Jana's Kopfschmerzen und die Übelkeit sind weg, aber wir sind beide total
matschig. Es ist gerade 7:10, um acht sollen wir erst geweckt werden. Aber
Schlafen geht nicht mehr. Man fühlt sich total ausgetrocknet...Nase, Augen,
Mund. Und ich habe das Gefühl, bei mir kommt jetzt ein leichtes Kopfdrücken.
Hoffentlich bleibt es dabei und wird nicht schlimmer. Heute stehen der Potala
Palast und das Sera Kloster auf dem Plan. 09:30 ist Abfahrt. Der Potala gilt als
größter Bau Tibets und steht auf dem höchsten Punkt Lhasas, dem Marpo Hügel. Er
hat 13 Stockwerke und über 2000 Zimmer. Der ursprüngliche Palast entstand 631,
wurde aber später noch durch den weissen Palast (1645) und den roten Palast
(1693) ergänzt. Gelie erzählte auch was von 300 (oder 500?) Stufen...da höre ich
gar nicht mehr zu. Meine Waden schmerzen immer noch. :( Der Aufstieg wird
jedenfalls sehr anstrengend, weil man nach ein paar Schritten Herzrasen bekommt.
Ich versuche es ganz langsam. Das Sera Kloster entstand 1419 durch Schüler des
Gelugpa (Gelbmützen-) Ordens und war für seine kriegerischen Mönche, die Dob-Doa
berühmt. Einst lebten hier 5000 Mönche, heute nur noch 500. Auf dem
Versammlungshof finden oft laute und derbe Debatten der Mönche statt, die heute
wohl nur noch für die Touristen gemacht werden. Faszinierend sollen sie aber
trotzdem sein. Lassen wir uns mal überraschen. Jetzt gehen wir erstmal
frühstücken.
...
Nun haben wir schon den nächsten Tag und ich sitze auf einer Mauer im Drepung
Kloster...man versucht mich gerade mit Weihrauch auszuräuchern und so ein
kleiner tibetischer Fratz tatscht ständig meine Hose dreckig.
Also wie gesagt waren wir gestern im Potala. Der Aufstieg war der Horror! Lange
nicht so schlimm wie Longsheng, aber trotzdem ganz übel. Zwischenzeitlich dachte
ich, ich kippe um. Diese dünne Luft ist irre. Tja was soll ich zum Potala
schreiben. Wenn man unten am Fuß des Palasts steht, kann man es nicht glauben.
So ein gewaltiges Gebäude hat man noch nie gesehen. Er ist faszinierend,
imposant und atemberaubend schön. Unten gibt es einen Pilgerweg einmal um den
Potala herum mit hunderten goldenen Gebetsmühlen. Ca. 40 haben wir auch gedreht,
aber dann war's auch gut. ;) Ab Eingang zum weißen Palast war fotografieren
verboten, daher kann ich euch keine Fotos bieten. Es ist sagenhaft. Alles sehr
dunkel mit Yak-Butter-Kerzen, aber immer kunterbunt. Die Tibeter sind so
farbenfroh, dass ist einfach herrlich und macht gute Laune. Wenn nur diese
Treppen nicht immer wären. Die sind ja auch nicht normal, sondern immer schmal
und hoch. Das nervt echt! Innen sind wir durch zahlreiche Räume, ich habe sie
nicht gezählt. Groß, klein, winzige enge Gänge, kleine Kapellen...alles war
dabei. Beeindruckend war u.a. die große Halle mit dem Thron des 5. Dalai Lama.
Ich möchte fast behaupten, dass es die aus "Sieben Jahre in Tibet" war. Oder die
Stupa's der ehemaligen Dalai Lamas...immer reich verziert mit viel Gold. Den 5.
müssen sie echt geliebt haben, da es die größte Stupa war und für sie fast 3700
kg Gold verarbeitet wurde. Der 12. liegt da wohl auch mit drin. Wie das mit dem
aktuellem Dalai Lama wird ist noch ungewiss. Gestatten die Chinesen ihm, im
Potala beerdigt zu werden? Wird es überhaupt einen Nachfolger geben? Ich hoffe
es. Überall im Palast waren auch Mönche in den Ecken versteckt. Da es so dunkel
ist, sieht man sie immer kaum. Außerdem war gerade Mittagszeit und alle hatten
Schüsseln mit Stäbchen bei sich. Beim Abstieg auf der Rückseite des Bergs (da
gibt's ne Strasse!!!) bin ich natürlich gestürzt. Aber elegant! ;) Seitdem
schmerzte mein linker Knöchel etwas. Es war nur ein Stufe, aber der Stein war
dermaßen glatt und es ist ja auch immer alles so steil. *seufz* Unten angekommen
waren wir total platt, aber an Pause war nicht zu denken. Es ging sofort weiter
zum Sera Kloster, ca. 4 km entfernt. Der dortige Abt hat u.a. auch den aktuellen
Dalai Lama gesucht. Als der Alte nämlich gestorben war, zeigte sein Leichnam
nach Osten und so ist der Abt mit einer Delegation aus Lhasa nach Osten gesogen
und hat das Kind gesucht, in dem der Dalai Lama wieder geboren wurde. Er hat's
natürlich auch gefunden und es hat alle drei Prüfungen bestanden (z.B. einen
Gegenstand des Letzten unter falschen wiedererkennen). Im Sera Kloster haben wir
dann zwei Kapellen besichtigt. Die eine beinhaltete eine Druckerei, in der alte
Schriftrollen kopiert werden. Gelie faselte auch immer was vom tibetischen
Martin Luther. ;) In der zweiten waren drei Mandalas zu sehen...aus Sand! Ich
kann's nicht beschreiben, googelt es einfach mal oder wartet aufs Foto. Sehr
beeindruckend! Die Debatte der Mönche war eher enttäuschend. Es hat nicht mehr
viel mit dem Ursprung zu tun, sondern dient nur noch zur Belustigung der
Touristen. Die Mönche wirkten lustlos und debattiert wurde auch nicht wirklich.
Wir sind nach 15 Min. gegangen. Gegen 16:20 waren wir wieder im Hotel und ruhten
etwas. 18:00 sind wir alle ins Tibet Steak House und haben typisch tibetisch
gegessen. Es war eigentlich ziemlich lecker, nur für meinen Geschmack manchmal
etwas zu scharf. Und Tsampa war auch nicht so lecker, wie wir erwartet hatten.
Nach dem Essen sind wir mit Inken, Bernhard und Horst zum großen Platz hinter
dem Volkspark, von wo man einem fantastischen Frontalblick auf den Potala hat.
Aber auch da wurde man durchleuchtet, es ist unglaublich. Die anderen stürzten
über den Platz, um Josef und Georg zu suchen, die schon vorgegangen waren. Ich
war total platt und gesellte mich zu einer Chinesin auf einer Bank. Beim
Fotografieren störte mich noch die rote Fahne vorm Potala, doch auf einmal wurde
sie heruntergenommen. Plötzlich war ein Militäraufmarsch mit Orchester zu hören
und dann auch zu sehen...die chinesische Flagge wurde neu gehisst. Das ganze
wiederholte sich drei mal! Hä? Um 08:10 dann ertönte drei mal ein lauter Gong
und bunt beleuchtete Wasserspiele mit chinesischer Musik gingen los. Das war
wirklich wunderschön. Kurz danach ging das Licht an...der Potala wurde imposant
beleuchtet und wir fotografierten was das Zeug hält. ;) Dabei lernten wir noch
ein holländisches Ehepaar kennen. Die Welt ist klein. Wieder zurück im Hotel
sind wir einfach nur noch umgefallen. Der Potala allein hat schon für einen Tag
gereicht, aber nö, es musste ja noch ein Kloster sein. Das Programm ist dermaßen
voll gepackt, dass man am Tagesende (mittlerweile auch schon ab mittags) einfach
nur noch tot ist. Bitte daher nicht wundern, dass die Beiträge nicht zeitnah
kommen. Morgen gehts für 33 Std. in die Tibet-Bahn, da haben wir auch kein
W-Lan.
PS: Eve & Angie: eure Geburtstagsgrüße an Jana habe ich übermittelt. ;) Sie hat
sich sehr gefreut.
Hi Rena, ich hoffe euch geht’s gut. Bin schon verwöhnt von deinen Reisemails, das ich mir gleich Sorgen mache wenn 1 Tag keines kommt. Denk mir aber, dass ihr einfach zu geschafft seid.
AntwortenLöschenDa ich nicht weiß, ob Jana ihre Mails heute liest oder bei Facebook reinschaut, hab ich einen Auftrag an dich. Gib ihr eine ganz feste Umarmung und ich wünsch ihr alles Liebe zum Geburtstag. Post ist auf dem Weg zu ihr. Endlich kann mein Geschenk mal nicht zu spät ankommen ;-)
Wünsch euch noch viel Spaß.
Alles Liebe
Eve
Hallo liebe Rena! Mensch, das hört sich alles nach einer wahren Abenteuerreise an. Lhasa mal live zu sehen muss wirklich atemberaubend sein. Schade, dass es Jana nicht gut geht/ging. Ich hoffe, ihr geht es wieder besser bzw. ihr könnt beide Tibet trotz der Höhe genießen?
AntwortenLöschenIch bin schon soooo gespannt auf eure tollen Fotos. Schön auch ,dass ihr euch mit eurer Reisegruppe so gut versteht und mit manchen immer mal wieder was auch gemeinsam unternehmt.
Euch weiterhin viel, viel Spaß und drücke Jana heute anlässlich ihres Geburtstages ganz lieb von mir (ich habe ihr auch eine SMS geschickt, ich weiß nur nicht, ob sie angekommen ist...).
Ganz viele liebe Grüße!
Angela