarkt und dann aufs Zimmer. Halb zwölf war das Licht aus. Ich merke schon...mit dem "kurz fassen" klappt das richtig gut. ;)

Mittwoch, 19. September 2012

Tag 2: Shanghai

Ohje, wo soll ich anfangen. Das Programm ist so straff, dass ich in den letzten zwei Tagen keine Zeit hatte, etwas aufzuschreiben. Ich versuche mal mein Hirn anzustrengen und mich bestmöglich zu erinnern. Aber ich muss mich mal kürzer halten, die kleinen iPhone-Tasten machen mich irre. Also gelandet sind wir gegen 13:05 Ortszeit. Wir holten unsere Koffer und erstmal jeder 1500 Yuan (geteilt durch 8 ergibt Euro). Am Zollausgang erwarteten uns Meng, unsere ständige Reiseleiterin, und Zhang, unser örtlicher Reiseleiter in Shanghai. Der Großteil unserer Truppe war schon da. Wir sind 18 Traveller plus Reiseleiter und eigentlich ganz gut gemischt: ein Pärchen unseren Alters (Namen noch unbekannt), zwei Pärchen um die 45 (Andreas & Claudia, Georg & Liselotte), 3 Pärchen des silbernen Rangs (Meinhard & Renate, Rest noch unbekannt), ein Opa mit seiner Enkelin (23, Horst & Inken) und ein Vater mit seinem Sohn (24, Josef & Bernhard). Bisher waren alle nett, die einigen mehr, die anderen weniger und auch wenn es einige nicht hören wollen...der Sympathie-Grad zwischen Ost- und Westdeutschen schwankt teilweise erheblich. Ausnahmen gibts natürlich. Wir haben uns alle kurz Hallo gesagt (eher unpersönlich, keine Vorstellungsrunde oder so) und haben dann die Koffer zum Bus gebracht. Danach sind wir zum Transrapid, der berühmte Hochgeschwindigkeitszug, der in 8 Minuten vom Airport nach Downtown fährt. Zu bestimmten Zeiten fährt er 400 km/h, bei uns 301. ;) Laut Zhang ein superlativ, dass wir natürlich fotografieren sollten, um damit zu Hause anzugeben. Naja. Schöner schneller Zug, aber eben nur ein Zug. Und immerhin von Deutschen erbaut. Qualität halt. ;) Wir merkten schnell, dass Zhang (vielleicht Mitte 20) einen Schalk im Nacken hat und daher folgte oft ein Scherz dem nächsten, insbesondere was die wahnsinnig tollen besseren größeren schnelleren Sachen in Shanghai oder China im Gegensatz zum Rest der Welt anging. ;) Mit dem Bus fuhren wir dann zum Hotel und bekamen einen ersten Blick auf Shanghai...oh man! Wie soll ich diese Stadt beschreiben? Erstmal Fakten: 120 km breit, 125 km lang (das ist fünf mal soviel wie Berlin), 23 Millionen Einwohner und allein im Stadtteil Pudong gibt es 700(!!!) Wolkenkratzer. Das sagt schon viel aus. Der Spitzname der Stadt ist auch "Betonwald", ziemlich treffend wie ich finde. Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. So etwas haben wir noch nie gesehen!!! Wo man hinblickt Hochhäuser und Wolkenkratzer...kilometerweit. Dazwischen ganz klein ab und zu ein paar winzige Altstadt-Gassen mit alten Häusern, die laut Zhang aber immer weniger werden und bald gänzlich verschwunden sind. Eigentlich traurig. Aber in den alten Häusern sind die Wohnverhältnisse sehr schlecht: mehrere Familien auf engstem Raum. Die Bewohner warten regelrecht auf die Zwangsumsiedelung. Zu erwähnen wären auch noch die Strassen und der Fahrstil der Shanghaier. Es gibt in Shanghai unglaublich viele Hochstraßen. Es ist wie in einem Science-Fiction-Streifen. Teilweise bis zu 5-stöckige Straßenkreuzungen!!! Mehrere Autobahnen übereinander! Und zwar richtig weit oben! Wie gesagt, man muss es einfach gesehen haben. Und dann der Verkehr...unbelievable. Ich habe ja schon viele irre Fahrer erlebt, allen voran die Kambodschaner mit ihren Mofas oder die Franzosen. Aber was die Shanghaier abliefern geht auf keine Kuhhaut. Ein wildes hin und her Gewechsel auf den Spuren und Hupen am laufenden Band. Kein Auto bleibt länger als ein paar Minuten auf seiner Spur. So einen aggressiven Fahrstil hat man noch nicht erlebt. Wir haben es am nächsten Tag noch bei einer Taxifahrt live miterlebt...ich sach euch, eieiei. Und das alles immer in luftigen Höhen mit Massen an Autos. Shanghai hat eine Nummernschildpolitik, um die Autoverkäufe zu verlangsamen, das bedeutet, dass die Kosten für ein Nummernschild manchmal sogar hoher sein können als das Auto selbst. Komisch, aber notwendig. Man kann sich wohl vorstellen, wie es wäre, wenn nur die Hälfte der 23 Millionen Einwohner ein Auto hätte. Ein Auto zu haben gilt hier daher immer noch als Zeichen des Wohlstands. Wow, da sind wir mit unseren zwei Autos richtig reich. ;) Aber zurück zum Hotel. Wir haben im Holiday Inn Downtown eingecheckt (3 Metro-Stationen vom Volksplatz, 4 vom Bund), also ziemlich zentral. Das 4-Sterne-Hotel war gut, die Zimmer ausreichend und weitestgehend sauber. Man hatte alles, was man braucht. Wir hatten Pause von 15:30 bis 17:30 und fuhren dann mit dem Bus in das Golden River Hotel, in dem es ein angeblich gutes Restaurant geben sollte. Naja, vom Essen waren wir alle nicht sooo begeistert, aber es war ok. Die Atmosphäre allerdings war zum Brechen. Die Kellner hatten alle Walkie Talkies, aus denen furchtbar laute Stimmen drangen. Sauber war's auch nicht wirklich. Es war wie in einer Abfertigungshalle am Flughafen oder auf dem Bahnhof. Von Gemütlichkeit keine Spur. Erste Gespräche bahnten sich innerhalb der Gruppe an, so langsam kenne ich auch fast alle mit Namen. ;) Aber wir hätten uns für das erste gemeinsame Essen etwas persönlicheres und urigeres gewünscht. Nach dem Essen fuhren wir zum Hafen am Bund, wo 19:30 unsere Lichterfahrt auf dem Huang Pu River startete. Das Boot war sehr überfüllt, aber das konnte unsere Stimmung nur wenig trüben. Diese funkelnde Skyline war einfach der Hammer. Dieses unwirkliche Gefühl des Glücks, in Shanghai zu sein, überkam uns wie ein plötzlicher Schauer. Wahnsinn! Dieses Lichtermeer, dass sich im Fluss spiegelt, diese gigantischen faszinierenden Türme, wie der Oriental Pearl Tower, der Jin Mao Tower oder das Financial Building (auch "Flaschenöffner" genannt und aktuell höchstes Gebäude in Shanghai), sind einfach beeindruckend und architektonisch grandios. Rechts am Ufer das Stadtteil Pudong mit seinen 700 Wolkenkratzern und links der Bund mit seinen zahlreichen wunderschönen und herrlich beleuchteten Gebäuden aus der Kolonialzeit...gegensätzlicher kann eine Stadt wohl kaum sein. Anschließend fuhren wir mit dem Bus zur nahen Nanjing Road, der In-Einkaufsmeile schlechthin. Mir taten die Augen weh vom vielen Bling Bling. Man stelle sich einfach den New Yorker Times Square auf einer Länge von 1,2 km vor und man weiß, wie diese Strasse im Dunkeln aussieht. ;) Nach 15 Minuten umher spazieren ging's mit dem Bus zum Concession-Viertel, ein französisches Viertel aus der Zeit der Konzession Frankreichs, von dem leider nur noch ein paar kleine Gässchen übrig geblieben sind. Dort gab es auch einen Paulaner Biergarten, der (natürlich) sehr beliebt zu sein schien. Die Gassen waren sehr hübsch, aber inzwischen ist alles viel zu touristisch. Sehr schade! Gegen 22:15 waren wir wieder im Hotel. Man, was waren wir breit. Ich war zu dem Zeitpunkt bereits mehr als 32 Stunden auf den Beinen, völlig irre. Der Weckruf sollte am nächsten Tag 7:30 erfolgen, also fackelten wir nicht lange und gingen schlafen. Wir hatten zwei Queen Beds, sehr angenehm zum ausbreiten. ;) Ich glaube es dauerte keine 10 Minuten und ich war im Tiefschlaf.

Dienstag, 18. September 2012

Tag 1: Berlin - Shanghai

Da die chinesische Regierung etwas gegen meinen Bloganbieter zu haben scheint, kommen die Einträge per E-Mail. ;) Kommentare bitte auch per E-Mail, ich kopiere dann später alles in den Blog. ;) 

Sowas glaubt mir doch langsam niemand mehr! Unsere Anreise war schon wieder eine Farce. Eigentlich fing es gut an. Der Bus vor der Haustür kam pünktlich, die S-Bahn sowie die Anschluss-S-Bahn kam gleich (ja sowas gibts noch) und der ICE startete auch auf die Minute. Beim Umsteigen in Hannover wurde es allerdings schon etwas holprig. Wir waren zwar pünktlich dort und hatten noch 13 Minuten Zeit, um das Gleis zu wechseln, aber der ICE vor unserem wollte erst nicht weichen. Wir hatten letztendlich aber nur ca. 5 Min. Verspätung. Leider war das auch der Übeltäter, der später alles aufhielt. Bis Kassel-Wilhemshöhe war alles schick, aber da fuhren wir dann plötzlich nicht weiter. Der ICE vor uns hat ein Notrufsignal abgesandt, es gab wohl Personenschaden. Auf unbestimmte Zeit sollte nichts mehr gehen. Schock! Und nu? Wir hatten nur noch 3,5 Std. bis zum Abflug. Also wir raus aus dem Zug und zu der Traube von Schaffnern und Zugbegleitern hin. Wir ihm erzählt, dass wir den Flug nach China bekommen müssen und er so: "Da waren schon mehrere hier, die dorthin wollen. Gibt's da was Besonderes?". ;) Der Zug kam aus Hamburg und dort ist ja der Sitz von China Tours, war also gut möglich, dass das Teile unserer Reisegruppe waren. Na egal, jedenfalls meinte er es könne so 1,5 Std. dauern, aber eigentlich wusste er och nix. *hrmpf* Er erwähnte noch, dass wohl welche zu Sixt sind, um mit einem Mietwagen weiterzufahren. Gar keine üble Idee, dachten wir uns. Ja, haben wir uns so gedacht. Unser Plan: zum Infoschalter und Verspätung bestätigen lassen und dann mal zu den Taxis gucken. Natürlich alles im Eiltempo. Schalter war gleich gestrichen...die Idee hatten noch ein "paar" andere. Die Taxifahrer waren uns alle zu unheimlich, also sind wir doch zu Sixt. Auf halbem Weg fiel mir ein, dass ich doch gar keinen Führerschein bei mir habe...hatte ja nicht vor, in China Auto zu fahren. Hm, also doch Taxi. Es war schwer einen Deutschen zu finden...wir dachten, der handelt weniger. ;) Wir fanden ihn: so breit wie groß! Er fing ne wilde Rechnerei an - war nicht seine Stärke - und wir kamen dann auf 200 Euro. Na gut, was blieb uns übrig? Flug verpassen? Oh man, das schmerzte vielleicht. :( Ich hievte also die Koffer ins Auto (eh er so aus dem Auto kam...) und los ging's erstmal zur City-Toilette (Jana) und zum Geldautomat (autsch). So, unser ostdeutscher, ehemals reicher, in Koblenz lebender, von der Frau ausgenommener und in Kassel gestrandeter Taxifahrer war eigentlich ganz nett. Er hat letztes Jahr mit 47 sein großes Liebesglück gefunden. ;) Aha, süß! Er kennt sich aus, sagte er mehrmals. Hm, wer weiß das schon. Wir nicht! Wir fahren da ja nie rum. Es ging erst auf ein Stück Autobahn, dann Landstraße, dann kam laaaange nix und dann eine Schnellstraße. Man muss dazu sagen, dass der Mann echt kein Auto fahren kann. Ständig tippte er mittendrin auf die Bremse und zwar ohne ersichtlichen Grund. Jana lief langsam grün an, so ganz koscher war mir auch nicht. Er plauderte noch ein bisschen über sein Erdgas betriebenes Auto und wie günstig ihm doch die Fahrt kommt. Man fasst es nicht. Erzählt er uns doch, dass ihm die Fahrt pro Strecke mit Erdgas nur 15 Euro kostet und knöpft uns 200 ab. Und betont dabei noch, dass er uns nur wegen dem Erdgas die Fahrt "sooo günstig" anbieten konnte. Hahaha. Arsch! Aber gut, nach dem Fachgeplänkel war plötzlich Stau. Ich konnte es nicht glauben. Was denn noch alles? Er war jedenfalls mutig und fuhr auf dem Standstreifen weiter, nur deswegen hat er dann noch Trinkgeld bekommen. Kurzzeitig dachte ich, alles wäre verloren, aber dann ging's plötzlich wieder flotter voran. Und ei ti tei waren wir 18:45 Uhr am Terminal B gelandet. Wer hätte das gedacht. Unser Mann am Steuer stellte uns ne Quittung über 360,20 Euro aus...sollte ja keiner was von seinem "Sonder-Sonderangebot" erfahren. Tze. Besonders glücklich erschien er über 10 Euro Trinkgeld auch nicht zu sein. Hat er davon. Warum erzählt er auch, wieviel ihn die Fahrt wirklich kostet. Wir also sofort zum Check-In...wir waren natürlich die Letzten und bekamen daher Arschsitze. :( Dann auf zur Sicherheitskontrolle. Ging mal alles reibungslos. Ja unglaublich, oder? Und dann the next Hammer: Flieger hat 45 Min. Verspätung. Na klasse. Ich hab schon wieder mit dem Schlimmsten gerechnet und erstmal noch zwei Zigaretten in der Camel Raucher Lounge weggeknastert. Dann haben wir Leute unserer Reisegruppe beobachtet (uns aber nicht zu erkennen gegeben, uns war grad nicht nach reden) bzw. ich hab gefacebooked. ;) Es blieb glücklicherweise bei 40 Minuten. Aktuell schreibe ich übrigens aus dem Flugzeug...gefangen in der Hölle!!! KEIN eigenes Bordprogramm! Der Monitor befindet sich 4 Reihen vor mir und genau hinter mir (toll!). Es läuft gerade "Abenteuer Survival" mit Bear Grylls, natürlich eine Folge die ich schon kenne. *seufz* Ich sitze in der Mitte von der Mitte (Airbus A340 mit 2:4:2 Bestuhlung) - was für ein scheiss Sitz! Glücklicherweise ist der andere Mittelsitz rechts neben mir frei. Links direkt neben mir eine Kranke, die mich ständig anhustet, und rechts einen Sitz weiter ein Proll-Chinese im Nadelstreifenanzug. Ey, zu lesen, dass die immer den Rotz hochziehen, ist eine Sache, aber es ständig in einer ekelhaften Lautstärke zu hören, die andere. Ich hab eben schon gewürgt. :( Das ist ja kein normales Hochziehen, sondern das geht bis in den Rachen...wahrscheinlich zum Unterschlucken. Bäh! Ich hab mir erstmal verpönter Weise die Nase geschnäuzt. ;) Aber es gibt auch was positives. Das Abendessen eben war nicht schlecht. Angekündigt waren zwar als Vor- und Nachspeise bayrischer (natürlich! Chinesen!) Kartoffelsalat mit Black Tiger Garnelen sowie Blaubeerquarkschnitte - gegeben hat es Weisskrautsalat mit 3 Lachsstreifen und Mandarinenquarkschnitte. Aber es war trotzdem lecker. Dazu noch Brötchen mit Butter und als Hauptgericht gegrillter Fisch mit scharfsaurer Soße und Reis oder Hähnchenfilet mit cremiger Polenta und Ratatouille. Ich entschied mich für letzteres und war damit gut bedient. Nur die Polenta blieb übrig. Dazu Tee, Tomatensaft (selbstverständlich!) und Wasser. ... Oh man! Ca. 20:40 sind wir gestartet, nach chinesischer Zeit also 2:40 (die sind uns 6 Std. voraus). Ich konnte von 4:30 bis 8:45 relativ oft wegnicken, aber nun scheint es vorbei zu sein. Es sind aber immer noch 4 Std., verdammt. 13:05 sollen wir landen. Nicht mal Leute beobachten ist, weil alle pennen. Nur Jana auch nicht, die übrigens 3 Reihen vor mir sitzt...gleiche Sitzkonstellation, in der Mitte von der Mitte mit einem Sitz daneben frei. Wir warten jetzt aufs Frühstück, dass 2 Std. vor Landung serviert wird. Ich schreib dann nochmal, was es gab. ;) ... Also geben sollte es: tropischen Fruchtcocktail (einfacher Obstsalat) und Kirschjoghurt als Vorspeise, gebratenen Reis mit Erbsen, Karotten, Mais und Schwein Sa Cha bzw. Kaiserschmarren mit Vanillesoße und Mandelblättchen als Hauptspeise und als Beilage Brötchen mit Butter. Ich nahm den Kaiserschmarren. War ok, natürlich nicht wie im Original. Lustig ist, dass die chinesischen Stewardessen es nicht aussprechen können und daher Pancake nennen. Naja, ist auch fast das gleiche. ;) Mein Nachbar schmatzte wieder auf Teufel komm raus...also ob ich mich daran gewöhnen kann? Das "Hochziehen" vom Proll und der Husten von links waren auch beim Frühstück wieder sehr angenehm. In 40 Min. müssten wir gelandet sein, daher melde ich mich hier erstmal ab.

Samstag, 15. September 2012

China - wir kommen!

Keine 24 Stunden mehr und wir sitzen im Flieger nach Shanghai. Da es sich bei uns schon auf 15 Grad abgekühlt hat (heute Morgen waren es sogar nur 7!), wird es mal wieder ein Temperaturschock. Dort sollen es sonnige 27 Grad im Schatten sein. 12:37 Uhr geht unser Zug vom Ostbahnhof, 20:00 Uhr soll von Frankfurt der Flieger starten...ein Airbus 340. Wenn alles glatt geht (und ich bete, dass es das endlich mal tut!), dann landen wir 12:55 Uhr Ortszeit am 17.09. auf dem Pudong International Airport. Hauptsache sowohl die S-Bahn als auch die Deutsche Bahn sind halbwegs pünktlich...haha, allein das ist ja schon eine Wunschvorstellung. Aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben und ich hoffe immer wieder aufs Neue, dass mal nichts schief läuft. ;)
So, heute war ich noch ein "bisschen" was einkaufen. Meine Stationen: Rossmann, Bon Prix, Tabakladen, Saturn, Apotheke, MäcGeiz und dann...Geldautomat. *seufz* Die Urlaubskasse ist um 130,-€ leichter geworden, verdammt. Aber jetzt ist der Koffer fertig gepackt: 10,5 Kilo Inhalt, 4 Kilo Eigengewicht. Da sollten rückwärts noch ein paar Souvenire drin sein. ;) Ich habe so gar keine Idee, was typisch chinesische Mitbringsel sein könnten. Tibetischen Schmuck oder aber auch eine nette bunte Yak-Wollmütze müsste es doch aber geben, angesichts der Tatsache, dass es dort dann wieder nur maximal 15 Grad sein werden. Wir hoffen immer noch, keine Probleme mit der Höhe zu bekommen. Leider kann man das vorher nicht im Entferntesten abschätzen. Wir haben dort Höhen bis zu 5072m (Scheitelpunkt der Lhasa-Bahn). Der höchste Bahnhof der Welt mit 5068m oder auch der Yamdrok See mit 4800m sind da echte Herausforderungen. Dagegen erscheint Lhasa mit 3650m fast niedrig. Allerdings ist das unsere erste Station nach dem Ausstieg aus dem Flieger und dann heißt es: hop oder top. ;)
Und nun bleibt mir erstmal nur zu hoffen, dass wir gut und pünktlich in Shanghai ankommen und ich dann die kommenden Tage mal W-Lan habe, um den Blog zu schreiben. Falls nicht, werde ich Notizen machen und die Beiträge später online stellen. Bleibt bis dahin gesund und fröhlich.

LG Rena

PS: Mutti, falls du das irgendwie mal lesen kannst...passt in Albanien gut auf euch (und auf euren fahrbaren Untersatz :o)) auf!!!